Aufsatz 
Goethes Beziehungen zu Gottfried Hermann
Entstehung
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Orest begangen hat. Pylades will mit Recht, da er doch den Wahnsinn Orests erklären muß, durch ein geringeres, ähnliches Verbrechen, das auf Orest lastet, diesen vor Iphigenien entschuldigen. Er gibt zu ihrer Sicherheit vor, sie seien Kreter, um so die Spur von sich abzulenken. .Ich darf nicht gleich Ihr unsern Namen nennen, unser Schicksal Nicht ohne Rückhalt ihr vertraun,

sagt Pylades und das mit Recht, denn er wollte, vorsichtig wie er ist, nicht gleich ihr ganzes Geschick in die Hand der ihm unbekannten Priesterin legen. Goethe gewann so auch die Gelegenheit, als Orest später die heilende Einwirkung Iphigeniens empfand, ihn sagen zu lassen:

Ich kann nicht leiden, daß du große Seele,

Mit einem falschen Wort betrogen werdest.

Ein lügenhaft Gewebe knüpf' ein Fremder

Dem Fremden, sinnreich und der List gewohnt,

Zur Falle vor die Füße; zwischen uns

Sei Wahrheit! Ich bin Orest!

Das hätte Euripides, sagt Hermann, weit besser und überlegter gemacht, bei welchem Orest sein Geschlecht verheimliche, weil er sich schämt, daß er, Agamemnons Sohn, nicht im Kriege eines rühmlichen Todes sterben, sondern als Gefangener von den Barbaren schimpflich geopfert werden solle. Sonst nennt Hermann diese Szene vortrefflich, in welcher Iphigenie den Tod ihres Vaters durch ihre Mutter erfährt, die empört gegen ihn wegen Iphigeniens Opferung in Aulis war. Auch das sei vortrefflich, daß Pylades aus dem Umstande, daß Iphigenie bei diesen Worten ihr Haupt verhüllend abgeht, neue Hoffnung für seinen Freund aus dieser Rührung schöpft.

Noch schöner sei die erste Szene des dritten Aktes, in der Orest der Priesterin sein Geschick erzählt, und die Hörer fortwährend zwischen Freude und Furcht schwanken. Dagegen tadelt er, daß Iphigenie, als Orest den Muttermord erzählt hat, zu ihm sagt: Unseliger, du bist in gleichem Fall, dich drückt ein Brudermord, und Orest darauf unwillig über die Lüge des Pylades gesteht, daß er Orest ist. Auch das folgende gefällt ihm nicht, obwohl er die Wucht der Rede und der Gedanken bewundert. Die Erdichtung des Pylades, daß Orest seinen Bruder erschlagen hat, die keinen Grund habe und wenig passend sei, wäre von Goethe erdacht worden, damit Iphigenie Gelegenheit finde, aus Orest herauszulocken, wer er sei. Denn weder sei irgendwo gesagt, daß Orest seinen Namen verborgen wissen wolle, noch läßt sein Charakter und sein zum schlimmsten bereiter Geist bezweifeln, daß er, als er merkt, wie Iphigenie durch sein Unglück bewegt werde, freiwillig sagen wird, wer er ist. Daß dann Iphigenie den Göttern dankt, weil sie ihr Geschick so weise und gnädig gestaltet hätten, sei wenig natürlich. Jetzt hätte sie, wie Pylades gebeten hatte, Orest schonen und sich ihm nicht zu erkennen geben sollen. Es sei nicht genug, daß sie dies tue, der Zuschauer müsse auch wissen, warum sie es tue. Es wäre ganz natürlich, daß Orest immer erregter werde und schließlich, als sich Iphigenie ihm zu erkennen gegeben,

nicht fern von Wahnsinn zusammenbreche. So schön dies gedichtet sei, so ginge dieser Szene 5