Aufsatz 
Beitrag zur philosophischen Propädeutik auf Gymnasien
Entstehung
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ſeits ein hochwichtiges Mittel in unſere Erkenntniſſe Ordnung und Zuſammenhang zu bringen, ſie zu beherrſchen und zu überſchauen.

Man erhält in dieſem Falle gegenüber der Ober⸗ oder Grundeintheilung mehrere Untereintheilungen(subdivisiones); indeß iſt der letztere Begriff ſo relativ wie der von

Gattung und Art.(§. 11.)§. 30.

Da der Eintheilungsgrund bei dem nämlichen Begriffe verſchieden gewählt werden kann, ſo können auch verſchiedene Eintheilungen neben einander beſtehen. Dieſe heißen Nebeneintheil⸗ ungen(codivisiones), welche aber bei der Klaſſifikation meiſt zu Untereintheilungen verwendet

werden. So ſind die epiſchen Gedichte entweder erzählend oder beſchreibend, entweder eigentliches Epos oder Epopöe

oder kleinere epiſche Gedichte, entweder volksmäßig oder kunſtmäßig, nehmen ihren Stoff entweder aus dem reli⸗ giöſen(göttlichen) oder aus dem rein menſchlichen(heroiſchen, romantiſchen, büͤrgerlichen oder idylliſchen) oder aus dem Leben der Thiere, ſind entweder ernſt oder komiſch gehalten. Aber alle dieſe Nebeneintheilungen wird man bei einer Klaſſification bis auf Eine zu Untereintheilungen machen. Vgl. die verſchiedenen Arten der Buchſtaben, der Verſe, der Gefühle, der lyriſchen und dramatiſchen Poeſie ꝛc.

§. 31..

Am wichtigſten bei jeder Eintheilung iſt es, den richtigen Geſichtspunkt oder Grund derſelben ausfindig zu machen. Dieſer, manchmal durch die ſpeziellen Zwecke des Eintheilenden bedingt, kann nur von demjenigen richtig beſtimmt werden, der über den Umfang des betreffenden Begriffes im Allgemeinen ſowie über ſeinen Inhalt ſich ſchon vollkommen klar iſt..

Gefunden wird er entweder auf ſynthetiſchem(theoretiſchem) Wege durch eingehendes Nach⸗ denken über die einzelnen Inhaltsbeſtimmungen des Begriffes und deren mögliche Modifikation, oder auf analytiſchem(empiriſchem) Wege durch Vergleichung der dem Eintheilenden bereits bekannten Unterſchiede von Arten, die unter jenen Begriff fallen. Hierbei kommt es dann häufig auf Ver⸗ ſchiedenheit des einen oder andern Haupttheiles der Gegenſtände an, wie bei den Eintheilungen der Säugethiere, Vögel ꝛe.

So ſind die oben(§. 30) aufgeſtellten Eintheilungen epiſcher Gedichte ohne Zweifel auf letzterem Wege gefunden, indem man z. B. die Odyſſee und Kleiſt's Frühling, die Aeneis, Kleiſt's Ciſſides und Paches und Schiller's Kampf mit dem Drachen, das Nibelungenlied und Wolfram's Parzival, Klopſtocks Meſſiade, Taſſo's befreites Jeruſalem, Wieland's Oberon, Göthe's Hermann und Dorothea, Voß' Luiſe und Reineke Vos, die Ilias und den Froſchmäuſekrieg ꝛc. mit einander verglich. Umgekehrt iſt die Eintheilung der Temperamente (§. 28) eine rein theoretiſche.

Bei empiriſchen Wiſſenſchaften wird man vorzugsweiſe den analytiſchen, bei den rein ab⸗ ſtrakten, philoſophiſchen den ſynthetiſchen Weg einzuſchlagen haben; übrigens kann keine Methode der andern ganz entrathen.

§. 32..

Aus dem Weſen und Zwecke der Eintheilung reſp. Klaſſifikation laſſen ſich noch folgende ſpezielle Regeln herleiten:

1) Jede Eintheilung muß adäquat ſein.

2) Sie muß einen und zwar einheitlichen Grund haben.

3) Die Eintheilungsglieder müſſen einander völlig ausſchließen.

4) Die Klaſſifikation muß ſtätig ſein, darf keinen Sprung machen.

5) Sie darf nicht ins Kleinliche gehen.