Abschied(cf. Menelaos, Helena und Telemach); Waffen hängen an der Wand wie im Palaste des Odysseus, aber der Schild ist tüsent marke wert, nicht eine Anzahl Rinder. Der kühne Spielmann Volker erinnert weniger an den homerischen Sänger beim Mahl als an den kriege- rischen Achilles, der die 2Alναᷣ ⁴αeνσν besingt, und ist der Vorgänger der ritterlichen Minne- sänger. Die weitere Inhaltsangabe hebt die stetige Zuspitzung des Konfliktes zwischen Hagen und Kriemhilde hervor. Die Lage kennzeichnet Av. XXX Hagens und Volkers Schildwacht. Die beiden Freunde bei ihrer nächtlichen Wache zum Wohle der Gesamtheit erinnern an die nächtliche Heldenthat des Nisus und Euryalus. Weiter wird hervorgehoben Av. XXXV 2023 2061 der Vermittelungsvorschlag Kriemhildens an ihre Brüder, sich zu retten durch die Preisgebung Hagens. Aber die Könige wahren ihm die Herrentreue, wie er ihnen die Mannentreue.(Ebenso verschmäht Herzog Ernst(UII) sich zu retten durch die Lossagung von Werner!) Darauf lässt Kriemhilde den Saal anzünden. Der Höhepunkt wird erreicht mit Rüdegers Tod Av. XXXVI 2072— 2171. Erschütternd ist des Helden Seelenkampf, hervorgerufen durch einen Konflikt der Pflichten. der ihn eine Treue zu brechen zwingt(cf. Cid in U II). Das Furchtbare der Lage wird durch versöhnende Züge(cf. den Freiermord) gemildert, durch das Uberreichen des Schildes an Hagen sowie durch dessen und Volkers Versprechen, Rüdeger zu schonen. Auch hier behält der auch im klassischen Altertum überall beobachtete Grundsatz Geltung, dass das Gesamt- interesse dem Einzelinteresse vorangeht(cf. Aeneas und Dido); die Mannentreue ist stärker als die Freundestreue, und der Tod ist die einzige Lösung. Rüdegers Tod zieht alle nach sich. Der letzte Kampf zwischen Dietrich— Hagen und Gunther giebt Kriemhilde ihre Feinde in die Hand. Jetzt tritt wie bei ihrem ersten Begegnen mit Hagen im Hunnenland die Frage nach dem Hort wieder so in den Vordergrund, dass er fast als wichtiger erscheint als die Rache für Siegfried. Zur Erklärung muss auch hier wieder die ältere Sage von dem fluchbeladenen Golde der Nibelungen herangezogen werden. Kriemhilde stillt ihre Rache und fällt selbst als deren Opfer, die einzig befriedigende und auch gerechte Lösung(religiöses Interesse). Mit diesem Schluss tritt das Nibelungenlied in Gegensatz zu dem trotz alles Mordens versöhnlichen Ausgange der Odyssee. Der Vergleich beider Epen lehrt, dass die Vorzüge der Odyssee in der Form, die des Nibelungenliedes in der Grossartigkeit des Inhalts liegen(cf. Hachez a. a. O.). Sehr treffend sagt Heine:„Das Nibelungenlied ist von grosser, gewaltiger Kraft, die Sprache, worin es gedichtet ist, ist eine Sprache von Stein, und die Verse sind gleichsam gereimte Quadern. Hier und da aus den Spalten quellen rote Blumen hervor wie Blutstropfen und zieht sich der lange Epheu herunter wie Thränen.— Kein Turm ist so hoch und kein Stein so hart wie der grimme Hagen und die rachgierige Kriemhild.“
Im 2. Tertial folgt der Lektüre des Nibelungenliedes als Ergänzung zu einem abge- schlossenen Bilde des Mittelalters, speziell der Hobenstaufenzeit, die des Lyrikers Walther von der Vogelweide. Ist dort das deutsche Volk dargestellt in seinem Thatenleben, so lässt uns Walther einen Einblick thun in sein Gedanken- und Gefühlsleben. Auch die Schauplätze(am Rhein und an der Donau) decken sich zum Teil. Ebenso stellt ihn die Naivetät seiner Natur- betrachtung und die Schlichtheit seiner Gefühlsäusserung passend neben die beiden Volksepen Homer und Nibelungenlied. Für die Konzentration erweist er sich nach jeder Seite als ge- eignet. Die Person des Sängers, sein Aufenthalt an den Fürstenhöfen wie die Vortragsweise seiner Lieder leiten zurück auf die Vorstellungen, die der Schüler aus III mitbringt, und erinnern auch an die Sänger in der Odyssee und die jenen beiden Volksepen wohl zu Grunde liegenden Einzellieder. Die Stoffe seiner Dichtungen, Natur- und Frauenschönheit, Vaterland und Religion weisen hin auf die 3 Centren Natur, Geschichte und Gott, die auch' bei der Auswahl der übrigen Lektürestoffe leitende Gesichtspunkte waren. Die Liebe zur Natur, die wir besonders bei Homer kennen lernten, erscheint uns hier als ein Grundzug deutschen Wesens. Die zarte Ver-


