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worden ist und ihm unendlich viel verdankt, hat er selbst auf das, dankbarste anerkannt. Ohne Hermanns Anregung hätte er sich weder mit der griechischen Mythologie noch mit den griechischen Tragikern so nachhaltig beschäftigt. Selbstverständlich läßt sich nun bei einem Genius wie Goethe nicht auf Schritt und Tritt nachweisen, was in seinen Dichtungen auf Hermann und die griechischen Tragiker zurückzuführen ist. Verstand er auch nur wenig Griechisch, so hat er doch den Geist und das Wesen des Griechentums aufs tiefste erfaßt und in sich aufgenommen und er vermochte es in seinen eigenen Werken„durch die intuitive Kraft der Kongenialität“ ¹) zur Darstellung zu bringen.„Die Kunstform der antiken Tragödie war Goethe damals so sehr in der tiefsten Bedeutsamkeit und in den äußerlichsten Stilkenn- zeichen lebendig geworden, wie es nur durch die Originale möglich ist.“²)—
Im Jahre 1831 widmete Hermann seine lateinische Ausgabe der Iphigenie in Aulis von Euripides) unserem Dichterfürsten mit den Worten: Goethio Taurica Iphigenia Spiritum Graiae tenuem Camenae Germanis monstratori D. G. H. 4)
Hermann übersandte dieses Goethe gewidmete Werk mit einem Schreiben,) in dem es heißt:„Ich habe mir erlaubt es Ihnen zu widmen und Ihnen, wenn auch mit wenigen Worten, ein öffentliches Zeichen einer Verehrung zu geben, die ich im Namen des alten griechischen Geistes doch eher aussprechen darf, als die, welche Griechisches ins Ungriechische übergetragen für Griechich halten“. Er fügt hinzu, er habe sich bemüht,„das verdorbenste Stück des Euripides mõöglichst von älterer und neuerer Belästigung zu befreyen“ und hofft „daß der leitende Gedanke des Wahren und Würdigen, wenn auch nur sparsam aus dem schwerfälligen philologischen Gerüste hervorblickt“.
Goethe hat sich mehrmals geäußert, wie sehr ihn die Widmung Hermanns erfreut hat. In einem Briefe an Zelter ⁶) schreibt er, daß er durch G. Hermanns Ausgabe der Iphigenie auf Aulis von Euripides wieder auf diesen unschätzbaren griechischen Schriftsteller hin- gewiesen worden sei. Sein großes und einziges Talent hätte stets seine Bewunderung erregt, aber durch diese Ausgabe sei ihm Euripides noch viel größer erschienen. Den ganzen Winter wolle er nicht von ihm ablassen.
In dem Antwortschreiben Goethes an Hermann heißt es:)„Ew. Hochwohlgeboren haben mich so oft aus düsteren kimmerischen Träumen in jenes heitere Licht- und Tageland gerufen und versetzt, daß ich Ihnen die angenehmsten Augenblicke meines Lebens schuldig geworden. Phaethon, Philoktet, die Urmythologie und so manches Andere haben mich viel- fältig beschäftigt, und mir möglich gemacht, das nach Zeit und Ort, Gesinnung und Talent Entfernteste an mich heranzurufen. Wollen Sie mir nun gar auf die ehrenvollste Weise zugestehen, daß ich als ein gedämpftes, aber doch treues Echo jene Klänge unserm gemein- samen Vaterland zugelenkt, so bleibt mir nichts weiter zu wünschen übrig. Die glücklichsten Augenblicke hab' ich dabey gelebt; hat sich nun zugleich etwas erfreulich Förderndes für meine Landes- und Zeitgenossen entwickelt, so dient dieß zur Stärkung und Belebung meines Glaubens, den ich während eines langen Lebens festgehalten habe. Der Hauptgedanke, nach
¹) v. Wilamowitz-Moellendorf, Eur. Her. I, S. 235.— ²) ebenda S. 234.— ³) Euripidis Iphigenia in Aulide. Recensuit Godofredus Hermannus. Lipsiae 1831.— ⁴) G. Hermann widmet dies Werk Goethen, der durch seine Iphigenie auf Tauris den Deutschen den feinen Geist der griechischen Muse gezeigt hat.— ⁵) Brief v. 2. Nov. 1831(10 Zeilen).— ⁶) d. 23. Nov. 1831.—*) d. 12. Nov. 1831.


