Aufsatz 
Goethes Beziehungen zu Gottfried Hermann
Entstehung
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Sonne, sondern von dem herabstürzenden brennenden Jünglinge die Rede, der wie ein von der Sonne sich ablösender Metallklumpen herabgestürzt sei. Wecklein ist anderer Ansicht, er meint, Euripides rede von der Sonne selbst, nicht von Phaethon.¹)

Goethe hat bis an sein Lebensende den Phaetonfragmenten stets innige Teilnahme entgegengebracht und den Gedanken, das Stück wiederherzustellen, nie aufgegeben. Im Jahre 1826 wurde er wieder, wie er an Zelter schreibt,²) in die Regionen des Phaethon geführt und er versuchte einen neuen Aufbau des Stückes. In diesem Briefe heißt es:Du gedenkst meines Phaethons, dessen ich mich noch immer freue, obgleich betrübe, daß ich nicht die zwei Hauptscenen damals niederschrieb. Wäre es auch nicht zulänglich gewesen, so war es doch immer etwas, wovon sich jetzt niemand einen Begriff machen kann. An denselben schreibt er bald darauf: ²)Zu den Fragmenten des Phaethon hat sich wieder eine gar hübsche erläuternde und eingreifende Stelle gefunden. Wie K. PFries ausführt, kann die Szene zwischen Helios und Phaethon, die Goethe auch wiederherstellen wollte, nur ein Botenbericht gewesen sein. So hat es sich Goethe auch gedacht. In seinem ersten Phaethon-Aufsatz sagt er von der Szene zwischen Phoebus und Phaethondaß die folgende Stelle Erzählung sei und also einem Boten angehöre. Sie und die Szene zwischen Merops und Phaethon sind nach Fries' Ansicht die zwei Hauptszenen, die Goethe in dem obengenannten Briefe an Zelter bedauert, i. J. 1822 nicht niedergeschrieben zu haben.¹) Noch wenige Tage vor seinem Tode) versprach er die Wiederherstellung des Phaethon nochmals zu bearbeiten. Es war dieses Vorhaben also eins der letzten, womit sich der greise Dichter getragen hat.

Der Phaethon ist nicht das einzige Stück des Euripides, für das Goethe durch G. Her- mann erwärmt wurde, dazu gehören auch die Bacchantinnen. Dieses Stück, das der attische Tragiker im hohen Alter geschrieben hat und dessen Schluß verstümmelt ist, erklärte Goethe für sein liebstes,⁰) von dem er noch wenige Tage vor seinem Tode sagte:Kann man die Macht der Götter vortrefflicher und die Verblendung der Menschen geistreicher darstellen, als es hier geschehen ist?*?)

Die ersten Spuren von Goethes Beschäftigung mit diesem Stücke weisen schon auf das Jahr 1821 hin. Im Tagebuch heißt es:8)Nachts Euripides Bacchantinnen und einige Wochen später: ²)Abends aus den Bacchantinnen übersetzt. Also hat sich Goethe schon zwei Jahre vor dem Erscheinen von G. Hermanns Ausgabe der Bacchantinnen des Euripides mit diesem Stücke beschäftigt. W. von Biedermanns Beziehung der Ubertragung auf ein Hermannsches Programm Euripidis Bacchae Lipsiae 1823 ¹⁰) ist also nicht stichhaltig, wie schon in der Sophien-Ausgabe gesagt ist. ¹¹) Goethe hat schon zwei Jahre vorher diesem Stücke sein Interesse zugewandt. Aber darin irrt die Sophien-Ausgabe, wie auch die Hempel- sche(Bd. 29 S. 516), die Kürschnersche National-Literatur(Bd. 113, XXXII S. 206), wie auch die Jubiläums-Ausgabe der Werke Goethes(Bd. 38, S. 299), daß Goethe zu seinem Auf- satzeDie Bacchantinnen des Euripides durch ein Programm von G. HermannEuripidis

¹) Sitzungsberichte d. Münch. Akad. 1888, S. 122. ²) d. 20. Mai 1826. ³) d. 12. Aug. 1826. ) s. den sehr lesenswerten Aufsatz: K. Fries, Goethe u. Euripides i. Archiv f. d. Studium der neueren Sprachen. LI. Jahrg., 99. Band. Braunschweig 1897. S. 253 270.) Gespräche, d. 3. März 1832.) Gespräch m.

d. Kanzler v. Müller d. 19. Okt. 1823.*) Gespräch mit Göttling, d 3. März 1832. ⁸³) d. 25. Nov. 1821. *) d. 29. Dez 1821. ¹⁰, s. d. Hempelsche G.-Ausg., Bd. 29, S. 516. ¹¹) W. 41, 2. S. 541.