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Satyrspiels, der TMveutat hat seine Ansicht über die Tragödie, wie er selbst sagt(S. 475) „zwar berichtigt, aber im Kerne bekräftigt.“—
Den nachhaltigsten Einfluß hat G. Hermann auf Goethe durch die Herausgabe und Zusendung der Phaethonfragmente geübt. Uber sie hat sich sowohl Goethe wie auch Hermann mehrmals geäußert. An Riemer schrieb Goethe: ¹)„Ein Hermannisches Programm, Fragmente eines Euripidischen Phaethons enthaltend, hat mir auch große Freude gemacht; es ist der Anfang und das Ende und man muß gestehen, daß sich die Mitte nicht erraten läßt; im Ganzen hat es mich an Hippolyt erinnert.“ An Schubarth²) schrieb er:„Professor Hermann hat Anfang und Ende eines Euripidischen Stücks Phaethon aus der Pariser Handschrift herausgegeben; ich habe eine Ubersetzung veranlaßt und beschäftige mich nun, mit Beyhülfe und Einschaltung schon bekannter Fragmente dieses Stücks das Ganze vor den Geist wieder- herzustellen, indeß die Chorizonten auch an dem ganzen Stücke nieseln und rütteln; jene Beschäftigung macht mir viel Vergnügen.“ An C. L. F. Schultz schreibt er ähnlich: ³)„Eine angenehme Zwischenbeschäftigung hatte ich diesen Sommer. Professor Hermann in Leipzig gab Fragmente eines Euripidischen Trauerspiels heraus, eines Phaethons; Anfang und Ende, die Mitte fehlt. Nun sind von einem so benannten Stücke schon kleinere Fragmente bekannt, und ich werde zu einem Versuch getrieben, das Stück wenigstens einigermaßen wiederher- zustellen. Es ist unglaublich groß gedacht und nöthigt uns zum Denken.... Ich habe bei dieser Gelegenheit den Euripides wieder vorgenommen und begreife immer besser, wie Aristophanes ihn hassen und ganz Griechenland ihn verehren konnte; auch er ist das Geschöpf so wie der Günstling seiner Zeit, vor dem wir uns dann freylich tief zu verbeugen haben.“— An ebendenselben schreibt er zwei Jahre später: ¹)„Die Brosamen von dem reichen Tisch der Alten sind es doch eigentlich, wovon ich lebe; wie Sie aus dem restaurirten Phaethon nächstens erfahren werden.“
In Hermanns im Jahre 1821 erschienenen Abhandlung Euripidis fragmenta duo Phae- thontis e cod. Claromontano edita heißt es in der ersten Fußnote:³) Scripta est haec dissertatio a. 1821. Adverterunt haec fragmenta Goethium, quamvis grandaeva in senecta non cithara carentem. Iuvabit contulisse, quae scripsit in libro cui indicem fecit Kunst und Alterthum vol. IV parte 2 et vol. VI parte 1.— Daß Goethe durch Hermann zu seiner Bearbeitung der Phaethonfragmente und zu seinen Phaethonaufsätzen veranlaßt worden ist, sagt er auch in den Tag- und Jahresheften vom Jahre 18216) mit den Worten:„Die Fragmente Phaethons, von Ritter Hermann mitgeteilt, erregten meine Produktivität. Ich studierte eilig manches Stück des Euripides, um mir den Sinn dieses außerordentlichen Mannes wieder zu vergegen- wärtigen. Professor Göttling übersetzte die Fragmente, und ich beschäftigte mich lange mit einer möglichen Ergänzung.“ Daß er nicht selbst die Fragmente übersetzt hat, sondern Göttling dazu veranlaßte, sagt Goethe auch in dem oben erwähnten Briefe an Schubarth.)
Der Phaethon des Euripides, eine der herrlichsten Produktionen des großen Tragikers, ist nur aus einigen Blättern des codex Claromontanus erhalten, deren Entdeckung durch Im. Bekker und Hase in einer Pariser Handschrift und Herausgabe durch G. Hermann auch Goethes lebhaftes Interesse wachrief. In der genannten Abhandlung gibt Hermann zuerst
¹) 4. 7. Okt. 1821.— ²) d. 19. Nov. 1821.— ³) d. 28. Nov. 1821.—*) d. 7. Mai 1823.— ³) God. Hermanni Opusc. III, p. 3.— ⁴) W., 36. B., S. 191.—) d. 19. Nov. 1821.


