Aufsatz 
Beitrag zur philosophischen Propädeutik auf Gymnasien
Entstehung
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Wo die Gegenſtände der Begriffe durch die äußere Erfahrung gegeben werden, wie in der Naturgeſchichte, iſt zur vollſtändigen Klarheit und Deutlichkeit unſerer Vorſtellungen entweder die unmittelbare Anſchauung oder die mittelbare, durch Beſchreibung und bildliche Darſtellung der Gegenſtände, unerläßlich.

Von der Beſchreibung iſt die Schilderung dadurch verſchieden, daß man bei jener den Gegenſtand rein objektiv, ſo wie er ſich den Sinnen darbietet, als einen außer uns befindlichen auffaßt und darſtellt, bei dieſer hingegen ihn gleichſam in ſich hineinzieht und innerlich anſchaut, ihn nach den beſondern Wirkungen auf das eigene Gefühl und die eigene Phantaſie ſubjektiv auf⸗ faßt und demgemäß darſtellt. Der Beſchreibende gleicht dem epiſchen, der Schildernde dem lyriſchen Dichter. Die Beſchreibung iſt getreue Kopie, die Schilderung freie Reproduktion. Jene iſt der Rezitation zu vergleichen, dieſe der Deklamation, jene einer Zeichnung, dieſe einem Gemälde.

Der Definition näher ſteht die Erläuterung, indem dieſe ſich allerdings auf die Klärung und Verdeutlichung des Inhaltes der Begriffe bezieht und daher die eigentliche Erklärung derſelben entweder anbahnt oder begründet oder auch, wo eine ſolche nicht möglich iſt(§. 18 und§. 23 Anm.), uns dieſe erſetzen muß. Erläutert wird ein zuſammengeſetzter Begriff durch Erwägung und Prüfung der einzelnen anzugebenden Merkmale, um durch beurtheilende Auseinanderſetzung die weſentlichen von den unweſentlichen rein und lauter zu ſcheiden. Dabei iſt es ſehr zweckdienlich, auf konkrete Anwendungen des fraglichen Begriſſes, d. i. auf Beiſpiele, Rückſicht zu nehmen.

Verwandt mit der Erläuterung iſt die Erörterung, die jedoch die Klärung und Verdeut⸗ lichung des Begriffes weniger durch die beurtheilende Analyſe der einzelnen Merkmale als durch Berückſichtigung und Vergleichung der über⸗, unter⸗ und nebengeordneten, ſowie anderer gegenſätz⸗ licher und verwandter Begriffe herbeizuführen ſucht, alſo dem Begriffe gleichſam ſeine Stelle, ſeinen Ort anweist.

Die Begriffsentwickelung erdlich iſt die allſeitige Beſtimmung und Abgrenzung des In⸗ haltes wie Umfanges eines Begriffes, welche dieſen ſowohl genau und richtig verſtehen als auch anwenden lehrt. Sie kann außer allen vorhin genannten Operationen noch ſämmtliche Arten der Definition(§§. 2022) in ſich vereinigen.

Ein Beiſpiel, worin die Worterklärung wie die oratoriſche Erklärung neben der eigentlichen Definition, und außerdem die Deſkription, die Erläuterung und Erörterung zur Anwendung kommt, moͤge das Geſagte veranſchau⸗ lichen; an andern verſuche der Schüler ſeine Kräfte z. B. Witz, Leidenſchaft, Egrismus, Genie, Bildung, Charakter, Schmeichelei, Demuth, Genügſamkeit u. ä.

Enthuſiasmus heißt der Zuſtand eines erove oder Gotterfüllten. Er iſt ein ungewöhnlicher Grad geiſtiger Erregung und lebhafter Empfindung, ein Zuſtand, in dem die Seele Kräfte und Wirkungen äußert, die man am beſten durch göttliche Einwirkung, gleichſam durch das Innewohnen eines Gottes in der Scele, glaubte er⸗ klären zu könren. Man ſchrieb ihn deshalb namentlich großen Dichtern und Propheten zu. Treffend druckt Ovid das Weſen desſelben aus, indem er ſagt: Est deus in nobis, agitante calescimus illo. Wir verſtehen nämlich darunter jenen dauernden Zuſtand der Erregung aller geiſtigen Kräfte, namentlich des Gefühls und der Phantaſie, die, hervorgegangen aus der Betrachtung des Wahren, Schönen und Guten, den Menſchen mit Liebe und Bewunderung erfüllt und ihn antreibt mit aller Kraft und Energie ſeine Ideale zu verwirklichen. Er iſt die Sonne, die alle Kräfte des Geiſtes erwärmt und fruchtbar macht, die überall neues Leben weckt und alles Edle und Erhabene zeitigt; er iſt der Fittig, der allein uns zu den höchſten Zielen hinaufträgt. Er ver⸗ leiht der Seele Begeiſterung, Wärme, Aufſchwung, und indem er ihre Gefühle belebt und ſteigert, erregt er zugleich das lebhafte Verlangen nach dem ſchönen Bilde, das der Einbildungskraft vorſchwebt, ſtäͤrkt den Willen es zu erreichen oder hervorzubringen und gibt dazu den Muth und die Kraft. Alle Schwierigkeiten überwindet, alle Hinderniſſe überſteigt er; was dem nuͤchternen Verſtande unmöglich dünkt, iſt ihm ein Leichtes; denn er kann Wunder wirken, Wunder der Tapferkeit, Wunder der Kunſt, Wunder der Tugend und der Liebe, mit einem