22 von ihm führen lassen(VII 161). Daß der Hellene auch sittlich viel höher steht als der Barbar, beweist deutlich Pausanias, der mit Entrüstung das Ansinnen zurückweist, den Leichnam seines Feindes zu schänden,(IX 79) und es verschmäht, die Kinder des entflohenen Attaginos für ihres Vaters Schuld büßen zu lassen(IX 89). Gegensatz zu Xerxes(VII 39 und 238)!
Besondere Anerkennung verdient das gemeinnützige Handeln der Athener(VIII 144), sie verzichten trotz ihrer vielen Schiffe auf den Oberbefehl zu See im Interesse der Einigkeit(VIII3) und geben ihre Stadt preis, um der Gesamtheit zu nützen(cf. Brand Moskaus durch die Russen!). Um so trauriger erscheint dem gegenüber die Uneinigkeit der Griechen(kurzsichtige Politik der Spar- taner, die nur den Peloponnes schützen wollen(VIII 57 und öfters); Feindschaft zwischen Korinthern und Athenern(VIII61), Mißgunst der Bundesgenossen gegen Athen(VIII 2). Hier erkennen wir bereits die Keime der künftigen inneren Verwicklungen. Schon damals wäre Griechenland an der Uneinigkeit seiner Stämme(cf. die Germanen nach Tacitus!) zu Grunde gegangen, wenn es sich nicht schließlich der UÜbermacht Athens hätte beugen müssen(VIII 62). Diese Ereignisse predigen uns Deutschen die Lehre: Seid einig, einig, einig! und zeigen uns die Notwendigkeit und den Nutzen einer starken führenden Macht.
Die treibende Kraft bei den Athenern ist unstreitig Themistokles. Er veranlaßt die Athener, eine Flotte zu bauen und dann die Schiffe zu besteigen(VII 143 und 144), zwingt den Eurybiades, den Kampf bei Salamis zu beschließen(VIII63); läßt die Griechen einschließen(VIII75); hindert geschickt eine Trennung bei der Verfolgung der Perser(VIII 107). Damit erhalten wir eine Be- stätigung des schon früher gefundenen Satzes, daß bedeutende Thaten das Verdienst einzelner großer Männer sind, die Menge sich aber nur leiten läßt.
Doch nur die Spartaner zollen ihm die verdiente Anerkennung(VIII 124), denen gegenüber die Haltung der übrigen Griechen um so häßlicher erscheint(VIII 123).
Von grobßer didaktischer Bedeutung sind endlich auch die Reden, die Herodot wichtigen Momenten der Handlung vorausschickt. Wie der Tragiker in den Chorgesängen, so legt hier der Bistoriker seine religiös sittliche Weltanschauung nieder. Diese ist ernst, fast düster. Wehmut erfaßt ihn über die Vergänglichkeit des Irdischen, die Welt erscheint ihm als ein Jammer- thal, weil das kurze Erdendasein noch so sehr mit Leiden erfüllt ist, daß der Tod als Erlösung er- scheint(VII46). Khnliche Gedanken liest der Schüler in I bei Homer, II. VI146—149:
0T„ eò αοσν νενευ, 1011 d τα ανοσνmν.
†⁶⁵laα 1*Qάεν τννανερ̈ας ⁷τάαιαανςι εέe, d³α ϑ ϑ⁸ουνν 11ε⁶m‧c Nel, 8cνροσdϑ'εονννer ⁶ον.
69G dAν⁶ον εκνεινσmι 1ειέν ꝓφέει, νdmνπν⁹t.
Man glaubt die Worte des Psalmisten zu hören:„die Menschen sind gleich wie Gras, das doch bald welk wird, das da frühe blühet und bald welk wird und des Abends abgehauen wird und verdorret“ und„Unser Leben währt 70 Jahre.. und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon“(Psalm 90).
Noch echt heidnisch ist hingegen die Vorstellung vom Neide der Götter, der nichts Großes duldet(VII 10),(cf. Ring des Polykrates!). Aber diese UÜberzeugung von der Nichtigkeit alles Irdischen ist ein Produkt der tiefen Frömmigkeit Herodots. Der Fall des Xerxes ist die Folge jener 50½, wie denn der Schriftsteller überhaupt in dem Gang der Geschichte überall das gerechte Walten der Gottheit erblickt. Deshalb schreibt er auch das Hauptverdienst an dem Sieg in dem großen Völkerringen demütig der Gottheit zu und erinnert dadurch an die gerade durch ihre christliche Demut um so heller leuchtende Heldengestalt des hochseligen Kaisers Wilhelm I., der nach dem glorreichen Siege von Sedan die denkwürdigen Worte schrieb:„Welch' eine Wendung durch Gottes gnädige Führung“.


