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geeigneten Gesinnungsstoff nicht finden. Die Lästrygonen mit ihrer riesengrossen Königin, ihrem menschenfressenden König und ihren Felsen schleudernden Männern sind nur eine Wieder- holung des Cyklopenabenteuers ohne dessen bildenden Wert. Auch die Episode bei Kirke möchte ich von der Lektüre ausschliessen. Nicht seine geistige Kraft verleiht Odysseus den Sieg, sondern allein die Hilfe des Hermes; auch die Liebe zu Weib und Heimat hat keine schwere Probe zu bestehen. Zudem sprechen auch mehrere sittlich bedenkliche Stellen für die Ausschliessung. B. IX übergehen wir ganz. Die für den Gang der Handlung bedeut- samsten Stellen über die Verhältnisse auf Ithaka bieten uns nichts Neues, ebensowenig der Hinweis auf den Zorn des Poseidon, und endlich wird die Warnung vor Frevel an den Rindern des Helios überflüssig durch die Lektüre dieser Episode selbst. In B. XI sind die Erzählungen von den Sirenen, Plankten, Scylla und Charybdis entbehrlich, weil ohne erzieherischen Wert; also bpleibt nur v. 260— 453 der Frevel an den Rindern des Helios. Sofort fällt die Khnlichkeit mit der Episode bei Aeolus in die Augen. Das Unglück wird herbeigeführt durch den Ungehorsam gegen Odysseus und dessen(2.) verhängnisvollen Schlaf. Aber überall zeigt sich eine Steige- rung. Während dort nur allgemein von Auflehnung gegen den Führer gesprochen wird, tritt hier der Demagoge Eurylochus hervor. Beide Stellen zusammengehalten geben ein typisches Bild der Aufwiegelung der Menge durch Erregung der niedrigen Leidenschaften und Beschönigung der etwaigen Folgen. Ein Vergleich mit Szenen aus dem Stände- kampf(Livius) liegt nahe. Da die Auflehnung gegen Odysseus zugleich Frevel gegen die Götter ist(Höhe der d9 ½!), so erscheint der Untergang aller Gefährten als Akt der gött- lichen Gerechtigkeit(religiöses Interesse). Odysseus allein, als unbeteiligt an dem Frevel, rettet sich zu Kalypso; damit ist die Rückkehr zum Anfang von Gesang V erreicht.
In Gesang XIII enthält v. 1— 124 die Heimfahrt des Odysseus. Neben das Bild der Kultur- losigkeit tritt das des patriarchalischen Königtums(der König zugleich Priester cf. die röm. Königzeit!); dem König zur Seite steht der Rat der Edlen und die Gemeinde, Verhältnisse, aus denen sich später die Aristokratie und Demokratie entwickelt. Der Sänger erinnert an den deutschen Unterricht in III. Der Phorkyshafen(Hinweis auf die für Griechenland so be- deutsame Küstenbildung!), die Nymphengrotte, der Koraxfelsen mit der Quelle Arethusa und das Gehöfte des Eumaios dienen zur Pflege des Naturgefühls durch die beim Entwerfen von Landschaftsbildern eintretende Anleitung zum malerischen Sehen.
Schlafend erreicht Odysseus die Heimat; cf. seinen 2 maligen verhängnisvollen Schlaf! v. 125— 187 enthalten die Heimfahrt und Bestrafung der Phäaken. In der Ausübung des heiligen Gastrechts fehlen sie gegen Poseidon; zwar beschliessen sie das Geleite Fremder von jetzt ab zu unterlassen, aber wir fühlen, es ist zu spät. Furcht vor dem strafenden Walten der Götter und Mitleid mit den Irrenden ergreift uns; ihr Geschick ist tragisch. cf. Nisus und Euryalus! Dem Erwachen des Odysseus v. 187— 220 folgt seine Begegnung mit Athene v. 220— 249. Diese Verse enthalten zugleich die Vervollständigung der Schilderung Ithakas. Beachte den Gang derselben vom Nächsten zum Ferneren, vom Einzelnen zum Allgemeinen! Mit, Uber- gehung der Erdichtungen des Helden wenden wir uns zu v. 344 ff. der Wiedererkennung Ithakas(2. deυναάꝙά»⁵ιιιι). Verse wie 353— 354 werden in ihrer edlen Einfachheit ihre Wirkung auf die Stärkung des Heimats- und Vaterlandsgefühls nicht verfehlen, nur muss man dieselbe nicht durch allzu breites Behandeln vereiteln.„Es sollen diese Gefühle nicht immer an die Oberfläche gehoben werden, sie verblassen da leicht.“¹) Dann folgt bis v. 438 die Bergung der Geschenke und die Entwerfung des Planes zur Bestrafung der Freier. Durch das Mittel
¹) Münch, Vaterlandsliebe als Ziel des erziehenden Unterrichts, in: Vermischte Aufsätze über Unter- richtsziele und Unterrichtskunst an höheren Schulen; Berlin 1888.


