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welchem Sie uns ein so herrliches Stück wiederherstellen ist bewunderungswürdig, die Aus- bildung ins Einzelne unschätzbar. So viel darf ich wohl im Allgemeinen sagen, wenn ich auch schon, weder jetzt noch künftig, das eigentlichste Verdienst gründlich anzuerkennen mir einbilden darf. Doch freu ich mich gerade in solchen Fällen eines lebendigen Ahnungs- vermögens, welches durch Ihre Behandlungsweise, so weit sie auch im Besonderen von mir abliegen möchte, im Ganzen mich immer befähigt und fördert“....
Diese letzten Worte konnte Goethe mit Fug und Recht sagen. Wenn er auch kein Philologe war, so konnte er doch sicher tiefer und richtiger die Verdienste Hermanns aner- kennen, als andere, die das Griechische und Lateinische bis ins kleinste beherrschen. Goethe hat gewiß in jeder Zeile den genialen Kritiker bewundert, und der Schlußgedanke der Praefatio hat ihm gewiß die größte Achtung von Hermanns Charakter eingeflößt:„Si quid recte dixerim, id manebit, etiam si vituperabitur; si quid secus, id ne landatum quidem non interire ipse cupio.“*)— Sonst enthält die 32 Seiten lange Vorrede nichts, was Goethe besonders interessieren konnte. Sie führt aus, daß der Text verderbt, der Schluß später ergänzt ist und bringt Vorschläge, wie der Text zu gestalten ist.— Die Ausgabe selbst enthält kritische Bemerkungen über die Handschriften und ähnliche philologische Dinge. Weder in der Vorrede noch in den Anmerkungen findet sich irgend eine Kußerung, die sich auf Goethes Iphigenie auf Tauris bezieht.
Hermann war nicht der einzige Philologe, der Goethe eine Ausgabe eines griechischen Dramas gewidmet hat. Dazu gehörte auch Hermanns genialster Schüler, Karl Reisig, der seine lateinische Ausgabe der Wolken des Aristophanes Goethe und mit ihm zusammen Fr. Aug. Wolf und G. Hermann gewidmet hat.²) In der Widmungsschrift werden alle drei als Priester der Musen gefeiert, als Triumvirn, die am besten von allen Zeitgenossen beurteilen könnten, ob er sein Werk als des Aristophanes würdig herausgegeben habe. In dem Antwort- schreiben Goethes an Reisig ³) dankt er ihm„für das höchst erfreuliche Ehrengedächtniß, das er ihm in so guter Gesellschaft gestiftet“.
Hermann hat über die Stücke der griechischen Tragiker oft Kolleg gelesen. In den Sommersemestern begann er seine Vorlesungen erst nach Beendigung seiner Karlsbader Kur. Er las mehrmals„Erklärung der taurischen Iphigenie des Euripides“ und schloß diese Vor- lesung mit„der höchst interessanten Vergleichung zwischen dem Goethischen und Euripideischen Drama“,¹) wie sie auch im Vorworte seiner Ausgabe) gegeben ist. Wir kommen auf diese Vergleichung am Schlusse unserer Untersuchungen zurück.
Uber ein interessantes Gespräch mit Goethe über die drei griechischen Tragiker hat sich Hermann in der Vorrede zu den Herkules des Euripides ausgesprochen.²) Er sagt dort, während die Ansichten der Gelehrten über Aeschylus und Sophokles im ganzen übereinstimmen, gehen sie über Euripides auseinander. Dann heißt es: Euripidis versatile et diversissimis argumentis aptum ingenium memini ante multos annos Goethium in sermone quodam, cum ego Aeschylum et Sophoclem anteferrem, multa cum laude praedicare. Et quis magis idoneus
¹) Was ich gut gemacht habe, wird bestehen bleiben, auch wenn es getadelt wird, von dem anderen wünsche ich selbst, auch wenn es gelobt ist, daß es untergehe.— ²) Aristophanis Nubes Auctore Carolo Reisigio Goethio Wolfio Hermannio Salutem. Lipsiae 1820.— ³²) d. 28. Sept. 1820.— ⁴) s. R. Förster i. d. Jahresber. f. Altertumswiss. B. 141 B. Nekrologe 1908, S. 110.— ³⁵) Iph. Taurica, Lipsiae 1833, p. VIsd.— ⁶) p. XIV sq.


