Aufsatz 
Goethes Beziehungen zu Gottfried Hermann
Entstehung
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im mindesten bestätigt wird. Goethe rechtfertigt diese Verlegung des Schauplatzes in einem Gespräche mit Eckermann, ¹) in dem er sagt, daß selbst die Griechen, von denen die Regel von den drei Einheiten ausging, sie nicht immer befolgt hätten; im Phaethon des Euripides und in anderen Stücken wechselt der Ort, und man sieht also, daß die gute Darstellung ihres Gegenstandes ihnen mehr gilt, als der blinde Respekt vor einem Gesetz, das an sich nie viel zu bedeuten hatte.

In einem zweiten AufsatzeZu Phaethon des Euripides ²) spendet Goethe den von Hermann mitgeteilten Fragmenten und diesem selbst großes Lob und gedenkt der Hilfe, die ihm Göttling und Riemer durch Ubersetzen und Aufsuchen sonstiger Fragmente des Phaethon geleistet haben. Hier spricht er noch die Hoffnung aus, zu dem erhaltenèn Anfang und Ende die Mitte herzustellen. Er stellt dann den Gang der Handlung noch einmal zusammen und schließt mit den schönen Worten:Möge die Folgezeit noch einiges von dem höchst Wünschenswerten entdecken und die Lücken authentisch ausfüllen. Ich wünsche Glück denen, die es erleben und ihre Augen, auch hierdurch angeregt, nach dem Altertum wenden, wo ganz allein für die höhere Menschheit und Menschlichkeit reine Bildung zu hoffen und zu erwarten ist.Denn wieviel ließe sich nicht, so führt er fort,über die Einfalt und Groß- heit dieses Stückes rühmen und sagen, da es ohne labyrinthische Exposition uns gleich zum Höchsten und Würdigsten führt, und mit bedeutenden Gegensätzen auf die naturgemäßeste Weise ergötzt und belehrt.

Goethes Wunsch ist in herrlicher Weise in Erfüllung gegangen. Die aufgefundenen Papyrushandschriften haben noch manches wertvolle Fragment der griechischen Dichter, so auch einige Phaethonfragmente zu Tage gefördert.) Seit Goethes und Hermanns Be- mühungen um diese Fragmente ist noch mehrfach der Versuch gemacht worden, den Phaethon wiederherzustellen,4) von niemand wohl geistreicher und überzeugender als von Wilamowitz(a. a. O.). Dieser hat versucht, auf dem Goethischen Wege aus den Bruch- stücken die Hypothesis zu erlangen, und wenn man ihm und seinen kühnen Vermutungen auch nicht immer recht geben wird), so ist doch sein Scharfsinn und seine weitschauende Kombinationsgabe zu bewundern. Wie er überzeugend nachweist, ist die Göttin, die dem Phaethon in dem Euripideischen Stücke als Braut bestimmt ist, keine geringere als Aphrodite selbst.

In einem dritten Aufsatze überEuripides' Phaethon) führt Goethe sehr gelehrt aus, daßdie Alten das Niedergehen der Meteorsteine durchaus mit dem Sturze Phaethons in Verbindung gedacht haben. Während Phaethon den Sonnenwagen führt, gehen in seines irdischen Vaters Hause die Hochzeitsanstalten immer fort. Nun erfolgt ein Donnerschlag, Phaethon stürzt wie ein Meteorstein aus der Höhe, der Chor fährt aber in seinem Festgesange fort. Anaxagoras habe gelehrt, heißt es bei Goethe, die Sonne sei eine durchglühte Metall- masse, Bνπmρα mƷιι⁴ν, und Euripides, der sein Schüler war, habe im Phaethon die Sonne einen Goldklumpen genannt: ροσιαν νμρ̈ων In seinem Phaethon sei nicht von der stürzenden ¹) bei Biedermann, Bd. 3, d. 24. Febr. 1825, S. 162. ²) W. 41, 2, S. 59 ff. ³) s. v. Wilamowitz in den Berliner Klassikertexten, V., 2, S. 79 ff., Berlin 1907.) Vgl. Sebaldus Rau, Lugd. Bat. 1832 u. Dr. I. A. Hartung, Versuch einer Anordnung der Bruchstücke von des Euripides Tragödie Phaethon, mit einem Zusatze von F. G. Welcker i. Rhein. Mus., V., S. 573 fl.) Fr. Blaß, diss. de Phaeth. Eurip. fragm. Clarom. Kiliae 1885.) W. 41, 2, S. 243 ff.