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Tod v. 439—509. Dieser bethätigt seine Bundestreue durch solche Heldenthaten, dass ihm nur noch Turnus gewachsen scheint. Auch der Jüngling selbst erkennt dessen Uberlegenheit auf den ersten Blick, aber seine Heldenehre gebietet ihm dennoch den Kampf, in dem er dem stärkeren Gegner unterliegt. Doch auch sein Schicksal erfüllt uns trotz aller Sympathie für ihn mit Befriedigung, denn es zeigt das gerechte Walten der Gottheit(religiöses Interesse). Er fällt, damit Euander für die Unterstützung des Landesfeindes gestraft werde, nachdem er das höchste Ziel des antiken Menschen, unsterblichen Ruhm erreicht hat: famam extendere factis— hoc virtutis opus.„Ist der Leib in Staub zerfallen, Lebt der grosse Name noch.*) Zugleich wird ihm ja auch Rache in nahe Aussicht gestellt v. 471— 472.
Auch sein Gegner erregt unser volles Interesse. Er ist von der Gerechtigkeit seiner Sache, Verteidigung des Vaterlandes gegen den fremden Eroberer, und von der Strafbarkeit der Haltung Euanders fest überzeugt, und dieser Uberzengung entspricht sein Handeln. Dass sein Wunsch(v. 443) nicht Grausamkeit ist, sondern dem Geiste der Zeit entspricht, zeigt Pallas Wunsch(v. 462— 463) und des Turnus Verhalten gegen den Toten(v. 491— 495). Aber Turnus muss fallen, denn er steht dem Fatum, das dem Aeneas Italien bestimmt hat, im Weg. Den äusseren Anlass wird das dem Toten geraubte Wehrgehenk geben(v. 503— 504)(Erregung des Interesses!).
Auch für die Pflege des Naturgefühls ist die Stelle nutzbringend, einmal wegen des Gleichnisses(v. 454— 455), besonders aber wegen der zu einer Situationszeichnung zu benutzen- den Verse 505— 506. Der tote Pallas auf seinem Schilde liegend, umgeben von weinenden
Kriegern, erinnert an den toten Siegfried.— Kulturgeschichtlich bemerkenswert ist die Kampf- weise der Heroenzeit und die Kenntnis der Metallbearbeitung.— Die ihm aus des Pallas Tod
erwachsene Pflicht, diesen zu rächen, erfüllt Aeneas B. X v. 614— 790 und 887— 952.
Der Krieg hat sich nämlich vor der Hauptstadt des Latinus zusammengezogen, und dort erfolgt die Entscheidungsschlacht. Aus dieser herausgehoben wird der Zweikampf zwischen Aeneas und Turnus, zu dem der zwischen Pallas und Turnus nur das Vorspiel war. Hier bietet sich Gelegenheit durch Vergleich mit dem Entscheidungskampf im Nibelungenlied und dem Freiermord sich steigernde Reihen von Kampfbildern herzustellen.²) Die Beschreibung der Schlacht erinnert durch Erwähnung eines Belagerungsturms mit Stockwerken und Fallbrücken und der Wurfmaschinen an die Zeit des Verfassers und an den Charakter des Kunstepos; bemerkenswert sind auch die sehr zahlreichen Gleichnisse. Der Zweikampf verläuft in folgenden Stadien: Beide Männer sind an verschiedenen Stellen des Schlachtfeldes; Saces bringt Nachricht von der Gefahr der Stadt; die Gegner stürmen aufeinander los; des Turnus Schwert zerbricht (Höhepunkt!); Flucht; Verfolgung; neuer Kampf mit neuen Waffen(T. soll nicht wehrlos fallen; cf. Bewaffnung der Freier); Eingreifen der Götter(cf. Athene beim Freiermord); Steinwurf(wie beim Kampf um Brunhild könnten den Stein nicht 12 Männer heben, qualia nunc hominum producit corpora tellus; ähnlich Nestors olor võ, Soroi&iιν*) Verwundung des Turnus; Aussicht auf Erhaltung seines Lebens(das Schreckliche wird gemildert durch einen Zug von Versöhnlichkeit; ebenso schenkt Odysseus dem Sänger das Leben); sein Tod erfolgt zur Sühne für Pallas Tod. Aeneas ordnet also auch hier wieder seine Neigung der Pflicht unter(cf. Aeneas und Dido), er ist also auch hier der pius Aeneas.
Mit dieser Reihe von Bildern, die natürlich durch Mitteilungen über die überschlagenen Stellen zu ergänzen und zu verbinden sind, glauben wir auch der Forderung der neuen preussischen
¹) Draheim, Über Schillers antike und romantische Gedichte; Ztschr. f. d. deutsch. Unterricht. 1. Heft, 1893. ²) cf. Frick, Rohmaterialien etc. Lehrpr. 8.


