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arbiter sit, quam is vir, quem, si quem umquan, nascentem placido lumine viderunt Musae? Manebit merito haec laus Euripidis etiam si non eius sit solius propria. ¹)
Goethes große Vorliebe für Euripides geht auch aus dem Gespräch hervor, das er noch wenige Tage vor seinem Tode mit K. W. Göttling hatte. ²) Dort heißt es: In der alten Literatur zog ihn vorzüglich Euripides an, den er sehr schätzte. Das Fragment Phaethon interessierte ihn so sehr, daß er bei einem Besuch des Professors Göttling am 3. März eine abermalige Revision der Herstellung verhieß. Er sagte unter anderem:„Sie wissen, daß mir Hermann seine Ausgabe der Iphigenie dediziert hat. Es hat mich gefreut, auch darum, weil ihr Philologen in euren Urteilen konstant bleibt. Ich werde von ihm tenuem spiritum Grajae Camenae Germanis monstrator genannt, womit er fast scheint haben andeuten zu wollen, daß ihm Euripides nicht sehr hoch stehe. Aber so seid Ihr! Weil Euripides ein paar schlechte Stücke wie Elektra und Helena geschrieben und weil ihn Aristophanes gehudelt hat, so stellt ihr ihn tiefer als andere. Aber nach seinen besten Produkten muß man einen Dichter beurteilen, nicht nach seinen schlechtesten.... Weil Euripides seit langer Zeit angefochten wird, fechtet ihr ihn auch an. Und was für prächtige Stücke hat er doch gemacht!“
Bei der Erklärung der Schriftsteller, der alten wie der neuen, hielt Hermann die Einfachheit für den besten Weg, und er war ein abgesagter Feind jeder Deutelei und Künstelei. Als einst in seiner Gegenwart davon die Rede war, daß man in Kommentaren zum Faust das Heil der Welt zu fördern meine und daß dabei oft die wunderlichsten Selt- samkeiten zum Vorschein kämen, stimmte Hermann zu und sagte, er erinnere sich noch genau, wie in dem Goethischen Gedichte„Muth“³)(früher Eislebens Lied)
Sorglos über die Fläche weg,
Wo vom kühnsten Wager die Bahn Dir nicht vorgegraben du siehst, Mache dir selber Bahn!
Stille, Liebchen, mein Herz! Kracht'’s gleich, bricht'’s doch nicht! Bricht's gleich, bricht's nicht mit dir!—
zwei seiner Freunde ⁴) die Worte„Kracht'’s gleich“ auf das Herz bezogen und das einen groß- artigen Tropos genannt hätten, während es doch deutlich auf das Eis zu beziehen sei.?) Er befand sich auch hier ganz in Übereinstimmung mit Goethe, der von solchen Erklärern, die dem Dichter alle möglichen schönen Ideen unterlegen, an die dieser selbst nicht gedacht hat, sagt:)
Im Auslegen seid frisch und munter! Legt ihr’'s nicht aus, so legt was unter.))
¹) s. Köchly, a. a. O., S. 160 ff.— Ich erinnere mich, daß G. vor vielen Jahren in einem Gespräch, als ich Aeschylus und Sophokles höher stellte, aufs höchste des Euripides vielseitigen und für die mannigfaltigsten Stoffe geeigneten Geist gepriesen hat. Und wer sollte das besser beurteilen können, als der Mann, den wie keinen anderen bei der Geburt die Musen freundlich angeschaut haben? Dieses Lob des Eur. wird bestehen bleiben, auch wenn es ihm nicht allein gebührt.— ²) d. 3. März 1832.— ³) W., 1. Bd. erster Teil, S. 67.— ¹) Ernst Heinroth u. Adolf Wagner.— ⁵) s. K. Fr. Ameis, G. Hermanns Pädag. Einfluß, Jena 1850.— ⁶) s. Köchly, a. a. O., S. 33.—) Zahme Xenien II, 30, W., 3. B., S. 258.


