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eine Geschichte der Entdeckung der Phaethonfragmente und sagt zu ihrem Verständnisse: Clymene, die vom Sonnengotte heimlich den Phaethon geboren hatte, ist mit Merops, dem Xthiopierkönige, vermählt. Phaethon wird für dessen Sohn gehalten. Als in ihm, wie Ovid erzählt, Zweifel hinsichtlich seiner Abstammung aufgestiegen waren, hört er von seiner Mutter, wer sein Vater ist und erhält von ihr den Befehl, den Sonnengott selbst hierüber zu befragen. Die Folge davon war, wie andere Fragmente des Stücks zeigen, der Todessturz Phaethons, dessen verbrannter Leib der Mutter gebracht wird, gerade als Merops die Hochzeit des Sohnes vorbereitete. Die Worte des Dichters zeigen, daß eine Göttin oder die Tochter irgend einer Göttin ihm zur Gattin bestimmt war.— Dann folgt mit gelehrtem philologischen Rüstzeug ausgestattet der Text, den Hermann mit großem Geschick wiederherzustellen bemüht war. Auf eine Wiederherstellung der Handlung hat er verzichtet. Diese zu geben hat Goethe versucht, und zwar hat er, wie v. Wilamowitz sagt,¹) den Weg eingeschlagen, der allein zum Ziele führen kann, das Entwickeln der in den Bruchstücken angesponnenen Fäden. Zuerst hatte Goethe gute Hoffnung und beschäftigte sich in den folgenden Jahren wiederholt mit der Ergänzung der Fragmente, kündigte auch schon das Erscheinen des Stückes an, aber es ist nie vollendet worden und zwar deshalb nicht, weil, wie v. Wilamowitz gezeigt hat,„die philologischen Berater dem modernen Dichter nur eine des antiken unwürdige Cbersetzung gaben und ihm nicht, was für jede solche Rekonstruktion eine unerläßliche Forderung ist, mit der Kenntnis von der Manier des Euripides zur Hand gingen. Deshalb ist es Pflicht, die Goethische Nachbildung zu bewundern, aber auch sie nicht zu wiederlegen.“ Wie v. Wilamowitz nachweist, hat selbst Hermann sich einige Szenen nicht klar gemacht ²) und konnte es auch nach dem damaligen Stande der Philologie nicht. Die Altertumswissen- schaft ist eben heute weiter als vor hundert Jahren.
In Goethes Werken finden sich drei Aufsätze über den Phaethon. Im ersten ³) „Phaëthon, Tragõdie des Euripides. Versuch einer Wiederherstellung aus Bruchstücken“ hat Goethe sich bemüht, die wenigen erhaltenen Verse zum Aufbau eines Dramas zu vereinen. In seiner Bearbeitung sind nicht nur die Hermannschen zwei größeren Fragmente benutzt, sondern auch die übrigen Bruchstücke geschickt verwendet, die sich in der Musgrave-Beckschen Ausgabe des Euripides finden.¹) Zwischen den einzelnen Partien des Euripides hat Goethe erklärende und den Zusammenhang erläuternde Bemerkungen eingeschoben. Es sind ungefähr 150 Verse, die erhalten sind, das erste der beiden größeren Fragmente hat 75, das zweite 76 Verse. Die Einteilung der Chorgesänge in Strophe, Gegenstrophe und Epode, wie sie sich bei Hermann findet, hat Goethe weggelassen, sonst ist die Ubersetzung ziemlich wört- lich nach dem Hermannschen Text, nur weniges, wie der Prolog, der Anfang des Gesprächs zwischen Mutter und Sohn, ein Gespräch zwischen Phöbus und Phaethon und einiges andere ist nach der Musgraveschen Ausgabe von Goethe zugefügt, so daß sein Wiederherstellungs- versuch 228 Verse beträgt.
Goethe scheute sich nicht einen zweimaligen Scenenwechsel vom Palaste des Merops zu der Burg des Sonnengottes und von da wieder zurück anzunehmen, eine Hypothese, die wie Hartung sagt,ꝰ) weder an sich wahrscheinlich ist, noch auch durch die Fragmente selbst
¹) Hermes XVIII, S. 396 fl.— ²) z. B. die Szene des zweiten Fragments, in der Klymene den Chor auffordert, den toten Sohn in die Schatzkammer zu tragen und der Chor einen begeisterten Hochzeitsgesang anstimmt. — ³) W. 41, 2, S. 32— 47.— ⁴¹) Lips, 1779, II., 462 ff.— ⁵) Rhein. Mus. 5. B. 1837, S. 574.


