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Lehrpläne:„Virgil nach einem Kanon, der in sich abgeschlossene Bilder gewährt und einen Durchblick auf das Ganze ermöglicht“, ¹) gerecht zu werden. Im ganzen sind es ca. 1150 Verse, die nach unserer Erfahrung in 5 Wochen d. h. in 35 Stunden, sehr wohl erledigt werden können, denn es kommen dann auf eine Stunde nur ca. 33 Verse, sodass noch Zeit bleibt zur Er- ledigung der allerdings zahlreichen inhaltlichen Fragen. ²) Viel mehr Zeit haben wir bei der breiten Ausdehnung unserer Liviuslektüre für Vergil freilich auch nicht übrig.
Nun könnte man noch fragen, wann und wo die Vergillektüre am besten ihren Plat⸗ tindet. Da dürften sich nach meiner Erfahrung am besten eignen die 3 Wochen vor und die 2 nach Weihnachten. Zu diesem Vorschlag bewegt mich aber nicht die von Pabst) geäusserte, (übrigens auch von Schiller¹) ausgesprochene) Befürchtung, den Schülern würde die Vergil- lektüre bald langweilig, und deshalb empfehle sich eine Verteilung auf 2 Semester. Denn ich halte jene Furcht für nicht ganz begründet, und, wo sie berechtigt erscheint, den Dichter nicht für allein schuldig.¹) Dagegen lernte ich von Jahr zu Jahr mehr auf eine andere Gefahr achten, nämlich dass„es sich hier handelt um eine neue, die Redeweise des gewöhnlichen Lebens vermeidende Diktion, welche reich ist an ungebräuchlichen Wendungen und Kon- struktionen.“ ⁵) und dass deshalb eine ziemlich eingehende Vorbesprechung nötig ist.— Ab- gesehen davon, dass ich durch obigen Ansatz, vor und nach den kurzen Weihnachtsferien. wenn auch nicht völlig, doch so ziemlich, den Anschluss von Übersetzungsübungen an den Wortschatz des Dichters vermeide, da die letzte Woche vor und die erste nach den Ferien wegen des Ausfalls der Schreibübungen ganz für die Lektüre verwendet werden kann, so tindet dadurch auch das Vergilsche Kunstepos seine richtige Stelle hinter den beiden Volksepen(Nibelungenlied und Odyssee) und vor Göthes Hermann und Dorothea, und endlich steht es auch zur Geschichte insofern in engster Beziehung, als in dieser Zeit gerade der Uber- gang der Republik in den Prinzipat des Augustus behandelt wird.
Dass auch für die Odysseelektüre in Sekunda eine einheitliche Auswahl getroffen werde, welche das Wesentliche vom Unwesentlichen scheidet, den Durchblick durch ein Ganzes mög- lich macht und selbst ein Ganzes darstellt, bezeichnet Frické) als eine der dringendsten Auf- gaben. Bevor wir an deren Lösung herangehen, müssen wir einige Worte über den Platz vorausschicken, den sie im Lehrplan der OlI einnehmen soll. Diesen möchte ich ihr jetzt im Gegensatz zu meinem früher gemachten Vorschlag?), zumal da inzwischen die griechischen Schreibübungen in OII weggefallen sind, am Anfange des Schuljahres anweisen, sodass die Odysseelektüre parallel läuft mit der des Nibelungenliedes. Ein Vergleich der beiden Epens) mit ihren tiefgehenden Konflikten, die ganze Völker in Mitleidenschaft ziehen, der Helden die zwar gewaltige Thaten verrichten, dabei aber doch mehr passiv als aktiv sind(bezeichnend ist das Epitheton des Odysseus zolurax), ergiebt den Begriff des heroischen Epos. Die im Deutschen und Griechischen abbrechenden Gedankenreihen leitet dann Vergil weiter und ermöglicht jetzt auch durch rückblickende Vergleiche hinsichtlich der Komposition des Ganzen
¹) Lehrpläne und Lehraufgaben für d. höh. Schulen, Berlin 1891, S. 20.
²) Wie diese für den deutschen Aufsatz nutzbar gemacht werden können, habe ich zu zeigen gesucht im„Gymnasium“ 1891, No. 1: Beitrag zur Behandlung der Vergillektüre. Vgl. auch Loos a. a. O., der diese Verbindung fordert.
³) Die Vergillektüre nach den neuen Lehrplänen, Lehrpr. 34.
⁴) Hdbch. d. prakt. Pädagogik, 2. Aufl. 8. 464.
⁵) Instrukt. f. d. Unterr. a. d. Gymn. in Österr. a. a. O.
³) Rohmaterialien didaktischer Richtlinien zur ersten Handreichung für Anfänger; Lehrpr. 8, S. 68, Anm. 3.
¹) Zur Stoffauswahl in OII; Lehrpr. 31.
³) Reiches Material über die Beziehungen des Homer zum sonstigen Unterricht giebt: Laas, der deutsche Aufsatz, 2. Aufl.; Berlin, 1877, S. 347 ff.


