Aufsatz 
Die Schriftstellerlektüre der Ober-Sekunda nach den Grundsätzen der Konzentration : 1. Teil / von August Ahlheim
Entstehung
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Klasse(Amtsgericht, Landgericht, Oberlandesgericht, Reichsgericht) wie bei der anderen(Amts- gericht mit Schöffen; für schwerere Fälle: Strafkammer der Landgerichte; für Verbrechen: Schwur- gericht mit Geschworenen; Berufung nur möglich, wenn ein Gesetz verletzt ist; Reichsgericht bei Hoch- und Landesverrat), die ffentlichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens, die Teilnahme des Volkes am Richterspruch, indem die Geschworenen die Schuldfrage zu bejahen oder zu verneinen haben, das Begnadigungsrecht des Landesherrn kommen zur Sprache. Einzelne Züge, wie das Er- wecken des Mitleids der Richter, sind für die Rechtspflege des Altertums als charakteristisch her- vorzuheben, um in I beim Prozeß des Sokrates(Plato) daran anknüpfen zu können.

Von cap. XXVII genügt eine kurze Inhaltsangabe und von cap. XXVIII das Hervorheben

des Entschlusses des Tullus, Alba mit Rom zu vereinigen. Die Ausführung wird in cap. XXIX geschildert. Das Bild der Zerstörung einer Stadt wird in Verbindung gebracht mit der aus UII bekannten Eroberung Trojas(Vergil II) und ergänzt durch die Lektüre der Eroberung Sagunts(Livius B 21). Aus der Geschichte reihen sich an: die Zerstörung Roms durch die Gallier, Karthagos, Korinths und Numantias. Auch hier sind die Khnlichkeiten und Gegensätze aufzusuchen, so die Hoffnungslosigkeit der Albaner gegenüber der frohen Aussicht auf eine glückliche Zukunft bei den Trojanern; gewaltsame Austreibung wehrloser Bürger und Einnahme lange belagerter Städte im Sturm. Einzelne Scenen bei Livius stimmen fast wörtlich mit Vergil überein. Wie sich auch eine Verbindung mit dem in SchillersGlocke geschilderten Brand und demSiegesfest her- stellen läßt, habe ich an anderer Stelle gezeigt.¹) In GöthesHIermann und Dorothea finden sich ebenfalls verwandte Züge; so erinnern an die Worte des Livius: quid relinquerent, quid secum ferrent, deficiente consilio und raptim quibus quisque poterat elatis, die des Apothekers:

Ach, und es nimmt die Gefahr... dem Menschen alle Besinnung,

Daß er das Unbedeutende faßt und das Teure zurückläßt.

Cap. XXX zeigt die durch die Zerstörung Albas bewirkte Vergrößerung Roms(vergröberung der Stadt, Vermehrung des Senats und Vermehrung der Wehrkraft).

Mit der zwangsweisen Übersiedelung der Albaner cf. die der Juden nach Babylon, der Eretrier nach Persien, der Sachsen nach anderen Gauen Deutschlands.

Cap. XXXII, mit Ausschluß von§. 2, 3, 4, enthält, neben der Charakteristik des Ancus, die Einsetzung der Fetialen zur feierlichen Kriegserklärung. Diese kommt zu Stande durch Übereinstimmung des Königs und des Senats,²) wie bei uns durch den Kaiser mit Zustimmung des Bundesrates.

Im Gegensatz hierzu zeigt die Lektüre des Anfanges des 7. Buches von Herodot, wie dort nur der Wille des einzelnen maßgebend ist. Der Einfluß einer Frau(Atossa), die Intriguen eines Günstlings(Mardonius) im Verein mit auswärtigen Beeinflussungen(Pisistratiden und Alk- mäoniden) und Priesterbetrug führen den Krieg herbei. Im Kriegsrat spricht der Herrscher sofort seinen Willen aus und trifft seine Anordnungen. Freie Meinungsäußerung giebt es nicht.Die übrigen Perser schwiegen und wagten nicht eine von der vorliegenden abweichende Meinung zu äußern. Dem Artabanos, der das allein zu thun wagt, rettet nur seine Verwandtschaft mit dem König das Leben. Die hier gewonnenen Resultate werden bestätigt durch den Kriegsrat vor der Schlacht bei Salamis(B. VIII) und ergeben im Zusammenhang mit anderen Zügen den Begriff des Despotismus. Auf dem Aventin werden die Neubürger angesiedelt. Entstehung der Plebs!

Cap. XXXIII,§. 2 und 5 9, liefert reiche Beiträge zur Topographie Roms: Aventinus, Janiculus, pons sublicius, Quiritium fossa, carcer, Ostia, salinae.

¹) Vgl. meinen Aufsatz: Beitrag zur Behandlung der Vergillektüre, Gymnasium 1891, Nr. 1. ²) Über die Stellung des Senats cf. Mommson, Röm. Gesch. S. 78.