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der Menschen geistreicher darstellen, als es hier geschehen ist“. Wenn Goethe die Bacchen für sein liebstes Stück von allen des Euripides erklärt hatte, so war das gewiß vor allem wegen der Szene geschehen, die ein Gespräch zwischen Kadmus und seiner Tochter Agave enthält, in dem diese von Kadmus zur Erkenntnis gebracht wird, daß sie auf Veranlassung des Dionysos ihren Sohn Pentheus erschlagen hat. Diese Szene ist auch die einzige, die Brumoy in seinem Théatre des Grecs(Tome second, Paris 1730, S. 631 ff.) ausführlich über- setzt hat, während er von dem ganzen Stück fast nur den Inhalt angegeben hat. Wie Schiller bei seiner Ubersetzung der Iphigenie in Aulis und der Phönizierinnen von Euripides neben dem griechischen Text die lateinische Ubersetzung des englischen Philologen Josua Barnes und die französische des Pater Brumoy benutzt hat, so ist auch Goethe diese Ubersetzung bekannt gewesen. Er hat sich aber bei seiner Ubertragung nicht an Brumoy gehalten, sondern fast wörtlich an den griechischen Text angeschlossen. Uber diese Szene und über das ganze Stück hatte er, wie aus Hermanns Brief ¹) hervorgeht, mit diesem schon im Jahre 1800 in Leipzig und auch sicher im Jahre 1820 in Karlsbad gesprochen. Dies ist der Grund, warum er nur diese Szene übersetzt und seinen Aufsatz„Die Bacchantinnen des Euripides“ ²) ge- schrieben hat. Wie Fries(a. a. O. S. 265 ff.) nachweist, ist die Ubersetzung durchaus korrekt, Goethe hat sich bei derselben aber meist nicht an die kritische Ausgabe Hermanns, sondern an die mit reichem Kommentar versehenen älteren Ausgaben gehalten.—
Nachdem Goethes Aufmerksamkeit durch Hermanns Dissertatio de Aeschyli Niobe ³) auf diesen Tragiker gelenkt worden war, wandte er seine ganze Teilnahme auch seiner Schrift De Aeschyli Danaidabus ⁴) zu und schloß sich in dem Streite, den Hermann über diese Stücke mit Welcker hatte, ganz an ersteren an. Auch Fragmente des Aeschylos zu einem Ganzen zu gestalten, war Goethe auf Hermanns Veranlassung lange Zeit bemüht. An Zelter schrieb er,³) durch das Programm von Hermann De Aeschyli Philocteta dissertatio⁰) sei er auf drei antike Philoktete aufmerksam gemacht worden,?) auf das erhaltene Stück des Sophokles und zwei verlorene des Aeschylus und Euripides. Mit Mühe hätte er sich davon losgemacht, denn eine eingehende Betrachtung hätte ihn ein Vierteljahr gekostet, das er nicht mehr nebenher auszugeben habe. Sonst hätte er sich verführen lassen, die verlorenen Stücke wiederherzustellen, zumal ein uralter Lateiner— er meint Accius— von dem er in Hermanns Abhandlung Kenntnis erhalten hattes) einen Philoktet nach dem Aeschyleischen geschrieben habe, wovon noch Fragmente übrig seien und woraus sich der alte Grieche einigermaßen restaurieren lasse.„Du siehst“, schließt er,„daß dies ein Meer auszutrinken sey, für unsere alte Kehle nicht wohl hinabzuschlucken“.
Goethe dachte sogar daran, nicht nur den Prometheus, sondern selbst das sprödeste aller antiken Dramen, die Hiketiden des Aeschylos, durch Nachdichtung des anschließenden Stückes zu ergänzen. ²)
So ist Goethe immer und immer wieder durch Hermann zu den drei großen griechischen Tragikern geführt worden.—
¹) d. 10. April 1823.— ²) W. 41, 2, S. 237 ff.— ³) G. H. opusc. III, p. 37— 58.— ⁴) G. H. opusc. II, p. 319— 336.— ⁵) d. 20. Mai 1826.— ⁶) G. H. opusc. III, p. 113— 129, 1825.—*⁷) W. 42, 2, S. 461 ff. u. Gespräche d. 31. Jan. 1827, S. 340, Tagebuch d. 5. Febr. 1826 u. S. 332.— ³) H. nennt ihn Attius.— ²⁹) v. Wilamowitz- Möllendorf, Herakles des Euripides I, S. 235.


