Aufsatz 
Beitrag zur philosophischen Propädeutik auf Gymnasien
Entstehung
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Ad 1. Der Umfang des einzutheilenden Begriffes muß durch die angegebenen Eintheilungs⸗ glieder wirklich genau beſtimmt ſein..

Hiergegen kann, ähnlich wie bei der Definition, auf dreifache Weiſe gefehlt werden: es kann entweder eine unter die betreffende Gattung fallende Art ausgelaſſen, oder eine nicht dazu gehörige mit aufgezählt werden, oder beides zugleich geſchehen. Im erſten Falle iſt die Diviſion zu enge, erſchöpft nicht die Sphäre des Begriffes, im zweiten zu weit, überſchreitet die Grenze desſelben, im dritten iſt ſie einerſeits zu enge, anderſeits zu weit.

z. B. wenn man a) die Handlungen des Menſchen in gute und ſchlechte b) die Säugethiere in Zweihänder(d. i. Menſchen!), Vierhaͤnder, gezehte, gehufte, klauige, ſchwimmfüßige und floſſenfüßige, c) die räum⸗ lichen Gebilde in Punkte, Linien, Flächen und Körper eintheilen wollte(Punkt iſt kein räumliches Gebilde, wohl aber Winkel).

Ad 2. Der Eintheilungsgrund muß(§. 31) von einem weſentlichen Merkmale des Be⸗ griffes oder von einem wichtigen Theile oder Merkmale des Gegenſtandes hergenommen und bei allen koordinirten Gliedern als der nämliche feſtgehalten werden. Wo das eine oder andere nicht geſchieht, entſteht eine grundloſe(nur ſcheinbare) oder eine verworrene Eintheilung.

z. B. wenn man die Himmelskörper in Fixſterne, Planeten, Monde, Kometen, Doppelſterne und Nebel⸗ flecken, die Gedichte in epiſche, lyriſche, dramatiſche und didaktiſche eintheilen wollte.

Ad 3. Die koordinirten Artbegriffe(§. 17) müſſen ſtets einen kontradiktoriſchen oder kon⸗ trären(§. 28) Gegenſatz bilden. Wo das nicht der Fall iſt, wird allemal auch gegen die vorige Regel gefehlt und kein beſtimmter Eintheilungsgrund feſtgehalten.

z. B. wenn man die Künſte eintheilt in ſchöne und nützliche, die Gefühle in ſubjektive, objektive und ſympathetiſche, die Fabeln in vernünftige, ſittliche und vermiſchte(vgl. Leſſing's Abhandl. über die Fabel III.). . Ad Eine einfache Eintheilung darf gelegentlich der Kürze halber einen doppelten Ein⸗ theilungsgrund zuſammenfaſſen und ſo unmittelbare mit mittelbaren Artbegriffen koordiniren, bei der vollſtändigen Klaſſifikation aber iſt dieſes nicht geſtattet.

So iſt es z. B. ohne Zweifel zuläſſig, die hohlen Winkel einzutheilen in rechte, ſpitze und ſtumpfe, die Naturprodukte in Thiere, Pflanzen und Minerale, die Vorzüge oder Nachtheile des Landlebens in materielle(äußere), geiſtige und ſittliche, die Affekte in ſinnliche, äſthetiſche ,ethiſche, religiöſe und intellek⸗ tuelle ꝛc., bei einer Klaſſifikation hingegen bürſen die Mittelglieder nicht fehlen z. B. die Parallelogramme ſind 1) rechtwinklig: a) gleichſeitig(Quadrat), b) ungleichſeitig(längliches Rechteck); 2) ſchiefwinklig: a) gleich⸗ ſeitig(Rhombus), b) ungleichſeitig(Rhomboid). Die Thiere find 1) rothblütig(Wirbelthiere) a) mit warmem Blute ³) lebendige Junge gebärend(Säugethiere)§) Eier legend(Vögel), b) mit kaltem Blute a) durch Lungen athmend(Amphibien)) durch Kiemen athmend(Fiſche), 2) weißblütig(wirbelloſe Thiere) u. ſ. w.

Ad 5. Der Zweck der Klaſſifikation, eine deutliche Einſicht in den Umfang eines Begriffes, eine klare Ueberſicht über die zu einer Gattung gehörenden Arten und Unterarten zu gewähren, wird eben ſo wenig erreicht, wenn die Eintheilung ins Endloſe fortgeſetzt, als wenn gar nicht ein⸗ getheilt würde; denn mit Recht ſagt Seneca: Partes innumerabiles esse et minimas non oportet; idem enim vitii habet nimia, quod nulla divisio: simile confuso est, quidquid usque in pul- verem sectum est. 4

§. 33.

Von der Diviſion verſchieden iſt die Partition. Während jene ſich auf den Umfang eines formalen, abſtrakten Begriffes bezieht, geht dieſe auf den Gegenſtand als einen realen, konkreten; während jene die Arten einer Gattung, gibt dieſe die Theile eines Ganzen an. Divisio differt a partitione, ſagt ſchon Quintilian ſo kurz als treffend, quod haec est totius in partes, illa generis in formas.