Aufsatz 
Goethes Beziehungen zu Gottfried Hermann
Entstehung
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zwischen Faust, Helena, Euphorion und dem Chor erinnert an das Fragment des Euripideischen Phaethon, den Goethe wiederherzustellen lange bemüht war.¹) Morsch sagt:Phaethon und Euphorion, beide desselben Geistes und Sinnes, steigen hoch zum Himmel unter Zuruf und Ermahnung ihrer Eltern: unten die Freude des Chors, der eine Vermählung feiert und oben die immer sich vergrößernde Gefahr und plötzlich von oben der Sturz des Jünglings in die Hochzeitsfreude hinein und der Umschlag des Festliedes in einen Trauergesang. Bei Goethe ruft der Chor zwar: Ikarus! Ikarus!(v. 9901) aber dieser hatte ja ein gleiches Geschick wie Phaethon. Auch Petsch ²) stimmt dem bei.Wenn später, so sagt er,der schöne Leichnam zu den Füßen der Eltern niederfällt, rufen die Choretiden klagend den Namen Ikarus aus, der in seinem Fluge der Sonne zu nahe kam. Vor Goethes Auge aber stand eine andere, dem kühnen, doch unreifen Flieger nahe verwandte Sagengestalt, diejenige des Phaethon. Sowohl Petsch wie Morsch nennen noch viele andere Anklänge in Goethes Helena an den Phaethon des Euripides im besonderen, wie an die griechischen Tragiker im allgemeinen.

Bis ins einzelne hat auf diese Ubereinstimmungen Erich Schmidt aufmerksam gemacht. ³) Auch er sagt:Durch seine philologischen Arbeiten und Wiederherstellungsversuche kam Goethe immer tiefer in den Euripides hinein und gestaltete vielleicht sich selbst unbe- wußt mit Anlehnung an ihn seine Helena-Dichtung. Auch im einzelnen macht E. Schmidt auf Anklänge an Euripides und Hermannschen Einfluß an vielen Stellen des Faust aufmerk- sam. Die im zweiten Teil des Faust erwähnte Nymphe Chelone(v. 8170) z. B., die Kabiren (V. 8178) und andere mythologische Wesen waren Goethe aus dem oben erwähnten Brief- wechsel zwischen Hermann und Creuzer bekannt.¹) Er goß hier über Creuzers Symbolik und Mythologie seinen Spott aus. Goethe war froh, sagt E. Schmidt,daß G. Hermann gegen Creuzer die alte Einfachheit vertrat und weder mit Priestern und Philosophen, noch mit Exkursen gen Osten und Norden etwas zu tun haben wollte. Auch die ganze Partie v. 9574 ff. ist mit entschiedenster Parteinahme für G. Hermanns Nüchternheit) in der Auffassung antiker Mythen gedichtet. Ebenso erinnert der von Vischer geschmähte Chor(v. 9385 bis 9410) an das Hochzeitslied der Mädchen in Euripides' Phaethon, den Goethe durch G. Hermann kennen gelernt hatte.)

Andere Anklänge an Euripides dem Worte wie dem Gedanken nach finden sich in der Helena-Tragödie noch in Menge.*)

Doch wozu solche Einzelheiten hier anführen? Daß Goethe durch Hermann wieder zu den griechischen Tragikern und der griechischen Mythologie in seinem Alter geführt

¹) Ein von Morris gefundenes Blatt zeigt einen Versuch, die ganze Handlung der Helenadichtung zur Wahrung der drei Einheiten auf einen Schauplatz zu konzentrieren; s. Morris, Goethestudien I, 2. Aufl. 204, Paralipomena 164 a. ²) Fauststudien, i. Goethe-Jahrbuch, B. 28, S. 105 ff. ³) in der Jubiläums-Ausgabe B. 14, S. 352 ff. u. i. Goethe-Jahrbuch, II, S. 65 ff., s. auch E. v. Lippmann i. G.-J., XXIV, 1903, S. 217 ff.) Weshalb Goethe sich in der klassischen Walpurgisnacht und in der Helena-Tragödie der Gestalten der griechischen Mytho- logie bedient hat, was vielen Goethe-Verehrern ein Argernis ist, hat wohl niemand schöner klar gemacht als Maas, Goethe und die Antike, S. 220 ff. Goethes Hauptquelle für die mythologischen Gebilde der antiken Religion ist allerdings, wie E. Schmidt nachgewiesen hat, das Lexicon mythologicum des Benjamin Hederich. Ihm verdankt G. wichtige Anregungen für die Ausgestaltung seiner Helena-Tragödie, so auch den Namen von Helenas Sohne Euphorion.(s. Robert Petsch i. Goethe-Jahrbuch 28. B, S. 111.)) a. a. O. S. 370.) a. a. O. S. 367. ¹) s. die Hempelsche Ausg. d. W. G.'s Teil XIII, S. 125 ff. u. Düntzer i. d. Kürschnerschen Deutsch. Nat. Lit. 93. B.,

S. 137. Anm.