Aufsatz 
Schluss des alten und Eröffnung des neuen Gymnasiums in Elbing / von Oberlehrer Anger
Entstehung
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Spät am Abend desselben Tages wurde der Wirkliche Geheime Ober-Regierungs-Rath und Ministerialdirector Dr. Greiff, der Vertreter des Herrn Ministers der geistlichen Angelegen- heiten auf dem Bahnhofe empfangen; und am nächsten Tage Vormittags der Herr Regierungs- präsident von Saltzwedell aus Danzig, Vertreter des Herrn Oberpräsidenten von Ernst- hausen, und der Herr Generalsuperintendent Dr. Carus aus Königsberg i. Pr.

Der 17. April, der Tag der Einweihung, wurde von dem herrlichsten Frühlingswetter begünstigt. Die Stadt hatte ihr Festgewand angelegt; überall flatterten Fahnen und Wimpel lustig im Morgenwinde. Um 10 Uhr begab sich eine Deputation des Magistrates in die Woh- nung des Herrn Geheimrath Benecke, um demselben in dankbarer Anerkennung der grossen Verdienste, welche er sich um das hiesige Schulwesen erworben hat und in lebhafter Bethäti- gung der Hochachtung, welche die Bürgerschaft für ihn hegt, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Elbing zu verleihen. Gegen 11 Uhr strömten die festlich gekleideten Schüler und die zahl- reichen Gäste dem alten Gymnasium zu, von wo aus nach einer kurzen Schlussfeierlichkeit in der Aula der Umzug nach dem neuen Gymnasium stattfinden sollte. Bald nach 11 ½ Uhr begann die Feier in der dichtgefüllten Aula. Die beiden ersten Verse des herrlichen Chorals: »Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren« durchbrausten zum letzten Male den ehrwürdigen Raum. Darauf betrat der Unterzeichnete das Katheder und richtete an die Ver- sammelten folgende kurze Ansprache:

Verehrte Anwesende!

»So ist denn der Tag herbeigekommen, da wir zum letzten Male in diesem Hause versammelt sind; ehe der Hammer der Uhr zur zwölften Stunde aushebt, haben wir es auf immer verlassen. Dem, was Aller Herzen bewegt: heiliger Erinnerung, innigem Danke und herzlichen Segenswünschen seien diese letzten Minuten geweiht.

Heilig und unverlöschlich sind die Erinnerungen an diese Stätte für Euch, ihr Knaben und Jünglinge, und für Euch, ihr Männer und Greise, denen hier zuerst Geist und Herz für das Wahre, Gute und Schöne geöffnet wurden. Wie treue, wohlbekannte Freunde grüssen Euch diese Räume und rufen in Euch wach die Erinnerung an Eure goldene Jugendézeit, an Eure Lehrer und Schulgefährten, an ernste und heitere Stunden. Wie wunderbar fest ver- schlungen sind doch gerade die Erinnerungen an Ort, Personen und Erlebnisse der Jugendzeit! Was denselben von menschlicher Umschränktheit anhaftete, es ist in der Erinnerung des gebil- deten Mannes abgeschwächt, und um so reiner und freundlicher erhebt sich in ihr der Gedanke an die Vergangenheit. Hier leiteten Eure Lehrer Eure ersten Schritte auf der Bahn der Wissen- schaft, hier hüteten sie die heiligen Schranken der Ordnung und Sitte; hier fasstet ihr die heiligen, ernsten Vorsätze zum Guten, hier seid ihr vorbereitet worden, sie auszuführen. Wie sonst nirgends im Leben walteten hier Recht und Gerechtigkeit, wurde das Böse gestraft, das Gute gepflegt und gefördert; was Wunder, wenn der vielumhergetriebene Mann auf diese Zeit als auf eine goldene mit Rührung und Wehmuth zurückschaut, und wenn er in seinem Herzen die Erinnerung an diese Räume stets hoch und werth hält. Wo ich hinhörte, überall begegnete mir diese Pietät, die nur ein Geschwister hat: die Liebe zum Vaterhause. Darum Dank. euch, ihr heiligen Räume. Dank Euch, die Ihr sie erbaut und geschützt, Dank Allen, die in euch gewirkt. Möge der Segen des Allmächtigen auf dieser geweihten Stätte auch ferner