20
dann bei derſelben dürfen ſtehen bleibeu, wenn ſich der negative Theil durch einen poſitiven Be⸗ griff erſetzen läßt, alſo der kontradiktoriſche Gegenſatz umſchlägt in einen konträren. Vgl. noch . 3.
7
So ſind z. B. die Verſe entweder einfache oder nicht⸗einfache d. i. zuſammengeſetzte, die Wünſche ent⸗ weder verſtändige oder nicht⸗verſtändige d. i. thörichte, die Vergnügungen erlaubte oder nicht⸗erlaubte d. i. verbotene, unſere Vorſtellungen entweder primitive(noch nicht in der Seele dageweſene) oder nicht⸗primitive d. i. reproduzirte, die belebten Naturweſen(animalia) vernunftbegabte(Menſchen) oder nicht⸗vernunftbe⸗ gabte d. i. Thiere, die Thiere zahme oder nicht⸗zahme d. i. wilde ꝛc.— Hingegen wird man nicht füglich die Vögel in Luftvögel und Nicht⸗Luftvögel, die„Leiſtigen Gefühle in äſthetiſche und nicht⸗äſthetiſche, die Menſchen in Deutſche und Nicht⸗Deutſche(vgl. Ealnvee naν αεραα), die Minerale in Metalle und Nicht⸗ Metalle eintheilen. 1—
Wohl aber kann man auch eine auf dem kontradiktoriſchen Gegenſatze beruhende Dichotomie als eine vorläufige Eintheilung gelten laſſen, um durch Erläuterung, Erörterung und fernere Eintheil⸗ ung des negativen Begriffes die andern Glieder poſitiv zu beſtimmen.
So werden ſich die Nicht⸗Luftvögel leicht als Land⸗ und Waſſervögel, die nicht⸗äſthetiſchen geiſtigen Ge⸗ fühle als intellektuelle, religiöſe und moraliſche beſtimmen laſſen, bei einer Eintheilung der Sterne in Fiyſterne und Nicht⸗Fixſterne die letztern leicht erkannt werden als Planeten und Kometen, die nicht⸗nützlichen Handlungen entweder ſchädliche oder nicht⸗ſchädliche(indifferente) ſein.
Die Trichotomie(Dreitheilung) kann entweder, wie die Beiſpiele vorhin zeigen, aus der vorläufigen Dichotomie hervorgehen oder durch den urſprünglichen Eintheilungsgrund ſich ergeben.
z. B. wenn man die Konſonanten eintheilt nach dem Organe, wodurch ſie vorzugsweiſe hervorgebracht werden, in Kehl⸗, Zahn⸗ und Lippenlaute, die Schrift in Buchſtaben⸗, Silben⸗ und Wörterſchrift(Hieroglyphen, Runen), die körperlichen Organe nach ihrem Zwecke in Bewegungs⸗, Lebens⸗ und Sinnorgane, die Lebens⸗ organe wieder in Organe des Athmens, des Blutumlaufs und der Verdauung. 83
Letzteres iſt namentlich der Fall, wo zwei Gegenſätze(contraria) ſich in einem Dritten, Mittlern begegnen und vereinigen. Dieſes, 10&s d.εαμροGσν uiναν, wie Plato es nennt, tritt dann koordinirt neben jene zwei.
So iſt(nach§. 24, 1) die inadäquate Definition entweder zu enge oder zu weit oder aber beides zu⸗ gleich; ſo iſt jedes Gefühl entweder angenehm oder unangenehm oder beides d. i. gemiſcht(z. B. Sehnſucht, Luſt am Tragiſchen), entweder ſinnlich oder geiſtig oder ſinnlich⸗geiſtig; ſo faßt der Dichter ſeinen Gegenſtand entweder objektiv als einen außer ihm befindlichen auf und ſtellt ihn demgemäß dar(epiſch), oder ſubjektiv als einen in ihm befindlichen(lyriſch), oder beides zugleich(dramatiſch); ſo iſt das Schöne entweder ein ſinnlich Schönes oder ein geiſtig Schönes oder ein ſinnlich⸗geiſtig Schönes(Kunſtſchönes).. 3—
Auch die Tetrachotomie(Viertheilung) und Polytomie(Gieltheilung) können aus einer urſprünglichen Dichotomie hervorgehen— vgl. das Linnéſſche Pflanzenſyſtem, die Eintheilung der Säugethiere, Vögel, Amphibien ꝛc.— oder ſofort durch den erſten Eintheilungsgrund bedingt werden.
So ergeben ſich z. B. nach dem Verhältniſſe von Erregbarkeit und Rückwirkungsfähigkeit vier Grundformen der Temperamente; denn entweder ſind beide ſtark(choleriſches Temperament), oder beide ſchwach(phlegma⸗ tiſches), oder die erſtere iſt ſtark und die letztere ſchwach(ſanguiniſches), oder umgekehrt die erſtere ſchwach und die letztere ſtark(melancholiſches).
§. 29.
Man kann nun entweder bei einer einmaligen Eintheilung des Gattungsbegriffes ſtehen bleiben, inſofern dieſe für den beſondern Zweck hinreicht, oder man kann die Eintheilungsglieder ihrerſeits ſelbſt wieder als Ganze betrachten und weiter eintheilen.
Geſchieht dieſes in erſchöpfender Weiſe, ſo entſteht die ſogenannte Klaſſifikation, welche eine vollſtändige Ueberſicht über alle Arten und Unterarten des fraglichen Begriffes gibt. Wie dieſe einerſeits den Grundriß und Plan eines wiſſenſchaftlichen Aufbaues bildet, ſo iſt ſie ander⸗


