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theure Erbe der Väter, auch fernerhin seine Wohnstätte in diesen Mauern!— Harmonische Bildung, wie sie hier gefördert und gepflegt werden wird, besteht ja nicht bloss im Einprägen und Erlernen nützlicher Kenntnisse und Fertigkeiten, sondern erfordert vor Allem auch sitt- liche Tüchtigkeit, Lauterkeit der Gesinnung, Reife des Charakters, die allein gesund und fest gegründet sein können, wenn sie gewurzelt sind in solider Gottesfurcht, in erleuchteter, auf- richtiger und inniger Frömmigkeit. Eine Pflanze, die aus ihrem Boden gerissen wird, muss verdorren. So würde von unserer ganzen Kultur und Gesittung, wenn sie sich jemals von dem Boden des religiös-sittlichen Sinnes loslösen sollte, nichts weiter übrig bleiben, als ein Aàusserer Schliff ohne innern Werth; und eine solche, immerhin noch so hoch gesteigerte Civili- sation würde unsere Nation doch nicht behüten vor der Gefahr, in dem Sumpf des Materiglis- mus zu versinken, durch den Alle ihre idealen Güter sammt ihrer Wohlfahrt in ihrem Prieden bedroht wären!
Frieden— wobei freilich nicht an faulen todten Frieden zu denken ist. Wo reges geistiges Leben herrscht, da ist auch Verschiedenheit der Meinung, da ist Kämpfen und gegen- seitiges Messen der Kräfte unvermeidlich. Sind aber die Gemüther von jenem göttlichen, gen Himmel gerichteten Sinne erfüllt, aus dem allein wahre Humanität hervorgeht, sind die Geister vom Evangelium Christi durchleuchtet und die Charaktere an den lebendigen Gott gebunden, dann wird jenes Kämpfen sich zu einem gesegneten Wettstreit gestalten, bei dem es sich um den Preis handelt, wer am besten dienen, wer am meisten Opfer bringen kann zum Wohle des Ganzen, dann wird auch mitten im Streite das Band sich niemals lockern, durch welches in gegenseitiger brüderlicher Liebe und Verträglichkeit, in gegenseitiger Anerkennung und Achtung vor jeder gewissenhaften, ehrlichen Ueberzeugung auch die Genossen verschiedener Lager und Geistesrichtungen mit einander verbunden sind.
In solchem Sinn und Geist fühlen auch wir, die hier Versammelten, uns mit einander verbunden und treten, also vereint, vor das Angesicht des Herrn unseres Gottes, des Vaters unseres Herrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über Alles, was Kinder heisst im Himmel und auf Erden. Zu ihm erheben wir Herzen und Hände und beten:
Habe Dank, grundgütiger Gott, für alle Barmherzigkeit und Treue, für alle Errettun- gen und Durchhilfen, die wir insgesammt, jeder Einzelne in seinem Leben, aus deinen Händen reichlich erfahren haben! Habe Dank insbesondere für alle Gnadenerweisungen, mit denen du diese Anstalt bisher gesegnet und ihr jetzt eine liebliche und würdige Heimstätte bereitet hast. Und nun bitten wir dich, zeuch ein in dies Haus und erfülle immer aufs Neue Alle, die daran arbeiten werden, mit deinem Geiste! Segne den theuren Mann, der heute die Lei- tung dieser Anstalt übernimmt und mit ihm alle seine Mitarbeiter! Segne die gegenwärtigen Lehrer, sowie die der kommenden Geschlechter! Rüste sie aus mit Weisheit und mit Freudig- keit zur Ausrichtung ihres herrlichen aber verantwortungsvollen Berufes! Weihe diesen Raum zur Stätte redlichen energischen Fleisses und ernsten wissenschaftlichen Strebens! Erwecke in unserer Jugend von Geschlecht zu Geschlecht empfänglichen Sinn für die Wahrheit aus Gott, für alles Grosse und Gute, für alles Edle und Schöne und lass sie aufwachsen im Schmuck feiner Sitte und ehrbarer Zucht, lebendiger Gottesfurcht und begeisterter Vaterlandsliebe!— Vor unsern Geistesblick stellen sich heute die ungezählten Schaaren von Knaben und Jünglingen,


