Aufsatz 
Goethes Beziehungen zu Gottfried Hermann
Entstehung
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1. und 2. Band derStudien ¹) geschickt und dafür von Goethe einen freundlichen Dankbrief erhalten. Goethe schrieb hierüber in den Tag- und Jahresheften im Jahre 1806 ²):An dem höhern Sittlichen Religiösen Theil zu nehmen, riefen mich die Studien von Daub und Creuzer auf. Im Jahre 1815 lernte Creuzer dann Goethe durch Vermittlung von Boisserée kennen und hatte mit ihm ein Gespräch über alte Symbolik und besondersüber die Einheit in der Zweiheit, ein Grundgedanke, dem die Natur gehorche. Er erhielt dann von Goethe aus Weimar ein Gedicht zugeschickt, das dieser später in seinem Westöstlichen Divan aufgenommen hat. Es trägt die Uberschrift Gingo biloba und lautet folgendermaßen:*)

Dieses Baums Blatt, der von Osten Meinem Garten anvertraut, Gibt geheimen Sinn zu kosten, Wies den Wissenden erbaut.

Ist es Ein lebendig Wesen, Das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen, Daß man sie als Eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern, Fand ich wohl den rechten Sinn; Fühlst du nicht in meinen Liedern, Daß ich eins und doppelt bin?

Goethe schickte dieses Gedicht an Creuzer mit der Bemerkung:Zur Erinnerung glücklicher Septembertage 1815, Goethe. In diesen Tagen hatte er das Gespräch über Symbolik mit Creuzer gehabt und an Marianne von Willemer ein Blatt des zweilappigen Gingobaumes als Sinnbild der Freundschaft geschickt.

Da nun, wie Creuzer mit gewisser Eitelkeit erzählt, auch Jacobs, Fr. Aug. Wolf, Welcker, E. Gerhard und andere berühmte Gelehrte seine Schriften gelobt hatten und er Hermann wohl für einen großen Philologen und Kritiker, aber für keinen glücklichen Mytho- logen hielt, so hoffte er auch in Goethe einen Gesinnungsgenossen zu finden. Darin hatte er sich aber gründlich getäuscht. Goethe, dem wie Hermann) alles Mystische von jeher ein Greuel war, schrieb nach Empfang der zwischen Creuzer und Hermann gewechselten Briefe am 1. Oktober 1817 jenen bekannten Brief an Creuzer, in dem er eine Parteinahme in dem Streite zwischen beiden Gelehrten mit dem Bemerken ablehnte, daß er kein Fachmann sei. Er ließ aber offen seine Meinung durchleuchten, daß ihm Creuzers mystische Auffassung und allegorische Behandlung der Mythen nicht zusage, und seinen Freunden gegenüber äußerte er ganz unverhohlen seine Bewunderung für Hermann. Er sah nur das Große, das Hermann leistete und nannte ihn seinen eigensten Vorfechter. Von Hermanns lateinischer Dissertation über die alte Mythologie der Griechen schrieb er an Boisserée,5) sie mache ihn ganz gesund.

¹) Die Studien, herausgegeben von Carl Daub und Fried. Creuzer, Frankfurt und Heidelberg, 1805 1811, 6 Bände.*²) W. B. 35, S. 262. ³) W. B. 6, 8. 152.) s. Platner, a. a. O., Nr. 2.) d. 16. Jan. 1818.