Aufsatz 
Schluss des alten und Eröffnung des neuen Gymnasiums in Elbing / von Oberlehrer Anger
Entstehung
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ruhen. In Zukunft bestimmt für eine Mittelschule, hütet ihr ehrwürdige Räume noch viele Jahre das heilige Feuer der Bildung des Geistes und Herzens. Ist es gleich nicht die Fackel der Wissenschaft, die weithin Licht verbreitet, es ist doch immer Licht, das von hier ausstrah- len soll, dessen göttliche Kraft die Nacht der Unwissenheit und des Wahnes siegreich durch- bricht. Ja, Herr, du König der Welt, der du vor dreihundertsechsundvierzig Jahren den Eingang unserer Väter in dieses Haus gesegnet, segne auch unsern Ausgang, auf dass alles zu deiner Ehre gereiche und zu deinem Lobe. Amen!«

Nach Absingung der Strophe:»Lobe den Hèerren, was in mir ist, lobe den Namen,« begaben die Anwesenden sich auf den Gymnasialplatz und ordneten sich daselbst in folgender Weise zum Festzuge. Auf der Ostseite und dem Haupteingange zunächst hatte ein Musik- korps Aufstellung genommen; dann folgten die Fahne und der Ost- und Südseite des Platzes entlang von Herrn Dr. Kausch geführt die Schüler der Anstalt von Sexta bis Prima zu je dreien geordnet. Dem Zuge der Schüler schlossen sich, geführt von Herrn Prof. Mehler und dem Unterzeichneten die Spitzen der Behörden und die eingeladenen Gäste an; dieselben nahmen auf der Westseite ihre Aufstellung; und den Schluss des Zuges bildeten auf der Nordwest- und Nordseite des Platzes die zahlreich erschienenen früheren Schüler. Nach beendigter Aufstel- lung bot sich dem Beschauer ein anmuthiges Bild dar. Das prächtige hochragende Banner, die zahlreichen Fähnchen und Wimpel, welche von den Schülern der unteren und mittleren Klassen getragen dem Zuge etwas heiter Festliches gaben, die strahlenden Gesichter der Knaben, die ernsten und wehmüthigen Mienen der Männer, die nun den letzten Ehrentag des alten Gymna- siums feierten, im Hintergrunde die stummen und doch so beredten Mauern des altehrwürdigen Gebäudes, darüber das strahlend blaue Himmelsgewölbe und der Glanz der Sonne, das alles wirkte zusammen, um diesen Moment zu einem unvergesslichen zu machen. Tiefe Stille trat ein, als die Glocke der Anstalt das Zeichen zum Aufbruche gab. In feierlich ernstem Zuge umschritten die Festgenossen den Platz und die Glocke begleitete ihren Gang, bis die Letzten des Zuges den Platz verlassen hatten. Als die Spitze des Zuges die heil. Geiststrasse erreichte, liess das Musikkorps die heiteren Weisen eines Festmarsches ertönen. Tausende von Zu- schauern begleiteten den Zug; auf dem festlich geschmückten Alten Markte begrüssten ihn andere Tausende dicht gedrängt. Als der Zug die Mitte des Alten Marktes erreicht hatte, da flog mancher Blick empor zu dem Fenster, an welchem das ehrwürdige Haupt des hoch- betagten, allverehrten einstigen Lehrers des Gymnasiums, des Herrn Prof. Merz, sich zeigte, und mancher Segenswunsch stieg zu ihm empor, und mancher Segenswunsch stieg von ihm herab auf die vielgeliebte Schaar. Der Sechsundachtzigjährige traute sich ungeachtet seiner noch immer bewahrten Rüstigkeit nicht die Kraft zu, persönlich der Feier beizuwohnen. In der Nähe der Marienkirche schwieg die Musik und die Glocken der Kirche sandten ihren Scheidegruss den Ausziehenden nach. Als der Zug durch das Marktthor hindurch der Königs- bergerstrasse sich zuwendete, da begrüssten die Glocken der St. Annenkirche, in deren Spren- gel das neue Gymnasium liegt, die Einziehenden. Vor dem Haupteingange des neuen Gymnasiums machte der Zug halt. Des beschränkten Raumes wegen traten ausser den Spitzen der Behörden nur noch wenige andere dem Gymnasium nahe stehende Personen an die noch verschlossene Hauptthür des Einganges. Es waren dies die Herren: Ministerialdirector Greiff, Regierungs-