Aufsatz 
Beitrag zur philosophischen Propädeutik auf Gymnasien
Entstehung
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iſt. Dieſen letztern Geſichtspunkt wird der Lehrer beim Unterrichte in der Logik beſonders hervorzuheben haben, und indem er ſich auf die hauptſächlichſten Lehren der Wiſſenſchaft ſelbſt beſchränkt, dieſer durch reichhaltige Anwendung auf die vor⸗ her bezeichneten, dem Gymnaſiaſten bekannten Wiſſenſchaften Werth und Be⸗

deutung zu geben wiſſen. Es liegt jedoch in der Natur der Sache, daß durch allgemeine Ausſprüche, Winke und Nath⸗

ſchläge, wie gut und wahr ſie immer ſein mögen, jene zweite Frage ſich nicht ſo klar und beſtimmt beantworten läßt als durch die thatſächliche Darlegung einer für bewährt gehaltenen Methode. Denn ſie iſt ja weſentlich eine Frage der Praxis, wobei es eben überall auf eigene Wahrnehmung und Erfahrung, auf konkrete Anſchauung ankommt.

Da nun ein nach obigen Geſichtspunkten ausgearbeitetes Kompendium der formalen Logik, welches zwiſchen einem allzu dürren und ſterilen Abriſſe und einer zu ausführlichen, auf wiſſen⸗ ſchaftliche Vollſtändigkeit abzielenden Darſtellung die rechte Mitte hielte,*) meines Wiſſens nicht vorhanden iſt, ein ſolches müßte aus der Schulpraxis ſelbſt hervorgegangen oder doch von Jemand geſchrieben ſein, der dem Gymnaſium nahe genug ſteht, um deſſen Bedürfniſſen nach allen Seiten Rechnung zu tragen ſo glaube ich die fragliche Sache am beſten zu fördern und manchem meiner Kollegen vielleicht einen kleinen Dienſt zu erweiſen, wenn ich auf die praktiſche Frage im Folgenden, vorläufig durch Behandlung eines Kapitels der philoſophiſchen Propädeutik, eine prak⸗ tiſche Antwort zu geben verſuche.

*) Von Büchern der letztern Art ſei es erlaubt hier eines namentlich anzuführen, deſſen Studium jedem Lehrer des

Gegenſtandes zu empfehlen iſt,Syſtem der Logik und Geſchichte der logiſchen Lehren von Friedr. Ueberweg. Bonn 1857.