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bald darauf von Welcker ¹) in wesentlichen Punkten widerlegt worden. Nach Welckers Ansicht ²) sind die Aschyleischen Tragödien, wenn nicht alle, doch mit sehr wenigen Aus- nahmen, nur wie Akte eines innig verbundenen Ganzen zu betrachten, eine einzige kunst- mäßige Einheit. Das Satyrspiel hat inhaltlich mit der Trilogie nichts gemein gehabt. Die einzige Beziehung, die sie zusammenhielt, war das Fest, an dem sie gespielt wurden. Das kurze und muntere Spiel diente nach der ernsten Unterhaltung als Abspannung.— Goethe war teils für Hermann zu sehr eingenommen, teils nahm er sich wohl nicht die Zeit und war philologisch nicht genug geschult, um Welckers geistvolle, den Stoff bis ins einzelne beherrschende Widerlegung der Hermannschen Ausführungen zu studieren. Hermann selbst ist in der Trilogiefrage später auf Welckers Seite getreten, und die Wissenschaft gibt diesem heute in allen Punkten recht. Nach v. Wilamowitz-Möllendorfs Ansicht, der wohl heute für den besten Kenner des griechischen Dramas gilt, gehört der Proteus, das Satyrspiel zur XSchy- leischen Trilogie, der Orestie, ausnahmsweise auch inhaltlich mit der Trilogie zusammen, sodaß alle vier Dramen zu einer Einheit verbunden waren. Allerdings behauptet auch er, daß die griechischen Tragiker sonst Dramen ohne inneren Zusammenhang vereinigt haben und daß die Fortspielung des Inhalts durch alle drei oder vier Stücke dem Aschylus keineswegs eigen- tümlich war. In der Orestie sei der Agamemnon, das erste Stück ruhig gehalten und sowohl die epische Erzählung wie die lyrische Betrachtung bewegten sich langsam in breitem Flusse. Dann gehe es crescendo weiter bis zum Schluß, im zweiten Stücke, den Eumeniden, sei die Haltung straff, die Sprache gedrungen und wortkarg, auch hier ein stetes crescendo, im dritten Stücke, den Choëphoren, gehe die Handlung decrescendo, die Trilogie schließe mit Harmonie und Ruhe.*) Man sieht, in diesen Punkten äußert sich v. Wilamowitz ähnlich wie Hermann und Goethe.
Am Schlusse seiner Abhandlung De compositione tetralogiarum tragicarum sagt Hermann,¹) Goethe hätte den Herkules in seiner Farce Götter, Helden und Wieland aus- gezeichnet geschildert, sodaß man nur wünschen könne, daß Goethe dies Werk in der neuen Ausgabe seiner Werke mitaufnimmt. So lange Wieland lebte, sei es Sache der Menschlichkeit gewesen, das nicht zu tun. Hermann hatte sein inniges Wohlgefallen an jener jugendlichen Farce Goethes und hat den Wunsch, sie der Gesamtausgabe seiner Werke einverleibt zu sehen, sechs Jahre später(1824) nochmals ausgesprochen.)
Auch Goethes Aufsatz über die Parodie bei der Alten ⁶)(1824) ist durch Hermanns Schrift über die Tetralogien hervorgerufen worden. Goethe sagt hier, daß er von seinen
¹) vergl. Fr. G. Welcker, Die Aschylische Trilogie Prometheus, Darmstadt 1824 und Nachtrag z. d. Schrift f. d. Asch. Tril. nebst einer Abh. ü. d. Satyrspiel, Frankfurt a. M. 1826.— ²) a. a. O., S. 307.— ³) s. v. Wilamo- witz-Möllendorf, Schlußwort zur Orestie, B. II., S. 303.— ⁴) I. c. p. 318. Et tamen Hercule illo(in der Tragödie Alcestis des Euripides) vix quidquam divinius ab Euripide factum est. Quod nemo praeclarius ostendit, quam Goethius nostras, cuius fabellam, quam Deos Heroas et Wielandium inscripsit, ut ab operum eius editione vivo Wielandio excludi humanitatis fuerit, at mortuo inseri iis magnopere cupimus. Miseri sunt, quibus in illo spes est, de mortuis nil nisi bene. Neque in his est Wielandius, vir immortatis, etiam si quid, ut omnes facimus, aliquando erraverit.— ⁵) In seinem Vorworte zu der Leipziger Ausgabe der Monkschen Alkestis p. X. Da heißt es: Quam egregiam esse divinaque arte expressam imaginem viri,(des Herkules) qui heros vocari dignus est, multos latuit: non latuit nostratem Goethium, summum et poetam et arbitrum poetarum: cuius fabula, quam Deos Heroas et Wielandium inscripsit, ut ab eius operum editione ne excludatur, et alio loco optavi et idem nunc repeto. Vgl. Köchly, a. a. O., S. 162 f.— ⁶) W. 42, 2 S. 465 ff. Vgl. d. Briefe a. Zelter v. 26. Juni u 25. Aug. 1824, die fast wörtlich mit G.’s Aufsatz übereinstimmen.


