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Sprache und Literatur nach hundert Jahren. Mit einem tiefen Seufzer setzte er hinzu: Nur Ew. Exzellenz, wenn Sie jetzt Ihren Lebenslauf begönnen, hätten dieses Unglück verhüten
können.... Sieht man ein Produkt wie Houwalds Leuchtturm an und hört, mit welchem Beifall es aufgenommen ist, so gehört freilich ein starker Mut dazu, um nicht auch mit Hermann zu verzagen.“— Von demselben Conta lesen wir in den Gesprächen: ¹)„An Goethes
Stelle wird mir Hermann treten, ein kraftvoller, geistreicher Mann, der, wenn er auch kein Goethe ist, doch ebenfalls anregend und belebend durch seine Gespräche wirkt. Und Goethe sagte mir von ihm: Wenn man nur so glücklich wäre, einen so interessanten Mann wenigstens alle Vierteljahre einmal zu sprechen.“—
In den folgenden Jahren erhielt Goethe von Hermann folgende Arbeiten zugeschickt, die ihm sämtlich zu dichterischen Erzeugnissen oder zu wissenschaftlichen Arbeiten Veran- lassung gaben: 1. De Musis fluvialibus Epicharmi et Eumeli, Lipsiae 1819. 2. De compo- sitione tetralogiarum tragicarum, Lipsiae 1819. 3. De Aeschyli Danaidibus, Lipsiae 1820. 4. Euripidis Fragmenta duo Phaethontis e codice Claromontano edita, Lipsiae 1821. 5. De Aeschyli Niobe, Lipsiae 1823. 6. Euripidis Bacchae, Lipsiae 1823. 7. De Aeschyli Philoctete dissertatio, Lipsiae 1825.²)
Bei diesem Austausche der geistigen Erzeugnisse entspann sich auch ein Briefwechsel, aus dem zu erkennen ist, welche von seinen Dichtungen und sonstigen Arbeiten Goethe an Hermann geschickt hat. Es sind im ganzen fünf Briefe Goethes an Hermann in der Sophien- Ausgabe abgedruckt, und mehr sind überhaupt wohl nicht vorhanden. Von Briefen Hermanns an Goethe bewahrt das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar neun Briefe, die noch nie im Drucke veröffentlicht worden sind. ³)
Der erste der erhaltenen Briefe stammt von Hermann.¹) In dankbarer Erinnerung an Gespräche in Karlsbad übersendet er seine„letzten Schriften“ und verehrt Goethe desto mehr, je mehr er seine Griechen liebt.— Einige Wochen darauf) antwortete Goethe und bedankte sich für die Zusendung der Schrift„Uber das Wesen und die Behandlung der Mythologie, Leipzig 1819.⁶6) Er stellte seinerseits die Zusendung des Heftes von Kunst und Altertum in Aussicht, in dem sich im Anschluß an Hermanns Werk Goethes Aufsatz: „Geistesepochen nach Hermanns neuesten Mitteilungen“ findet. Auch Meyers Aufsatz: Iliadis fragmenta cum picturis, der die Malereien zu einer Handschrift der Ilias in der Ambrosia- nischen Bibliothek zu Mailand schildert, wird in diesem Briefe erwähnt. Dann dankt Goethe ihm, daß er„den alten griechischen Kern unverhüllt bewahre und die Nebel zerstreue, die sich darüber von Zeit zu Zeit hinziehen.“ Am Schluß rühmt er Hermanns wissenschaftliche Methode und bittet, ihn mit dem, womit er das Öffentliche beschenke, auch bald bekannt zu machen.
1) Gespräche, d. 20/26. Mai 1820, bei Biedermann II S. 465.— ²) Alle diese Abhandlungen sind in der großen Ausgabe der Werke Hermanns Godofredi Hermanni Opuscula, Vol. I—VIII, Lipsiae 1827— 1877 enthalten, mit Ausnahme der Bacchen des Euripides, die in besonderer Ausgabe erschienen.— ³) Der Abdruck der Briefe — mit Ausnahme von einzelnen Sätzen— ist nicht gestattet, da die Briefe im Zusammenhang mit anderen philologischen Korrespondenzen ein Corpus bilden und dem Goethe- und Schiller-Archiv zur Veröffentlichung vorbehalten sind. Die hier gebrachten Auszüge dankt der Verf. der gütigen eigenhändigen Anfertigung des Direktors des Archivs Dr. von Oettingen.— ⁴) d. 31. Julius 1820, 7 Zeilen.— ⁵) d. 9. Sept. 1820, abgegangen d. 20. Sept. 1820. Die Briefe Goethes, die ja durch die Sophien-Ausgabe leicht zugänglich sind, werden hier dem Wortlaute nach nicht abgedruckt.— ⁹) s. W., B. 36, S. 173.


