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Euripides sei beinahe vollendet: dort habe er versucht, für die, die nicht bloß an dem Buch- staben hängen, aus„einer besseren Quelle zu schöpfen“. Ein Urteil, das Goethe vor vielen Jahren einmal über dieses Stück ihm gegenüber ausgesprochen habe, sei ihm dabei gegen- wärtig gewesen. Er verspricht mit den„Bacchen“ auch die Fragmente der„Niobe“ des Aeschylus mit seiner Besprechung zu senden.— Auf die hier genannten Stücke werden wir, soweit sie von Goethe bearbeitet sind, später näher eingehen.—
Im nächsten Briefe ¹) übersandte Hermann einige Schriften, unter denen die Fragmente der„Niobe“ sich befinden und verspricht den„Philoctet“ zu senden. Einige Tage später ²) antwortete Goethe in dem vierten Briefe an Hermann und dankte ihm für die Zusendung wertvoller Gaben. In diesem Briefe finden sich auch die dunklen, falsch gedeuteten Worte: „Auch haben wir schon(Goethe und Riemer) die so würdige, den poetischen Sinn vollkommen durchdringende Vorrede zusammen angefangen“. In den„Lesarten“ der Weimarer Ausgabe der Briefe Goethes⁴) ist angegeben, daß sich diese Worte auf die Bacchen des Euripides beziehen. Wir werden unten zeigen, daß dies nicht der Fall ist.
Die vier nächsten Briefe sind sämtlich von Hermann; eine Antwort von Goethe ist nur auf den letzten vorhanden. Am 18. März 1825 übersendet Hermann„Schriften“ durch den Weinhändler Deußen aus Kitzingen und bedauert, im November 1824 im Morgengrauen durch Weimar gereist zu sein, ohne Goethe besuchen zu können.(11 Zeilen.) Am 29. April 1826 schrieb Hermann an Goethe einen Brief von vier Zeilen und übersandte eine Schrift,„der- gleichen zu schreiben unangenehm, auch wohl unwürdig, bisweilen jedoch notwendig ist“. Welche Schrift hier und im nächsten Briefe gemeint ist, läßt sich nicht sicher sagen. Vielleicht handelt es sich um die Schrift Hermanns: Uber Böckhs Behandlung der griechischen Inschriften, die im Jahre 1826 in Leipzig erschienen ist, oder um irgendeine Abhandlung, die Hermann gegen Ottfried Müller, Welcker oder sonst einen Gelehrten geschrieben hat, mit dem er damals in literarischer Fehde lebte.— Der nächste Brief Hermanns beschäftigt sich, obgleich er vier Jahre später geschrieben ist,4“) wohl noch mit derselben Sache. Hermann übersendet eine Schrift,„welche zu schreiben ich durch einen zu argen Ausbruch der fixen Idee eines durch Leidenschaft grämlich gewordenen Mannes gezwungen war“. Er hoffe, daß„die heitere griechische Muse, deren wahres Wesen niemand inniger kennt“ als Goethe,„sein Herz von den kleinlichen Bewegungen frey gehalten habe, die zu der gelehrten Pedanterey gehören“.—
Es pleiben nur noch zwei Briefe, einer von Hermann und einer von Goethe übrig, die wir weiter unten besprechen wollen.—
Die erste Schrift, die G. Hermann an Goethe nach dem Zusammentreffen in Karlsbad zusandte, war De Musis fluvialibus Epicharmi et Eumeli, von der schon oben(S. 13) die Rede war. Die zweite hat den Titel De compositione tetralogiarum tragicarum.?) Hermann führt in dieser Abhandlung aus, daß die vier Stücke, die im griechischen Drama immer zu einer Einheit verschmolzen sind, dem Inhalte und der Form nach sehr verschieden waren. An der einzigen erhaltenen Trilogie, der Oresteia, macht er dies klar. Wie hier der Agamemnon, die Choephoren und die Eumeniden sehr von einander abweichen, so zeigt er, ist es auch in den anderen Tetralogien gewesen, die wenigstens dem Namen nach bekannt seien. Der Inhalt
¹) d. 10. Okt. 1823.(8 Zeilen.)— ²) d. 19. Okt. 1823. Das Original dieses Br. bef. sich i. d. Univ.- Bibl. zu Leipzig.— ³) Band 37, S. 385.— ⁴) d. 12. Aug. 1830.(9 Zeilen.)— ³ G. Herm. opusc. II, p. 306 sd.


