Aufsatz 
Die Schriftstellerlektüre der Ober-Sekunda nach den Grundsätzen der Konzentration : 2. Teil / von August Ahlheim
Entstehung
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besonders beachtenswert die Beschreibung der Schlacht bei Actium, die zur Unterstützung des Geschichtsunterrichts dienen kann. Formell erscheint die Stelle als Episode, und da sie nicht bloss nicht notwendig ist für das Verständnis der Haupthandlung, sondern diese in ihr ganz stockt, als ästhetisch nicht berechtigte Episode, während z. B. der Wettlauf als berechtigte erscheint, da aus ihm Licht auf die Träger der Haupthandlung fällt.!) Ein Vergleich mit dem Lied von der Glocke, der Beschreibung des Hermes in B. IV, Odyssee V 44 49 u. ä., sowie später mit Hermann und Dorothea IV. 159 zeigt, dass Vergil hier das epische Gesetz der Verwandlung des Körperlichen in Handlung absichtlich nicht beachtet hat; ihm waren eben, wie Lessing Laokoon cap. XVI-XVIII nachweist, die Zierraten die Hauptsache. Wenn auch die Lektüre des Laokoon nach UI gehört, so sind doch diese Abschnitte für das Epos so wichtig, und die Gelegenheit, sie heranzuziehen, ist so günstig, dass man sie nicht wohl wird vorübergehen lassen, zumal da ein solches Zusammentreffen günstiger Momente nicht leicht wieder eintritt. In UI giebt die Lektüre von Ilias und Messias vielfach Gelegenheit die Anwendung jenes Gesetzes von neuem zu beobachten, und die Kenntnis des Schildes des Aeneas selbst ist in O01 für die Lektüre des Schildes des Achilles zum Vergleich nötig.

Aus den in B. IX beschriebenen Kämpfen um das trojanische Lager heben wir die Episode Nisus und Euryalus v. 176449 hervor wegen des Zusammenhangs mit B. V(Wett- lauf), des sittlichen Wertes der Persönlichkeiten und der daraus abzuleitenden Begriffe der Treue(gegen Fürst, Vaterland, Freund), der Ehre und des Tragischen. Nisus will die kühne That wagen, sich mit dem Ruhme begnügen(Heldenehre), dem Freunde die Belohnung dafür zuwenden und ihn von der Gefahr fernhalten; bei der Ausführung weist er ihm dann die leichteste Aufgabe zu, kehrt seinetwegen, schon gerettet, in die Gefahr zurück und stirbt für und mit dem Freund(Freundestreue bis zum Tod! cf. die Bürgschaft(III); Herzog Ernst (UIh; Volker und Hagen). Der Knabe Ruryalus will teil haben an der kühnen That(Ehre), treu hält er zum Freund, rührend sorgt er für seine Mutter(pietas, nur andere Form der Treue). Beide zeigen also höchsten Seelenadel(eraτις!). Beide sind bedeutsame Persönlich- keiten, die uns vom Wettlauf her menschlich näher stehen, sie wagen eine grosse That(Aufopferung für Fürst und Vaterland), laden durch das Blutbad im feindlichen Lager eine leise Schuld auf sich (unlösliche Verknüpfung von Recht und Schuld), wollen fliehen, aber zu spät(6 ,⁵), ihre über- grosse Strafe erregt Furcht und Mitleid, selbst das idealste Wollen der menschlichen Natur hat sich in Irrtum befangen gezeigt, ²) wir werden gemahnt zur ⁶αννν und gewarnt vor jeder U⁶σςα(cf. Siegfried und die Freier), aber Befriedigung erfüllt uns bei dem Gedanken an die in dem Tod und in der Unsterblichkeit der Gefallenen sich offenbarende göttliche Gerechtig- keit(seelische ² σόα). Nisus und Euryalus sind tragische Helden!(Vorbereitung auf I.)

Zur Kenntnis der Litteraturgattung wichtig ist, abgesehen von der auch hier statt- findenden Übertragung von Zeitverhältnissen des Dichters auf die Heroenzeit(die legio mit 300 Reitern), das Aufgeben der Objektivität der Darstellung durch das Hervortreten der Person des Dichters(v. 446). Die Dichtung ist also das Werk eines bestimmten Dichters, der sich in Gesamtkomposition(cf. Gang der Handlung) wie auch im einzelnen(vgl. z. B. IV 238 ff. mit Odyssee V. 43 ff.) an ältere Epen(Homer) anlehnt und die epischen Gesetze mehr oder minder beobachtet; sie ist also ein Kunstepos.

Von B. X, den Kämpfen bei der Landung des mit Hilfsvölkern der Etrusker und Arkader, diese unter der Führung von Euanders Sohn Pallas, zurückkehrenden Aeneas lesen wir Pallas

¹) Kern, Lehrstoff für den deutschen Unterricht in Prima; Berlin 1886, S. 127. ²) Frick, Aphorismen zur Theorie eines Lehrplans; Lehrpr. 5.