21 widersprechen(VIIS und 14; VIII6S8.); selbst die wenigen, die es wagen, die Wahrheit zu sagen, flechten Schmeicheleien ein(VII104; VIII6Sp); denn Widerspruch kann er nicht ertragen (VII11); einem Rat folgt er nur, wenn er vorher schon zu demselben entschlossen war(VIII 103); Krieg führt er nicht bloß für die Ehre des Landes, sondern aus Ruhmsucht und Ländergier(VIISæ. und p), daß er dabei auch Unschuldige unterjocht, kümmert ihn nicht(VIISy)(!). Dabei ist er abergläubisch und wankelmütig(VII 13); sein Stolz äußert sich sogar der Natur gegenüber(Durch- graben des Athos[VII 25] und Geißeln des Meeres[VII 35, 760]); die Gerichtspflege ist will- kürlich, nach Laune lohnt er(VII 29), ist mitunter großmüthig(VII 136), zeigt auch einmal Mit- gefühl mit anderen(VIII46); aber nach Laune straft er auch Unschuldige(VII 35 u. 39 und VIII 118), denn Leben und Eigentum der Unterthanen gilt ihm gar nichts(VII 39)[?oος!]; über die Menschen denkt er überhaupt schlecht(VII 237); betrachtet sie nur als Zahlen und Nummern (VII 103) und kennt nur Gehorsam infolge von Geißelhieben. Dem Kampfe seiner Truppen sieht er aus sicherer Ferne zu(Thermopylae, Salamis) und läßt sie in den Tod peitschen. Seine Wut läßt er selbst noch am toten Gegner aus(ö80¹8!)(eine ähnliche Steigerung der 5½ wird sich in I finden lassen, wenn in Sophokles Antigone die tragische Schuld des Kreon nachgewiesen wird) und kennt nicht eimmal Scheu vor den Göttern, deren Tempel er einäschert(VIII 53) Ihöchster Grad der d½οοις—. Wer denkt hier nicht an die Worte Uhlands:
. Was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut, Und was er spricht, ist Geißel, und was er schreibt, ist Blut.
Aber die Strafe der Götter erreicht den Frevler, und man glaubt eine Beschreibung der Rückkehr seines modernen Ebenbildes, Napoleons I., aus Rußland zu lesen, wenn man VIII 115 des Xerxes Rückkehr nach Persien liest. Unwillkürlich fallen uns die Worte Homers ein:
æνπμνν deνο σꝓσεέερνιυνs‿αααάαευα⁴x—‿ωοdꝛϋ—w
Auch der Unterschied zwischen dem Barbaren und Hellenen tritt klar zu Tage. Bei jenem ist des Herrschers Wille das einzige Gesetz, der Beherrschte beugt sich sklavisch und schmeichelt noch. Für sittliche Güter hat er ebensowenig Verständnis wie sein Herr, und deshalb kann auch Hydarnes den Spartanern Sperthias und Bulis raten, für eine angesehene Stellung auf die Freiheit zu verzichten VII 135. Wie Vieh läßt er sich durch Geißelhiebe zur Schlachtbank treiben. Dabei müssen wir uns eigentlich wundern, daß sich das persische Heer so tapfer schlägt, denn am Preis des Kampfes kann ihm nichts gelegen sein. Besonders verdient die Haltung der Garde(„der Unsterblichen“) alle Anerkennung. Ihre bevorzugte Stellung legt ihnen auch besondere Pflichten auf.(Vgl. unsere Garderegimenter und im Gegensatz dazu die römische Garde der Prätorianer, die nicht ins Feld zog.)— Dem Hellenen dagegen, dessen Richtschnur die Begriffe doeziij und †α sind, gilt das Gesetz(»⁶αο) mehr als Herrscherwort. Im Bewußtsein dieser sittlichen Güter setzt er Ehre und Freiheit über alles.“) Mit Schillers Worten:„Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben“ ist die Haltung der spartanischen Gesandten am besten charak- terisiert. Höher als Privatinteressen steht das Gemeinwohl dem einzelnen(Sperthias und Bulis VII133— 137 und Timogenides IX 87), wie der Gesamtheit(Auszug der Athener VIII40 und 41, wozu man im Preisgeben Moskaus durch die Russen eine Parallele findet). Allen gilt als Wahl- spruch:„Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr alles freudig setzt an ihre Ehre“. Letztere wahren sie so genau, daß sie trotz ihrer Not lieber auf Gelons mächtige Hilfe verzichten, als sich
¹) J. Weisweiler, Die Litteratur und Geschichte des klassischen Altertums im Dienste der nationalen und patriotischen Jugenderziehung. Paderborn, Schöningh 1891. S. 21.„Die persischen und punischen Kriege sind Vorbilder des großen Nationalkampfes, den jedes Volk zur gegebenen Stunde um Freiheit und Existenz hat bestehen müssen: Tapferkeit, Opferwilligkeit, Eintracht, moralische Uberlegenheit hat den Sieg über den materiell überlegenen Feind davongetragen.“


