Aufsatz 
Schluss des alten und Eröffnung des neuen Gymnasiums in Elbing / von Oberlehrer Anger
Entstehung
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Wo du Herr nicht mit uns baust Segne treuer Lehrer Fleiss! Gnädig auf uns niederschaust, Lohne treuer Hörer Schweiss! Hilft all' Müh' und Kunst doch nicht! Jedes Saatkorn hier gestreut Drum lass leuchten uns dein Licht! Werd' ein Korn zur Ewigkeit!

Darauf betrat Herr General-Superintendent Dr. Carus das Katheder und weihete das neue Gebäude mit nachstehendem Gebete ein:

»Gelobet sei der Herr und gelobet sei sein herrlicher Name: Alle Lande müssen seiner Ehre voll sein! Denn der Herr ist gross und sehr löblich, seine Grösse ist unaussprechlich. Kindeskinder werden seinen Ruhm verkündigen und seine Wunder preisen. Es sollen ihm danken alle seine Werke und reden von seinen herrlichen Thaten. Lobe Zion, deinen Gott, denn er macht fest die Riegel deiner Thore, er segnet deine Kinder darinnen und schaffet deinen Grenzen Heil und Frieden. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich!

Das sind Psalmenklänge, hochverehrte Festversammlung, in denen der heilige Sänger uns zum Lobe unseres Gottes aufruft. Und billig wohl muss der erste Laut, der bei der heutigen Feier in diesen schönen lichten Räumen erschallt, ein Wort des Preises sein, das als Fest- und Freudenopfer in Bitte, Gebet und Danksagung zum Thron des Allmächtigen aufsteigt, zu ihm, dem Vater des Lichts, von welchem alle gute und alle vollkommene Gabe herabkommt. Seinem Schutz und Schirm ist es vor allem zu verdanken, dass dieser herrliche Bau glücklich zu seiner Vollendung gediehen ist, und auf seine behütende Treue sehen wir uns hingewiesen, indem wir wünschen und hoffen, dass dies Haus bis in ferne Zeiten unver- sehrt stehen werde als eine Zierde dieser Stadt, als ein Denkmal idealen Sinnes und Stre- bens in unserem Volke und als eine Pflanzstätte im Reiche des Geistes, aus der edle Reiser erblühen und immer frische junge Kräfte hervorgehen sollen, tüchtig zum Dienst in Staat und Kirche, in Wissenschaft und Leben, im Kriegerberuf wie in den Werken des Friedens!

Ja, an Gottes Segen ist Alles gelegen und ohne ihn können wir nichts thun. Kann kein Saatfeld ergrünen und goldne Früchte tragen ohne den Thau und Sonnenschein des Him- mels, um wie viel weniger kann man bei Bebauung des edelsten Ackers der Knaben- und Jünglingsseelen des Segens von oben entbehren! Mögen auch Männer von hohem Geistesadel, Männer gleich einem Paulus und Apollos hier pflanzen und begiessen: es wird immer bei dem Bekenntniss des grossen Apostels verbleiben: Paulus hat gepflanzet, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Gedeihen gegeben.

Heil darum einer Anstalt, die, wie diese thut, über das Werk, welchem sie dienen will, den Spruch aus Gottes Wort als Inschrift setzt: Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang, das ist eine feine Klugheit, wer danach thut, dess Lob bleibt ewiglich! Aus der Kirche ist diese Anstalt hervorgewachsen, aus der Kirche des Mittelalters; durch die Refor- mation aber hat sie ihre Wiedergeburt erfahren und sind ihr die hohen Ziele gesteckt, denen sie Jahrhunderte hindurch in Ehren und reich an Erfolgen nachgestrebt hat, so dass der Name dieser Anstalt und ihrer Leiter, von Mylius bis auf Benecke, mit dem Ruhm dieser Stadt eng verflochten ist. Behalte der Sinn und Geist, der bisher hier gewaltet hat, das