Aufsatz 
Die Schriftstellerlektüre der Ober-Sekunda nach den Grundsätzen der Konzentration : 1. Teil / von August Ahlheim
Entstehung
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Zeit schweren Ringens, die zur endlichen Besiegung des fremden Eroberers führte. Daß man auch in den Personen(Hannibal Napoleon) verwandte Züge findet, ist zu bekannt, um einer Aus- führung zu bedürfen. So glauben wir den Schülern abgeschlossene Bilder der zwei so grund- verschiedenen Männer vorgeführt zu haben. Während der eine alsdes Glückes lieber Sohn stets von der Gunst des Volkes getragen war und ein gütiges Geschick sogar seine Fehler(Ent- weichenlassen Hasdrubals aus Spanien) zum Guten ausschlagen ließ, hatte der andere trotz redlichen Strebensweder Glück noch Stern. Ohne Unterstützung durch seine Mitbürger, ja sogar von ihnen verleumdet und angefeindet, gelangte er, ganz aus eigener Kraft, anfangs zwar zu schwin-

delnden Erfolgen, Aber hinter den großen Höhen

Folgt auch der tiefe, der donnernde Fall.

Der Mann und seine Stellung zu seinem Vaterland können nicht treffender charakterisiert werden, als mit den Worten Uhlands im Prolog zuErnst, Herzog von Schwaben(Pensum

der UII: Das ist der Fluch des unglücksel'gen Landes,

Wo Freiheit und Gesetz darniederliegt,

Daß sich die Besten und die Edelsten Verzehren müssen in fruchtlosem Harm,

Daß, die fürs Vaterland am reinsten glühn, Gebrandmarkt werden als des Lands Verräter Und, die noch jüngst des Landes Retter hießen. Sich flüchten müssen an des Fremden Herd.

Was nun die Stoffverteilung anlangt, so erledigen wir die Partien der ersten Dekade während des Sommertertials, die Zeit von Mitte September bis Anfang Dezember füllt die Lektüre des 21., 22. und 23. B.(Hannibal im Glück!); nach einer ca. Swöchentlichen Pause, die durch die Vergillektüre verursacht wird, bleibt der Rest des Schuljahres der Erledigung der übrigen Partien.

Der Liviuslektüre tritt die Herodotlektüre ergänzend zur Seite. Wie dort das westliche, so ist hier das östliche Becken des Mittelmeeres der Schauplatz; den gemeinsamen Berührungs- punkt bildet Sizilien. Dem Zug Hannibals nach Italien entspricht der des Xerxes nach Griechen- land. Als Vorspiel geht die Schlacht bei Marathon voraus.

In den Ausführungen über Herodot können wir uns bei dem mehrfachen Heranziehen dieses Schriftstellers bei der Liviuslektüre wesentlich kürzer fassen. Zudem braucht man wegen der geringeren Stoffmenge und des verhältnismäßig raschen Einlesens der Schüler in diesen Schrift- steller bei der Auswahl nicht allzu ängstlich zu Werke zu gehen. Sprachlich wird an die Ergeb- nisse der Homerlektüre in UII angeknüpft; inhaltlich ergeben sich fortwährend Beziehungen zu Livius. Doch finden wir hier manche abweichende und dadurch um so interessantere Züge. Während dort ein festgeschlossener Einheitsstaat um seine Freiheit kämpft, beobachten wir hier das Ringen einer Reihe von selbständigen Staatswesen(Staatenbund!), die nur die Abwehr des gemeinsamen Feindes vorübergehend zusammenführt. Der imnere Gegensatz blickt aber überall durch und läßt. bereits den Keim der späteren inneren Verwicklungen klar erkennen. Neu ist auch das Hervor- treten des inneren Gegensatzes zwischen den beiden streitenden Nationen. Während wir hier in Denk- und Handlungsweise den Hellenen hoch über dem Barbaren stehen sehen und dadurch zu dem klaren Bewußtsein kommen, daß es sich hier um einen Kampf einer niederen Kultur gegen eine höhere, des Despotismus und der Barbarei gegen Freiheit und Gesittung handelt, tritt dieser Gegensatz zwischen Römern und Puniern nicht zu Tage. Einfacher liegen die Verhältnisse inso- fern, als wir hier nicht in die mißliche Lage kommen, unsere Sympathien zwischen Eroberer und Angegriffenem teilen zu müssen, sondern mit ganzem Herzen auf der Seite des Letzteren stehen. Für die Ereignisse des 2. Perserkrieges liegt ein Zurückgreifen auf Cornelius Nepos, abgesehen

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