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Geſetzes, das durch die Auktorität eines andern getragen wird.— Invidentia est aegritudo animi propter alterius res sccundas, quae nihil noceant invidenti.(Cic.)— Gedächtniß iſt das Vermögen der Seele ge⸗ habte Vorſtellungen zu erneuern.— Traum iſt eine Reihe unwillkürlicher Einbildungen.— Perſpektive iſt die Kunſt auf einer Fläche körperliche Gegenſtände trotz der Verſchiedenheit ihrer räumlichen Entfernung für das Auge ſo darzuſtellen, als ob wir ſie wirklich vor uns ſähen.— II. Senkrechter Cylinder(in der Gelmetrie) iſt ein Körper, der dadurch entſteht, daß ſich ein Rechteck um eine Seite als feſtſtehende Axe herumbewegt.— Wenn ein einzelnes Wort oder gleichzeitig der Gedanke inmitten eines Versfußes endet, ſo entſteht ein Einſchnitt in die Kontinuität des Rhythmus, den man Cäſur nennt.— Wenn wir einen allgemeinen moraliſchen Satz auf einen beſondern Fall zurückführen, dieſem beſondern Falle die Wirklichkeit ertheilen und eine Geſchichte daraus dichten, in welcher man den allgemeinen Satz anſchauend erkennt, ſo heißt dieſe Erdichtung eine Fabel(Leſſing Abhandl. ub. d. Fabel I.)— Wenn die Erde zwiſchen Sonne und Mond ſo zu ſtehen kommt, daß ſie auf letztern ihren Schatten wirft, ſo entſteht eine Mondfinſterniß.— Versrhythmus entſteht durch den kunſt⸗ und geſetz⸗ mäßigen Wechſel von betonten und unbetonten, von langen und kurzen Silben.— Wer von dem willensſtarken Entſchluſſe beſeelt iſt, das Gute deſſen ſelbſt oder des göttlichen Willens wegen überall zum Beſtimmungsgrunde ſeines Denkens und Handelns zu machen, der beſitzt Tugend. Vergl.§. 19 die Erklärung von Wiſſenſchaft,
§. 21.
Von der Definition iſt zu unterſcheiden die bloße Worterklaͤrung, die ſich zu jener ver⸗ hält, wie das Wort zum Begriffe.(§. 7.)
z. B. Pſychologie iſt die Wiſſenſchaft von der Seele.— Geſchichte kommt von geſchehen und be⸗ deutet zunächſt das Geſchehene.— Kunſt iſt ſowohl ein Kennen als ein Können.— Parabel heißt eine be⸗ ſtimmte Gattung lehrhafter Erzählung, auch eine Art von Kegelſchnittslinien.— Verſtand iſt das Vermögen zu verſtehen; Vernunft kommt von vernehmen.— Ballade(ballata) kommt von dem italieniſchen ballare und bedeutet eigentlich Tanzlied.— Hieher gehören auch Definitionen durch Wortſpiele, wie: Aberglaube iſt ein Glaube, bei welchem noch ein Aber ſtatt hat.— Eiferſucht iſt eine Leidenſchaft, die mit Eifer ſucht, was Leiden ſchafft. 4
Im Gegenſatze zu der Worterklärung, die entweder eine bloße Deutung der Etymologie eines Wortes gibt(Verbal⸗Definition), oder einen beſondern Sinn und Gebrauch desſelben be⸗ hauptet(Nominal⸗Definition), wird die Begriffserklärung auch mit Recht eine Sacherklärung (Realdefinition) genannt.
Die Worterklärung dient einerſeits zur Beſtimmung der in manchen Wiſſenſchaften gebräuch⸗ lichen, der gewöhnlichen Sprache ferner liegenden oder aus fremden Sprachen entlehnten Termino⸗ logie, anderſeits vermag ſie, da Wort und Begriff in inniger Beziehung zu einander Rohr(§. 7), ein Eindringen in das Weſen des Begriffes anzubahnen und zu befördern. Namentlich iſt ſie da⸗ her auch für die Unterſcheidung von Synonymen wichtig.
§. 22.
Von der logiſchen iſt ferner zu unterſcheiden die poetiſche und oratoriſche Erklärung, die keine genaue Angabe des Inhaltes eines Begriffes bezweckt, vielmehr dieſen manchmal nur in ſehr einſeitiger, von ſpeziellen Zwecken bedingter Weiſe poetiſch beleuchtet.
z. B. Offenheit, dem Kinde und der unſchuldigen Einfalt natürlich, dem Weiſen Bedurfniß, iſt das Siegel des Edelſinnes, der Schmuck und Stolz des Mannes, der ſüßeſte Reiz des Weibes, der Spott des Schurken.— Was iſt Zufall anders als der rohe Stein, der Leben annimmt unter Bildners Hand?(Schiller Don Carlos.)— Ein Jahrmarkt iſt die Welt, Gewühl und bunter Schein.— Was iſt Leben? Ein Schatten, der vorüber ſtreicht, ein armer Gaukler, der eine Stunde lang ſich auf der Bühne zerquält und tobt; dann hört man ihn nicht mehr: Ein Mährchen iſt es, das ein Thor erzählt, voll Wortſchwall und bedeutet nichts.(Schiller Macbeth.)— Der Glaube iſt die höchſte That der Vernunft, die im Bewußtſein der eigenen Endlichkeit und Beſchränkung auf wiſſenſchaftlichem Wege und mit einer allen Zweifel ausſchließenden Evidenz die Wahrheit und Wirklichkeit der Offenbarungsthatſache erkennend, von der ſiegenden Macht der Wahrheit genöthigt, frei dem Offenbarungsinhalte zuſtimmt.(Pascal.)


