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Ithaka und die es umgebenden Inseln den Schauplatz des grössten Teils der Handlung der 2. Hälfte der Odyssee fest(Geographie!).
Das Heimatsgefühl des Helden wird auf die Probe gestellt bei den Lotophagen.
Noch mehr ins Reich der Phantasie führen uns die folgenden Erzählungen, deren Reihe die von Polyphem, zugleich als die bedeutendste, eröffnet. Formell lassen sich daran wesent- liche Kennzeichen der epischen Poesie anschauen; so charakterisieren v. 197— 211 die epische Breite, v. 205— 207 die epische Ruhe, und v. 228 enthält eine Anticipation, d. h. eine Andeutung über den weiteren Verlauf der Handlung durch eine Vorahnung der handelnden Person. Derartige formelle und inhaltliche Beobachtungen werden im Verlauf der Lektüre zusammengestellt¹) und zu kleineren schriftlichen oder mündlichen Darstellungen benutzt. ²) Was den Inhalt anlangt, so lernen wir hier die tiefste Kulturstufe kennen: keine Häuser, sondern nur Höhlen, kein Zusammenwohnen, kein Ackerbau, sondern nur Viehzucht in der Form des Weidebetriebs, keine Schiffahrt, keine Volksversammlung, kein Gesetz, keine Gottes- furcht, also Unkultur; diese wird noch anschaulicher durch ihren Gegensatz zu der wunder- baren Fruchtbarkeit des Landes. In die Gefahr treibt den Odysseus seine Abenteuerlust(Schuld!) (v. 224 ff.), deren Grund, wie die Vorbereitungen zeigen, zu suchen ist in dem Bewusstsein seiner geistigen Uberlegenheit, gerade wie bei Siegfried(cf. sein erstes Auftreten in Worms) in dem Bewusstsein seiner übermenschlichen Körperstärke. Der Fluch des Polyphem(v. 528—535) erklärt den Zorn des Poseidon und damit die Leiden des Odysseus(cf. den Fluch der Dido). Die Verweigerung der Annahme des Opfers durch Zeus v. 551— 554 lässt dieselben als sicher und nahe bevorstehend erscheinen.
Noch wichtiger als diese Einzelheiten ist der Grundgedanke des Abenteuers. Dieser weist nämlich auf Herodot hin; auch da„kommt das ganze Völkergewimmel mit seiner ungeschlachten Naturkraft nicht auf gegen die durch Einsicht gelenkte und konzentrierte, selbstbewusste Kraft eines kleinen, freien Volkes. Der Geist, der bei Marathon und Salamis siegte, ist derselbe, der in der Cyklopenhöhle den Sieg davontrug“. ³) Die Geschichte von Polyphem erscheint also als geeignet beizutragen zur„Ubung des Blicks im Verschiedenen das Gleiche zu sehen“ ⁴) und „das in der Seele vereinzelt Dastehende zusammenzuführen“ ⁵), also zur Konzentration der Lehrstoffe.
In Gesang X ist der Besuch bei Aeolus v. 1— 76 von Bedeutung. Die Genossen des Odysseus verschulden selbst ihr Unglück durch ihre Habsucht und ihren Ungehorsam(Steige- rung ihrer 5!). Bemerkenswert ist ausserdem der verhängnissvolle Schlaf des Odysseus und im einzelnen v. 38— 39 die Naivetät der homerischen Menschen.)
Auch die folgenden Abenteuer bei den Lästrygonen und Kirke wirken anregend auf die Phantasie. Wenn aber deren Pflege nicht Zweck, sondern nur Mittel zur sittlichen Bildung sein soll, um das Urteil über Gut und Bös, Recht und Unrecht zu wecken und dadurch die sittliche Einsicht zu bereichern und den sittlichen Willen zu stürken,*) so kann ich darin einen
¹) Eine derartige Sammlung findet sich bei Hachez, die Behandlung des Nibelungenliedes in Prima; Lehrpr. 31.
²) Schiller, Sind in unseren„Gymnasien zum Zwecke rednerischer Ausbildung besondere Übungen notwendig? Ztschr. f. d. G. W. 44, S. 1 ff.
³) Willmann a. a. O. S. 49 und 50.
¹) Willmann S. 93.
³) Willmann S. 117.
¹) Buchholz, Die homerischen Realien III. Bd. 2. Abtlg. Die homerische Psychologie und Ethik; S. 353 und 360.
7) Willmann a. a. O. S. 20.


