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Ariſtoteles gibt deren, ohne Zweifel, mit Beziehung auf die Redetheile der Sprache, zehn an, wenn er ſagt: Tor xurd ε⁷deæυν συdoxi TeyOεeενν πϑέααα ‿oνετοιοdν o—Tαενει⁴σν⁷,παυιι Qόσ τ 1 T00 wora erO. 5Ierr rolery h rAc et*, während andere Philoſophen andere Kategorientafeln aufſtellen.
§. 4.
Was insbeſondere die empiriſchen Begriffe anbelangt, ſo entſtehen ſie dadurch, daß der Ver⸗ ſtand eine Reihe ähnlicher Vorſtellungen(zunächſt Anſchauungen) mit einander vergleicht, das was allen gemein iſt, i. e. das Allgemeine und daher Weſentliche, von den beſondern und zufäl⸗ ligen Merkmalen der einzelnen trennt und zu emner einheitlichen Vorſtellung zuſammenfaßt.
So erhalten wir z. B. durch den Geſichtsſinn die Anſchauung zunächſt dieſes d. i. keines andern Baumes, dieſer Uhr, dieſes Tiſches u. ſ. w. Da nun aber die Dinge nicht vereinzelt vorhanden ſind, ſo kann es nicht fehlen, daß bald die Anſchauungen auch anderer Bäume, Uhren, Tiſche u. ſ. w. hinzukommen. Unwillkürlich entdeckt Sinn und Verſtand die große Aehn⸗ lichkeit, und indem dieſer von den geringen Verſchiedenheiten abſieht, bildet er aus den ähnlichen Einzelvorſtellungen eine Gemeinvorſtellung, worin er nur die übereinſtimmenden Merkmale auf⸗ nimmt. So entſtehen, anfangs noch unvollkommen, aber nach und nach immer vollkommener, die Begriffe Baum, Uhr, Tiſch u. ſ. w. 1 Auf dieſem einmal betretenen Wege der Abſtraktion ſchreitet aber der Geiſt immer weiter. Er wird bald inne, daß viele der ſo gewonnenen Begriffe ebenfalls wieder in gewiſſen Merkmalen oder Theilvorſtellungen übereinſtimmen z. B. Pferd, Eſel und Maulthier, Ziege, Kuh und Kameel. Sofort bildet er aus dieſen Begriffen wieder allgemeinere, nämlich die Begriffe Einhufer und Wiederkäuer(Spalthufer), aus dieſen ferner in Verbindung mit noch andern den Begriff Säugethier und weiter durch Vergleichung wieder anderer ähnlicher Vorſtellungen(Vogel, Lurch, Fiſch, Inſekt) den Begriff Thier u. ſ. w. 5 72 89
Ein empiriſcher Begriff iſt alſo, wie das Wort„Begriff“ d. i. Inbegriff ſchon an⸗ deutet, eine das Gemeinſchaftliche anderer Vorſtellungen zuſammenfaſſende Vorſtellung, oder die zu⸗ ſammenfaſſende Vorſtellung der weſentlichen Merkmale eines Dinges, oder die Vorſtellung des Weſentlichen eines Dinges, oder auch die Zuſammenfaſſung einer diskreten realen Vielheit unter einer formalen Einheit. 4 2s Was 221Snn
Dieſe abſtratten d. i. von den konkreten Einzeldingen und Erſcheinungen abgezogenen Begriffe ſind ſonach ein Allgemeineres gegenüber dem Beſondern und dem Einzelnen. In der Welt der Erſcheinungen begegnen wir nur Cinzeldingen, z. B. nicht einem Allgemeindinge Baum oder Tugend, ſondern beſtimmten Bäumen z. B. Eichen, Tannen ꝛc., beſtimmten Tugenden z. B. Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Selbſtbeherrſchung zc. und auch nicht einem Allgemeindinge Eiche oder Gerechtigkeit, ſondern nur dieſer und jener, ſo oder ſo beſchaffenen Eiche, der da und dort bewieſenen Gerechtigkeit. Man kann daher die Frage aufwerfen: Sind die allgemeinen Begriffe überhaupt nur Gedankendinge, Abſtraktionen, nur nominell(post res), oder ſind ſie in ſich ſelbſt real, unabhängig vom Einzelnen(Zufälligen) und vom Denken(ante res)? Das iſt die berühmte Streitfrage im Mittelalter zwiſchen den Nominaliſten und Realiſten, zuerſt zwiſchen Roscelin und Anſelmus im XI. Jahr⸗ hundert. Schon ihr Zeitgenoſſe Abälard ſtellte die vermittelnde Anſicht auf, es ſei das universale real, jedoch nur in rebus(singulis). Auf Seiten der Realiſten ſteht Plato, deſſen ſogenannte Ideen hypoſtaſirte Be⸗ griffe ſind, d. i. Begriffe, denen eine individuelle, totale, ſelbſtſtändige Subſtanz zugeſchrieben wird.
. M§. S5.
Das eben beſchriebene Verfahren des Verſtandes, empiriſche Begriffe zu bilden, Abſtraktion genannt, iſt nicht das einzige, aber wie es das ſicherſte und zuverlaͤſſigſte iſt, ſo iſt es auch als das erſte und urſprüngliche anzuſehen, da alle menſchliche Denkthätigkeit von Anſchauungen des Einzelnen, von Individualvorſtellungen d. i, den am meiſten zuſammengeſetzten Vorſtellungen ausgeht.


