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Die darauffolgende Geschichte der Diktatur des Fabius scheint uns nur von untergeordneter Bedeutung zu sein; denn es fehlt an bedeutenden Handlungen und Personen. Wie Hannibal mit leichtsinnigen römischen Feldherrn fertig wurde, zeigen Sempronius, Flaminius und Varro deutlicher als Minucius, die Kriegslist des Hannibal erkennt man praktischer an der Schlacht am Trasimenus als aus seinem Entkommen aus der römischen Einschließung bei Casilinum, und Fabius selbst leistet nichts Positives. Es wäre somit kein Schaden, wenn die Ausschließung dieser Partie von der Lektüre mit dazu beitrüge, an die Stelle des lange genug kritiklos wiederholten Verses: unus qui nobis cunctando restituit rem die richtigere Erkenntnis treten zu lassen:„Nicht der Zauderer hat Rom gerettet, sondern das feste Gefüge seiner Eidgenossenschaft“(Mommsen). Es könnte sich nun fragen, ob man nicht wenigstens die cap. XXXVIII—XL lesen solle. Aber die hier an- geführten Grundsätze des Fabius waren auf die Dauer doch nicht durchführbar, und der Gegensatz zwischen den beiden Consuln, der Proviantmangel des Hannibal, der Nichtschlagen gebot, sowie der unbedeutende Reitersieg des Varro sind nur Wiederholungen der Zustände vor der Schlacht an der Trebia. Wir wenden uns also sofort zu den Consulwahlen cap. XXXIV, XXXV und zur Schlacht bei Cannae cap. XLIV— LII. Aus den späteren Kapiteln heben wir noch hervor LIII, das Auftreten des jungen Scipio; LIV 7—LV 5, die unerschütterliche Haltung Roms(Fabius!), die man in der That nicht besser kennzeichnen kann, als mit den Worten Hieros: magnitudinem populi Romani admirabiliorem prope adversis rebus quam secundis esse. Selbst der Abfall eines Teils der Bundes- genossen, cap. LX 10— 15, kann dabei keine Anderung bewirken.
Im Gegensatze hierzu zeigt XXIII11—13 die Wirkung der Siegesbotschaft in Karthago. Nur ein vorübergehendes Aufflackern von Begeisterung ist zu bemerken. Selbst aus diesem un- vergleichlichen Sieg schöpft der Parteihader neue Nahrung, und Hannos Partei gewinnt es nicht über sich, den politisch verhaßten Hannibal trotz der jetzt sicheren Aussicht auf Erfolg zu unter- stützen. Daß dieser Staat auf die Dauer dem römischen nicht gewachsen ist, leuchtet ein. Con- cordia parvae crescunt, discordia maximae dilabuntur!(cf. im Gegensatz hierzu die Beilegung des Konflikts in Preußen nach den Siegen von 1866.)
Um Zeit zu gewinnen für eine Charakteristik Scipios, übergehen wir alle Ereignisse von geringerer Tragweite, wie den Abfall Capuas, die erste Niederlage Hannibals bei Nola etc., und wenden uns sofort zu BXXVII, cap. 43— 51(Schlacht bei Sena; Opferwilligkeit wie 1813!), an das sich dann als vorläufiger Abschluss die in BXXVIII 121—e enthaltene treffliche Charakteristik Hannibals anschließt.
Von jetzt ab tritt Scipio, auf dessen künftige Bedeutung schon in B. 21 hingewiesen wurde, in den Mittelpunkt des Interesses. BXXVIIS und 191-¹o enthalten seine Wahl für den spanischen Krieg, seine Erfolge zeigt am klarsten die Einnahme Neu-Karthagos cap. 44— 46, denen cap. 42 2—1o(die Lage der Stadt) vorausgeschickt wird. Eine Zusammenfassung seiner Thaten in Spanien enthält BXXVIII cap. 38, in dem wir ferner erfahren, daß er zum Consul gewählt und ihm Afrika als Provinz zugewiesen wird. Sofort nach seinem Amtsantritt bringt er entschlossen den Gedanken zur Ausführung, den Krieg nach Afrika zu verpflanzen.
In BXXIX 24 10-4 erfahren wir, welche Truppen ihm hierzu zur Verfügung standen; cap. 26 enthält seine Abfahrt und 271-s seine Landung in Afrika; BXXX, cap. 3—6 den Uberfall des punischen Lagers, der zur Rückberufung Hannibals und Magos führt, cap. 1912 bis 212. Daß sich jetzt die beiden bedeutendsten Feldherrn gegenüberstanden, spannte auf beiden Seiten die Erwartung auf Höchste, cap. 28. Da die durch Hannibal herbeigeführte Unterhandlung ergebnislos verläuft, cap. 30 und 31, kommt es zur Entscheidungsschlacht bei Zama, cap. 32— 35. Hierauf erfolgt der Friedensschluß cap. 43; den Abschluß bildet die Rückkehr Scipios cap. 45.
Das Schicksal Roms während dieses Krieges hat viel Khnlichkeit mit dem Preußens während der Napoleonischen Kriege. Ebenso wie Rom war dieses„auf seinen Lorbeeren eingeschlafen“, um durch vernichtende Niederlagen(Cannae— Jena!) aufgerüttelt zu werden; dann folgte die lange


