Aufsatz 
Die Schriftstellerlektüre der Ober-Sekunda nach den Grundsätzen der Konzentration : 1. Teil / von August Ahlheim
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17 hältnissen und Personen, z. B. Schlachtenschilderungen, Städtebelagerungen, Verschlagenheit der Führer(Themistokles, Hannibal), Uneinigkeit der Führer(griechische Feldherrn und römische Consuln), täglicher Wechsel des Oberkommandos(Miltiades, Consuln). Auch an andere Stoffgebiete lassen sich zahlreiche Anknüpfungen finden, so erinnert Hannibals Ubergang über die Rhone an den Ubergang der Zehntausend über den Tigris(Xenophon), der Alpenübergang an den über die Cevennen(Caesar) und über das Karduchengebirg(Xenophon), Hannibals Rede vor der Schlacht am Ticinus an die Alexanders vor der Schlacht bei Issus(Curtius) und Hannibals Person und Heer an Pyrrhus und sein Heer. Besonders werden die an Caesar und Xenophon erworbenen Kenntnisse über Kriegswesen befestigt und erweitert. Einzelheiten hier aufzuzählen, würde zu weit führen; aber für die Selbstthätigkeit der Schüler sind es zweckmässige Aufgaben, hierüber Zusammen- stellungen machen zu lassen, die Sach- und Wortkenntnisse zugleich fördern.¹) Auch für unsere Verhältnisse läßt sich aus den damaligen manche wichtige Lehre ziehen. Gegenüber der anfangs halt- und ziellosen Kriegsleitung der Römer zeigen die Erfolge der Barkiden in Spanien und Italien den Wert einer Dynastie, die nach einheitlichen Grundsätzen handelt, sowie die Uber- legenheit des stehenden Heeres über die Miliz. Der Mangel eines stehenden Heeres macht sich fühlbar bei dem wiederholten Zuspätkommen der Römer gegenüber Hannibal, der längst schlag- fertig am rechten Platze steht, ehe das gegnerische Heer mobil ist. Daß Scipio den Anordnungen des Senats gemäß sein Heer nach Spanien schickt, während die veränderten Verhältnisse es in Italien erforderten, findet ein Analogon im ehemaligen Wiener Hofkriegsrath. Nicht dem Senat, dem Feldherrn mußte hierüber die Verfügung zustehen; oder wie Wallenstein, zu dessen Person und Heer sich ebenfalls viele Parallelen finden lassen, treffend sagt:

Wenn für den Ausgang ich mit meiner Ehre

Und meinem Kopf soll haften, muß ich Herr

Darüber sein. Was machte diesen Gustav

Unwiderstehlich, unbesiegt auf Erden?

Dies: Daß er König war in seinem Heer!

Flaminius und Varro zeigen das Verderbliche des Einwirkens der Politik auf die Armee, sowie die Notwendigkeit, daß der Offizier nach Maßgabe seiner Fähigkeit zu ernennen und nicht nach dem Ergebnis der Wahlurne zu bestimmen ist; die Fehler Scipios und sein Verhältnis zu seinem Heer zeigen die Notwendigkeit von Berufsoffizieren, und die Motive des Sempronius zur Schlacht an der Trebia, daß der täglich wechselnde und mit einem bestimmten Tag ablaufende Oberbefehl eine unmilitärische Einrichtung war(Mommsen). Die Gliederung der Legion in Manipeln ist zu vergleichen mit der aus Caesar bekannten Cohortenaufstellunng und findet sich in unsern Kompagnien wieder. Daß diese Teilung in kleinere Verbände größere Beweglichkeit der Truppe und Verwendbarkeit auch auf schwierigem Terrain bezweckt, lernt der Untersekundaner schon aus Xenophon, Anab. III, IV 19 und 20.

Wenn wir nach diesen Gesichtspunkten die Lektüre einrichten, so muß das XXI. Buch ziem- lich vollständig gelesen werden. Doch kann man weglassen: cap. V3 16; XV 3- Ende; XVI; XVII; XIX; XX; XXI; XXII; XLVII4XLVIII, da die topographischen Angaben doch unrichtig sind; XLIX LI; LVII5- LXIII.

Von Buch XXII lesen wir zunächst die Schlacht am trasimenischen See cap. IIVII. Hier treten die oben erwähnten Mängel in der römischen Kriegsleitung und die UÜberlegenheit Hannibals klar zu Tage. Dasselbe, was uns Livius über das Erdbeben während der Schlacht erwähnt, erzählt, auch Herodot von der Schlacht bei Salamis.

¹) ef. Fries, Lateinisches Ubungsbuch für Tertia im Anschluß an Cnesar, bell. Gall. Anhang II.(Berlin, Weidmann.) 3