Aufsatz 
Beitrag zur philosophischen Propädeutik auf Gymnasien
Entstehung
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ſeits ſyſtematiſch d. i. ſo geordnet und gegliedert, daß alle Erkenntniſſe innerlich zuſammenhangen und ſich ſtufenmäßig bedingen, ſo daß ſie insgeſammt in einem Grundbegriffe ihre höchſte Einheit finden und daraus ſich ableiten, ſo entſteht die Wiſſenſchaft, ſowohl in ſubjektivem Sinne, als Innehaben ſolcher Erkenntniſſe im Geiſte, wie im objektiven, als Darſtellung derſelben durch Wort oder Schrift.(Daher die Ausdrücke: Syſtem, Organismus, Gebäude einer Wiſſenſchaft.)

ggweck und Aufgabe der Wiſſenſchaft iſt eben nichts anderes als unſere Begriffe entweder insgeſammt, oder eine gewiſſe Summe derſelben insbeſondere, klar und deutlich zu machen. Im erſteren Sinne iſt ſie nur eine(die Wiſſenſchaft), im letztern gibt es ſo viele einzelne Wiſſenſchaften, als man relativ höchſte Grundbegriffe z. B. Sein, Seele, Menſch, Thier, Pflanze, Mineral, Kryſtall, Zahl, Fläche, Sprache, Vers, Poeſie, Pflieht, gut, ſchön ꝛc. an⸗ nehmen kann. 1 H

Die Zoologie z. B. hat ſämmtliche Begriffe allſeitig aufzuhellen, die ſich auf den oberſten Begriff d00 (lebendes Naturweſen, animal) beziehen, mögen ſie nun in ſeinem Inhalte als Theilvorſtellungen enthalten ſein, oder in ſeinen Umfang als Arten und Unterarten fallen. Und ſo hat jede beſondere Wiſſenſchaft allemal einen eigenen Komplex von Begriffen zu entwirren und aufzuhellen. Außer ſorgfältiger Beobachtung und Anſchauung iſt ein eingehendes Studium der Geſchichte der betreffenden Wiſſenſchaft, ſcharfe und reine Abſtraktion, gründliche Reflexion, aber auch die klare Erkenntniß gewiſſer aprioriſcher Grundbegriffe die nothwendige Vorausſetzung zu einer erſprießlichen Arbeit auf dieſem Gebiete.

Die wichtigſten Mittel und Operationen, deren ſich die Wiſſenſchaft zu jenem Zwecke bedient, ſind die logiſche Erklärung oder Definition und die logiſche Eintheilung oder Diviſion, wovon jene ſich auf den Inhalt, dieſe auf den Umfang der Begriffe bezieht, jene die intenſive, dieſe die extenſive Verdeutlichung der Begriffe herbeiführt. Daran reihen ſich ferner, dieſe beiden Operationen ergänzend, unterſtützend und vorbereitend, die Beſchreibung, Exläuterung, Er⸗ örterung, Entwickelung, Theilung oder Partition und Unterſcheidung oder Diſtinktion.

V. Von der Definition.

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Definition oder logiſche Begriffs⸗Erklärung iſt die genaue und vollſtändige Be⸗ ſtimmung des Inhaltes eines Begriffes in Form des Urtheils oder Satzes. ſe altane

Entweder erfolgt dieſe Beſtimmung explicite durch Angabe ſämmtlicher in dem Inhalte des Begriffes enthaltenen Theilvorſtellungen(i. e. weſentlichen Merkmale), oder implicite durch Darlegung der Art und Weiſe wie, des Grundes wodurch eine Sache entſteht. Im erſten Falle erhält man eine analytiſche(deſkriptive), in andern eine genetiſche oder Kauſal⸗Erklärung.

Beiſpiele. I. Kugel iſt ein Körper, deſſen Oberfläche von einem innerhalb desſelben gelegenen Punkte überall gleichweit entfernt iſt. Iktus iſt das Zeichen der Arſis. Zeichen iſt ein Gegenſtand, vermittelſt deſſen eine damit verknüpfte Vorſtellung erneuert wird. Kunſt iſt das Vermögen die Idee des Schönen in entſprechender Form zu erfaſſen und darzuſtellen. Epigramm(im engern Sinne) iſt ein Gedicht, in welchem, nach Art der eigentlichen Aufſchrift, unſere Aufmerkſamkeit und Neugierde auf irgend einen einzelnen Gegenſtand erregt und mehr oder weniger hingehalten werden, um ſie mit eins zu befriedigen(Leſſing). Indikativus iſt derjenige Modus, wodurch das Prädikat als wirklich ausgeſagt wird. Offenbarung(im engern Sinne) iſt eine von Seiten Gottes an die Menſchen ergangene Mittheilung der Wahrheit. Ablaß(im Sinne der katholiſchen Kirche) iſt die außerhalb des Bußſakramentes ertheilte Nachlaſſung zeitlicher Strafe für die der Schuld nach bereits vergebenen Sünden. Staat iſt ein auf Geſetzen beruhender, ſouveräner Verband ſeßhafter Men⸗ ſchen. Gehorſam iſt die Unterwerfung des eigenen Willens unter die Auktorität eines andern; freiwilliger Gehorſam die Unterwerfung des eigenen Willens unter die im Gewiſſen als bindend anerkannte Macht des