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ſubordinirt zu ſein z. B. Diphthong und Kehllaut, Pferd und Nachtfalter, Dreieck und Quadrat, ſo kann man ſie disordinirt nennden.„
IV. Klarheit und Deutlichkeit der Begriffe. §. 318. f jſir
Von der größten Wichtigkeit iſt es, daß wir unſere Begriffe zu möglichſter Klarheit und Deutlichkeit bringen; denn das allein ſchafft unſerm Geiſte Wiſſen und Erkennen, ſtillt ſeinen Durſt nach WWaheheih ſoweit ſie dem geſchaffenen Geiſte hienieden erreichbar iſt, und gibt ihm wahre
reudigkeit. 3 Klar heißt ein Begriff, den man beſtimmt und ſicher von jedem andern unterſcheidet, der ſeinem Inhalte und Umfange nach ſcharf umgrenzt vor dem geiſtigen Auge daſteht, im Gegenſatze zu einem unklaren, dunkeln, verſchwommenen; kann man jedoch zugleich von den Einzel⸗ heiten ſeines Inhaltes ſich genaue Rechenſchaft geben(das Einzelne„deuten“), ſo iſt er deutlich, im Gegenſatze zu einem undeutlichen, verworrenen Begriffe.
Klar kann ſonach ein Begriff durch negative, aber deutlich nur durch poſitive Beſtimmungen gemacht werden.— Ein deutlicher Begriff iſt nothwendig zugleich klar, aber ein klarer deshalb noch nicht deutlich.
Einen klaren Begriff von Baum z. B.(u. d. i. den wahren und richtigen) hat derjenige, der in ſeine Vorſtellung einerſeits kein ungehöriges Merkmal— etwa Aeſte und Zweige habend— aufnimmt und folg⸗ lich aus der Sphäre des Begriffes nichts ausſchließt, was darin gehört(Palme), anderſeits auch kein nothwen⸗ diges Merkmal(etwa Einheitlichkeit oder Holzigkeit des Stammes) daraus wegläßt und folglich in den Bereich des Begriffes nichts einbezieht, was nicht darin gehört(Strauch oder Staude); deutlich iſt der Begriff Baum aber nur demjenigen, der ſich der einzelnen Theilvorſtellungen, aus denen jener beſteht(§. 8), insgeſammt genau bewußt iſt. Nur der letztere kann auch andern, die nur erſt entweder einen zwar klaren, aber noch undeutlichen, oder einen unklaren Begriff von Baum haben, denſelben deutlich oder klar und zugleich deutlich machen.
Es können ſonach weder die einfachen Begriffe(§. 10), mögen ſie dem Geiſte auch völlig klar ſein, noch empiriſche Individualvorſtellungen im eigentlichen Sinne verdeutlicht werden, jene nicht, weil ſie gar keine Verſchiedenheit der Merkmale, dieſe nicht, weil ſie deren unbegrenzt viele enthalten. Letztere laſſen ſich dagegen durch Beſchreibung veranſchaulichen, erſtere durch Erläuterung und Erörterung aufhellen.(§. 25.) S
Aber auch außerdem laſſen ſich nicht alle Begriffe deutlich machen z. B. grün, roth, ſüß, bitter, wohlriechend, Elektrizität, Magnetismus ꝛc., weil wir uns der Theilvorſtellungen nicht be⸗ wußt ſind oder ſie noch nicht genugſam kennen. Eben ſo wenig rein negative Begriffe.
Auch bei Anſchauungen unterſcheidet man die Klarheit von der Deutlichkeit. Wenn ich z. B. in einiger Entfernung einen Menſchen erblicke, der ſich mir nähert, ſo kann es mir ſchon eine geraume Zeit aus dem
ganzen Weſen klar ſein, daß es dieſer oder jener iſt, ehe ich ihn an den einzelnen Merkmalen deutlich erkenne. So heißt es bei Schiller(Macb. 4, 7):„Ein Landsmann, ob ich gleich ihn noch nicht kenne.“ 1
§. 3 19. IInmn 1 1 Klarheit und Deutlichkeit laſſen Grade zu, d. h. unſere Begriffe können zu immer größerer Klarheit und Deutlichkeit erhoben werden. Dieſe Vervollkommnung iſt dem Geiſte Bedürfniß und ſein eigent⸗ licher Beruf. Wo ſie erſtrebt und erreicht wird, da gelangt man zum Wiſſen. Iſt dieſes Wiſſen d. i. die Summe der über einen Gegenſtand erworbenen klaren und deutlichen Begriffe einerſeits vollſtändig d. i. den Gegenſtand nach Inhalt und Umfang erſchöpfend und beherrſchend, ander⸗


