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Bacchae, Lipsiae 1823“ angeregt worden sei. Ein derartiges Programm existiert gar nicht, sondern nur eine lateinische Ausgabe der Bacchae des Euripides, die Hermann am gleichen Tage an Goethe schickte mit„Sophoclis Tragoediae, Vol. II Lipriae 1823“ und„De Aeschyli Niobe, Programma“. ¹)
Daß Goethe sich schon zwei Jahre vor dem Erscheinen der Ausgabe der Bacchen von G. Hermann mit diesem Stück beschäftigt hat und trotzdem durch Hermann für dieses Werk des Euripides von neuem interessiert und zu seinem Aufsatz hierüber veranlaßt worden ist, erklärt aufs deutlichste der Brief, den Hermann am 10. April 1823 an Goethe geschrieben hat. Er schreibt ihm dort, daß der Druck der„Bacchen“ des Euripides beinahe vollendet sei: dort habe er versucht, für die, die nicht bloß an dem Buchstaben hängen, aus einer besseren Quelle zu schöpfen. Ein Urteil, das Goethe vor vielen Jahren einmal über dieses Stück ihm gegenüber ausgesprochen habe, sei ihm dabei gegenwärtig gewesen.
Da Goethe nur zweimal mit Hermann persönlich zusammengetroffen ist, nämlich das erste Mal im Jahre 1800 in Leipzig und das zweite Mal 1820 in Karlsbad, kann hier wohl nur die Unterredung gemeint sein, die Goethe im Jahre 1800 mit Hermann in Leipzig hatte, denn Hermanns Ausdruck„vor vielen Jahren“ verbietet, an den Aufenthalt in Karlsbad im Jahre 1820 zu denken.— Gekannt und hochgeschätzt muß Goethe also die Bacchantinnen des Euripides schon lange haben, aber erst durch Hermanns Zusendung der Bacchae des Euripides im Jahre 1823 ist er veranlaßt worden, diesem Stücke wieder seine erneute Auf- merksamkeit zu schenken, und auch jetzt noch nicht sofort. Erst im Jahre 1826, wie aus den Tagebüchern zu ersehen ist, hat sich Goethe ernstlich mit diesem Stücke beschäftigt. Am 28. Mai 1826 wird es zuerst wieder erwähnt, dann am 9. August und den 5., 9., 12. und 13. Dezember desselben Jahres.
Wie in den oben genannten Goethe-Ausgaben irrtümlich gesagt ist, daß Goethe zu seinem Aufsatze„die Bacchantinnen des Euripides“ ²) durch ein im Jahre 1823 erschienenes Programm von Hermann veranlaßt worden ist, so werden auch die Worte falsch gedeutet, die sich in Goethes Dankbrief) an Hermann finden, als ihm dieser die oben genannten drei Arbeiten geschickt hatte. Goethe schreibt ihm da, daß er schon mit Riemer„die so würdige, den poetischen Sinn vollkommen durchdringende Vorrede zusammen angefangen.“— Diese Worte sollen sich auf die Vorrede von G. Hermanns Ausgabe Euripidis Bacchae, Lipsiae 1823 beziehen.¹) O. Jahn ⁵) ist derselben Ansicht, und auch Morsch ⁰) äußert sich in diesem Sinne. Es entspricht dies aber nicht der Wahrheit. Denn in der 56 Seiten langen Ein- leitung zu den Bacchen steht davon gar nichts. Hermann erklärt hier nur zuerst, weshalb er nach der vorzüglichen Ausgabe von Elmsley von neuem die Bacchen herausgebe, deren Text sehr verderbt sei, dann handelt er über die Auslassung des syllabischen Augments im Trimeter.
Wenn also Goethes Worte in dem genannten Briefe an Hermann, wie ich nach- gewiesen zu haben glaube, sich nicht auf die Vorrede zu den Bacchen, die Hermann im Jahre 1823 herausgegeben hat, beziehen, worauf beziehen sie sich denn? Wenn man durch- aus die Bacchen nicht fallen lassen will, so könnte man sie auf die Hypothesis oder den
¹) Opusc. G. Herm. III p. 37— 58.— ²) W., 41, 2, S. 237 ff.— ³) d. 19. Okt. 1823.— ⁴) W., G.s Br.,
37. Bd., S. 338.— ²) Goethes Briefe an Leipziger Freunde. 2 Aufl., S. 338.— ⁶) G. u. d. griech. Bühnendichter, Progr. Berlin 1888, S. 51.


