Aufsatz 
Goethes Beziehungen zu Gottfried Hermann
Entstehung
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Goethes hier niedergelegte Gedanken knüpfen direkt an die Untersuchungen Hermanns an und ziehen aus ihnen allgemeine Schlüsse. Die in Hermanns Werk ausgeführte Geschichte der griechischen Götterlehre veranlaßte ihn, in seiner Weise die Ergebnisse jener Forschungen aus den Entwicklungsgesetzen des menschlichen Geistes abzuleiten und seine Betrachtungen darüber niederzulegen.¹) Er wollte die Grundzüge einer Geschichtsphilosophie allgemeiner formen und prägte Hermanns philologische Arbeit im allgemeinen Sinne um. Der Titel erklärt sich daraus, daß Goethe sich hier im Anschluß an Hermanns Werk die Geistesepochen des Menschengeschlechts zurechtlegt. Das Schlußschema zeigt zusammenfassend Goethes Gedanken.

Nach einer glücklichen Fügung des Geschickes traf Goethe nach einer Unterbrechung von zwanzig Jahren im Mai d. J. 1820 mit Hermann wieder persönlich zusammen und zwar in Karlsbad. In den Tag- und Jahresheften vom Jahre 1820 schreibt Goethe hierüber: ²)Mit Professor Hermann aus Leipzig führt mich das gute Glück zusammen, und man gelangt wechsel- seitig zu näherer Aufklärung. Ihnlich äußerte er sich in einem Briefes) an den Großherzog Karl August:Höchst erfreulich war es mir auch, Professor Hermann aus Leipzig nach vielen Jahren wiederzusehen: er ist noch so wacker und nett wie jemals: sein Dämon ist ihm getreu geblieben. Sie verkehrten täglich miteinander,) und Goethe setzte mit Hermann am Brunnen in Ruhe die Gespräche fort, die er in früheren Jahren nicht ohne Kampf mit dem anderen großen Philologen, Fr. Aug. Wolf, beim Badeaufenthalt zu führen pflegte. Hier war es auch, wo Hermann zu Goethe sagte, er erscheine ihm wie ein unter Deutschen wandelnder Grieche. Dies aus dem Munde eines so guten Kenners der Griechen zu ver- nehmen, mußte ihn mit gerechtem Stolze erfüllen. Es ist natürlich, daß beide Männer sich gegenseitig versprachen, ihre neuesten Arbeiten einander zuzuschicken. Auch in Briefen Goethes an Hermann sehen wir mehrfach diesen Wunsch ausgesprochen. Als Goethe am 27. Mai 1820 Karlsbad verließ, gab er Hermann eine Empfehlungskarte an den Professor Dietrich am Gymnasium zu Kommotau, den er in den Tag- und Jahresheften vom Jahre 1813 zu den bedeutenden Personen rechnet, die er in Teplitz gesehen hatte. Sie lautet:Herrn Professor und Ritter Hermann wird Herr Professor Dietrich von Kommotau hierdurch aufs beste empfohlen. C B. d. 27. May 1820. Goethe. Da diese Empfehlungskarte des Brief- charakters entbehrt, ist sie in der Weimarer Ausgabe der Briefe Goethes nicht als Brief aufgeführt.)

Gleich nach Goethes Abreise von Karlsbad(d. 28. Mai 1820) hatte Hermann ein Gespräch mit dem Großherzoglich Sächsischen Landesdirektionspräsidenten von Conta, der zu den Männern im höheren Weimarschen Staatsdienste gehörte, deren Beziehungen zu Goethe sich bald zu freundschaftlichem Umgange gestalteten. Dieser berichtete Goethe ein Gespräch mit Hermanné) folgendermaßen:Professor Hermann ist nicht recht wohl und hat hypochon- drische Anwandlungen. In solcher Stimmung kam er von Ew. Exzellenz Werken, die er bewundert, auf die neuen Produkte der Zeit und weissagte den gänzlichen Verfall der deutschen

¹) vergl. Biedermann, G. u. Leipzig, II. Teil, S. 274. ²) W., B. 36, S. 181. ³) d. 26. Mai 1820. ¹) Begegnungen mit Hermann verzeichnet das Tagebuch v. 20. Mai 1820 an oft.) s. Briefe, Bd. 33, S. 340. ) Brief Contas an G., d. 5. Juni 1820, s. Suphan im Goethe-Jahrbuch 1901, S. 23 ff.