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aller dieser Stücke sei künstlerisch nicht in eine Einheit zusammengefaßt gewesen, nur durch die Mannigfaltigkeit der Erfindung und Komposition, des Gesanges und der Darstellungen für das Auge sei dies geschehen. Das erste Stück hätte durch Entwicklung der Handlung den Geist, das zweite durch den Reichtum der Gesänge das Ohr, das dritte durch Neuheit des Anblicks das Auge beschäftigt. ¹)
Köchly nennt diese Schrift Hermanns in bezug auf feine methodische Forschung, Einheit und Abgeschlossenheit des Inhalts, sowie durch ihre Formvollendung selbst unter den Hermannschen Arbeiten ein Kabinettstück? ²) Er meint, daß Hermann schon bei dem Entwurfe dieser Abhandlung an Goethe gedacht habe als denjenigen, den er für den geeignetsten hielt, vom künstlerischen Standpunkte aus über seine Hypothese zu urteilen.
Goethe hatte die innigste Freude an Hermanns Ausführungen, und wie er durch Hermann schon auf metrisches und mythologisches Gebiet geführt war, so folgte er ihm jetzt auch zu den griechischen Tragikern, auf welchem Gebiete Hermann ein viel größerer Meister war als auf dem der Metrik und der Mythologie. In seinen Ausgaben der griechischen Tragiker bewährte Hermann seine Meisterschaft am glänzendsten und er war wohl von den damaligen Philologen auf diesem Gebiete der bedeutendste. So wurde Goethe denn durch Hermanns Schrift zu seiner Abhandlung:„Die tragischen Tetralogien der Griechen, Pro- gramm von Ritter Hermann 1819“*,5) veranlaßt, in der er der von Hermann vorgetragenen Ansicht über die Komposition der Tetralogien der Griechen seinen vollen Beifall gab. Er schrieb an Hermann in dem oben erwähnten Briefe,) er sei durch sein Programm veranlaßt worden„einige neuere Beispiele solcher unzusammenhängend-gesteigerten theatralischen Dar- stellungen ins Gedächtnis zurückzuführen und an dasjenige, was Ew. Hochwohlgeboren behaupten, unmittelbar anzuknüpfen.“„Höchst natürlich und wahrscheinlich“ nennt Goethe in seiner Abhandlung die Behauptung Hermanns, daß die Tri- oder gar Tetralogien keines- wegs einen zusammenhängenden Inhalt gefordert oder gar eine Steigerung desselben Gegen- standes verlangt hätten,„sondern eine Steigerung der äußeren Formen, gegründet auf einen vielfältigen und zu dem bezweckten Eindruck hinreichenden Inhalt gehabt hätten. In diesem Sinne mußte nun das erste Stück groß und für den ganzen Menschen staunenswürdig, das zweite durch Chor und Gesang Sinne, Gefühl und Geist erheben und ergötzen, das dritte darauf durch Kutzerlichkeiten, Pracht und Drang aufreizen und entzücken, da denn das letzte zu freundlicher Entlassung so heiter, munter und verwegen sein dürfte, als es nur wollte.“ Goethe führt dann aus, daß wir Neueren etwas ganz ähnliches in Schillers Wallenstein- Trilogie hätten, nur daß hier der Empfindungsweise neuerer Tage gemäß das lustige heitere Satyrstück vorausgehe. Auch erinnert er an die Sitte der Italiener, zwischen die einzelnen Akte der Oper Ballets von ganz unabhängigem Inhalt einzuschieben und an Goldonische dreiaktige Stücke, die er gesehen,„wo zwischen den Abteilungen vollkommen zweiaktige komische Opern auf das glänzendste vorgetragen wurden.“— Obgleich in dieser schwierigen Frage der berühmte Philologe und der große Dichter einer Meinung waren und bis ins einzelne übereinstimmten, ist ihre Auffassung von der Wissenschaft vielfach bekämpft und
¹) Nam et animis et auribus et oculis prospicere debet poeta scenicus, God. Herm. opusc. II p. 311. Vergl. auch Welcker, d. Aschyl. Trilogie, S. 537.— ²) a. a. 0., S. 161 ff.— ³) W., 41, 2, S. 64 ff.— ¹) d. 6. April 1823.


