8
für den Begriff erfunden, je verſtändlicher es iſt. Auf Entſtehung und Fortbildung unſerer Be⸗ griffe iſt daher Sprache und Schrift von dem größten Einfluß.
Wort und Begriff ſtehen in enger Beziehung zu einander. Laut und Bedeutung ſind wie Leib und Seele innig vereint. Doch iſt das innere Band zwiſchen beiden, zumal in den Grundwörtern und in deren Wurzeln, ſelten mehr erkennbar. Die Kette unſeres Wiſſens endigt auch hier wie überall in etwas Unbegreiflichem. Gewiß iſt übrigens, daß jenes Band von der Phantaſie gewirkt wurde, die für die Sprachbildung überhaupt und namentlich für alle Anfänge derſelben weit wichtiger iſt als der mehr nur dem Ausbau und der fernern Ent⸗ wickelung dienende Verſtand. Daher zeigt jede Sprache beſonders im jugendlichen Alter einen ſorchen Neichthum an Metaphern und neigt von ſelbſt zur Poeſie, während ſie erſt auf einer weitern, durch den Fortſchritt des Denkens bedingten Stufe zur verſtandesmäßigen Abſtraktion und zur Wiſſenſchaft befähigt erſcheint.
II. Inhalt und Umfang der Begriffe.
§. 8. 2 Bei einem Begriffe unterſcheidet man zweierlei, einmal das, was ſein Weſen ausmacht, die Cheile, die er als einheitliche Vorſtellung in ſich begreift, ſeine intenſive Größe oder ſeinen In⸗ halt, ſodann das, worauf er ſich als Ganzes bezieht, die Vorſtellungen und Dinge, die er unter ſich begreift, ſeine extenſive Größe oder ſeinen Umfang..
Der Begriff Baum z. B. iſt an ſich die einheitliche Vorſtellung des Etwas(a), das Pflanze(b) iſt und nur Einen(c) und zwar holzigen(d) Schaft hat. Dieſe vier Merkmale oder Theilvorſtellungen, die er in ſich begreift, machen zuſammen ſeinen Inhalt aus. Er umfaßt aber und bezieht ſich auf alle möglichen Gattungen und Arten von Bäumen, mögen ſie nun Aeſte und Zweige haben oder nicht, Blätter oder Nadeln tragen, eßbare Früchte oder keine ſolche hervorbringen, kurz Alles das, was wenigſtens die vorhin angegebenen Merkmale (abed) beſitzt: dieſes Alles zuſammengenommen(Vorſtellungen und Gegenſtände) macht ſein Gebiet, ſeine Sphäre, ſeinen Bereich oder Umfang aus,
9.
Die intenſive und extenſive Größe eines Gemeinbegriffes ſtehen in umgekehrtem Verhältniſſe zu einander: je größer der Inhalt, deſto kleiner der Umfang, und je kleiner der Inhalt, deſto größer der Umfang, oder je reicher an Inhalt ein Begriff, deſto enger(be⸗ ſchränkter) iſt ſein Umfang, und je ärmer an Inhalt, deſto weiter(ausgedehnter) ſein Umfang d. h. je größer die Zahl der Merkmale eines Begriffes, deſto kleiner die Menge der unter ihn fallenden Vorſtellungen und Gegenſtände.
Fügt man zu einer beſtimmten Summe von Merkmalen abed(z. B.= Baum) noch eines e(z. B. aſtlos) hinzu, d. i. vergrößert man den Inhalt eines Begriffes, ſo wird der Umfang verengert d. h. der neue Begriff abede(aſtloſer Baum ü= Palme) umfaßt weniger als der frühere, einfachere.
Die Betrachtung der Begriffsreihe: Naumgröße, Fläche, Ebene, ebene Figur, ebene geradlinige Figur, ebenes geradliniges Viereck, Parallelogramm, Rechteck, Quadrat, Quadratmeile, deutſche Quadratmeile, worin jeder folgende Begriff ein Merkmal mehr hat als der vorhergehende, wird dieſes klar machen. Der erſte Begriff hat den kleinſten Inhalt, aber den größten Umfang; denn alle folgenden und außerdem viele andere(alle Arten von unebenen Flächen, von Linien und Körpern) fallen in ſeinen Bereich; umgekehrt hat der letzte den größten Inhalt— denn er vereinigt die ſämmtlichen Merkmale der vorhergehenden in ſich und außerdem ein neues— aber den kleinſten Umfang.
§. 10..
In Bezug auf ihren Inhalt ſind die Begriffe entweder einfach oder zuſammengeſetzt, jenachdem ſich keine Theilvorſtellungen des Inhaltes angeben laſſen oder doch.


