Aufsatz 
Schluss des alten und Eröffnung des neuen Gymnasiums in Elbing / von Oberlehrer Anger
Entstehung
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Schulcollegium und dem neuen Director die für den Einweihungstag nothwendigen Vorarbeiten übernehmen sollte. Dieses Comité bestand aus den Herren: Prof. Mehler, Dr. Kausch und dem Unterzeichneten. Aus dem Kreise der früheren Schüler des Gymnasiums hatte sich ein zweites Comité gebildet, bestehend aus den Herren: Amtsrichter Steckel, Dr. med. Laudon, Kaufmann Madsack und Referendar Alsen, welche mit den früheren Schülern in Verbin- dung traten, dieselben von den Vorbereitungen in Kenntniss setzten und sie zu Beiträgen für eine»Benecke-Stiftunga¹) aufforderten.

Auch die Schüler des Gymnasiums selbst blieben nicht unthätig. Auf Anregung des Unterzeichneten veranstalteten sie eine Geldsammlung zur Anschaffung einer Fahne, welche den Schülern am Tage der Einweihung vorangetragen werden sollte. Herr Maler Penner, ein früherer Schüler des Gymnasiums, entwarf eine vortreffliche Zeichnung, welche nach seinen Angaben von den kunstgeübten Händen mehrerer Damen Elbings gestickt wurde. Das schwer- seidene, von echten Goldborten und Goldfransen eingefasste Banner gewährt einen sehr statt- lichen Anblick. Die eine aus rothem Seidenrips bestehende Seite zeigt auf weissem Felde den preussischen Adler umgeben von einem Lorbeerkranze, die andere aus weissem Seiden- rips bestehend in der Mitte das Elbinger Wappen umgeben von zwei Eichenzweigen, die oben nicht zusammengehen und unten durch eine Schleife zusammengehalten werden. Ueber den Eichenzweigen steht in altdeutscher Schrift das Wort: Athenaenm, unter denselben das Wort: Elbingense und darunter die Jahreszahl 1882. In den beiden oberen Ecken ziehen sich Arabesken hin, die bis zur Hälfte des weissen Feldes auslaufen. Das zwei Meter lange und ein Meter breite Banner ist durch zwei Goldschnüre an die Spitze einer vier Meter hohen Stange befestigt, auf der eine vergoldete Eule thront, die in ihren Klauen ein aufgeschlagenes Buch hält²).

Die Vorbereitungen für die Einweihungsfeierlichkeiten mussten beschleunigt werden, als das Königl. Provinzial-Schulcollegium die Einweihung des neuen Gebäudes auf Montag, den 17. April, also auf den ersten Tag nach den Ferien, festsetzte. Den Schülern der Anstalt wurde daher durch die Zeitungen bekannt gemacht, dass sie sich schon am Sonnabend den 15. April Morgens 8 Uhr in den Räumen des alten Gymnasiums einzufinden hätten, um von dem Unter- zeichneten die nöthigen Weisungen betreffs ihrer Betheiligung an dem Feste zu erhalten. Am Sonnabend Abend waren die Vorbereitungen im Ganzen beendigt.

Am Sonntag den 16. April, Abends 7 Uhr, versammelten sich die bereits erschienenen Festtheilnehmer zu einem gemüthlichen Zusammensein in den Räumen des Casino. Unter den erschienenen Gästen befanden sich auch die Herren: Geheimer Regierungsrath und Provinzial- Schulrath Dr. Schrader, Provinzial-Schulrath Dr. Kruse, Geheimer Medicinalrath Prof. Dr. Hirsch aus Berlin, ein früherer Schüler des Gymnasiums, Oberbürgermeister Wisslinck aus Thorn, und bald entwickelte sich nach einer kurzen Begrüssung seitens des Unterzeichneten ein reger, herzlicher Verkehr unter den Festgenossen.

¹) Nachträglich erfahre ich, dass das Comité dem Herrn Dir. Töppen nähere Mittheilungen über diese Stiftung gemacht hat; vgl. die Chronik.

) Die Gesammtkosten betrugen 400,53 M. 287,85 kamen durch die Beiträge der Schüler ein, der Rest wurde durch die Einnahme einer am 10. Sept. 1882 von Herrn Cantor Odenwald veranstalteten Matinée gedeckt.