Aufsatz 
Die Schriftstellerlektüre der Ober-Sekunda nach den Grundsätzen der Konzentration : 2. Teil / von August Ahlheim
Entstehung
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Dort sehen wir die Helden mit Riesen und Drachen käümpfen und die Mannen zu Tausenden im Hunnenlande fallen, um die Rache eines tiefgekränkten Weibes zu stillen, hier führen die Kaiser ihre Kriegerscharen über die Alpen nach Italien. Stolz preist der Dichter sein Deutschland als die Herrin der Völker, und wehmütig beklagt er dessen tiefen Fall infolge innerer Zwiste. Daneben sehen wir den Sänger von Burg zu Burg wandern, und milde Fürsten wetteifern in der Pflege des Gesanges. Starke Ritter, die Schwert und Lanze zu führen gewohnt sind, besingen in zarten, tiefempfundenen Liedern die Schönheit der Natur, mit der die Menschen noch im engsten Verkehr stehen, und werben um die Gunst schöner züchtiger Frauen. In demütiger Frömmigkeit beugen sie aber auch ihre Knie vor Gott und ziehen im frommen Wahn, sich dadurch den Himmel zu verdienen, nach dem heiligen Land. Freilich ein wichtiger Zug fehlt in unserem Bilde. Nur schwach angedeutet erscheint darin der gewaltige Streit zwischen Papstgewalt und Kaisergewalt. Rücksichten auf lokale Verhältnisse haben uns dazu veranlasst. Aber ist unser Bild dadurch vielleicht weniger wahr, so erscheint darin um so idealer das jugendliche Heldenzeitalter unseres Volkes in der glorreichen Zeit der Hohenstaufen. Auch der Begriff der Lyrik ist erarbeitet. Die Epiker besingen die AAd& e⁶σν die Lyriker singen:

Von Lenz und Liebe, von selger goldner Zeit, Von Freiheit, Männerwürde, von Treu und Heiligkeit!

Neben das Kulturbild der mittelalterlichen Ritterburg tritt in Hermann und Dorothea das des deutschen Bürgerhauses am Ausgang des 18. Jahrhunderts. Hermanns Vaterhaus liegt im Mittelpunkte eines Städtchens, das abseits von der Heerstrasse ohne viel Industrie und Verkehr trotz seiner Mauern und Türme einen gar friedlichen Eindruck macht. Dem entsprechen auch die Bewohner: der behäbige Löwenwirt, die kluge, verständige Hausfrau, der rüstige, fleissige Sohn u. s. w. Bezeichnend ist ein berechtigter Stolz auf das durch Bürgerfleiss Erworbene und ein Hängen am Besitz, das aber die Herzen nicht hart macht, das Streben nach sog. Bildung, die in Xusserlichkeiten gesucht wird, und das Lob des Fortschritts neben klein- städtischer Neugier und Festhalten am Althergebrachten, wie sie ja auch in ihrem Städtchen der Neuzeit entsprechende Verbesserungen treffen und gleichzeitig die Befestigung, das Wahr- zeichen der alten Zeit, wiederherstellen lassen. Aber ein guter Kern liegt in diesen Menschen, es sind gute Bürger, treue Patrioten und gläubige Christen.

Ausserdem erfolgt anHermann und Dorothea die Zusammenfassung aller seither gelegentlich gefundenen Beiträge zur Kenntnis der epischen Dichtungsart, der Begriff des Epos gelangt also hier zum vorläufigen Abschluss. Für folgende Punkte bietet sich z. B. Gelegenheit zur Wiederholung und Befestigung: die scheinbare Absichtslosigkeit und Zufälligkeit der An- ordnung(z. B. Dorotheas Vorgeschichte wird zum Teil erst im letzten Gesang erzählt), die Episode(z. B. Gesang 3), die Verzahnung(z. B. vorbereitende Schilderung Hermanns vor seinem Auftreten), die Objectivität der Darstellung(nirgends tritt die Person des Dichters hervor), die naive Auffassung der Natur(z. B. die Beschreibung des Mondscheins durch Dorothea), der enge Verkehr mit der Natur(besonders bei der Mutter und Hermann), die epische Ruhe(bezeichnend ist in Gesang 9 in dem wichtigen Augenblick der Verlobung die Be- merkung: nicht so leicht, er(der Ring) war von rundlichem Gliede gehalten) und die epische Breite der Erzählung(die Beiwörter und die eingestreuten Erzühlungen wie die vom Brande oder der Heldenthat Dorotheas), die plastische Sinnlichkeit der Darstellung(bes. der Linden- brunnen; cf. Homer a. a. O., Walther und Nibelungenlied), die Darstellung körperlicher Schönheit durch ihre Wirkung(z. B. Dorotheas Eindruck auf den Vater; zum Vergleich kann heran-