dem Ganzen unterordnet, erregt das sociale Interesse. Endlich lenkt die Betrachtung der Opfer, der Eingeweideschau, der Gebetserhörung, des Verhältnisses zwischen Gott und Mensch und der göttlichen Vorsehung, die den Vaterlandslosen eine neue Heimat verheisst, die Auf- merksamkeit auf das religiöse Leben(religiöses Interesse).
Auch die Beziehungen zu anderen Unterrichtsgegenständen sind sehr zahlreich. Die in Livius I 6,3— 7,3 erzählte Gründung Roms wird hier als Ausfluss des göttlichen Willens und als Bestimmung des Fatums erklärt, und neben Livius I 16,7(polit. Testament des Romulus) tritt v. 231— 233, da an beiden Stellen in gleicher Weise auf die künftige Grösse Roms hingewiesen ist. Ferner wird für den II. punischen Krieg hier die mythische Begründung gegeben und auf diesen selbst und seinen Helden Hannibal in v. 622— 629 hingewiesen. Damit, sowie durch den Schauplatz der Handlung, Karthago(dessen Gründungssage angedeutet ist) und die libysche Küste, ist zugleich auch der Zusammenhang mit der Geschichte und Geographie hergestellt. Auf die vielseitigen Beziehungen zu Homer wurde oben schon hingewiesen. Kulturgeschichlich bemerkenswert ist noch, dass ebenso wie Dido die Kleidung des Aeneas (v. 263— 364) auch Penelope die des Odysseus und Kriemhilde die der 4 Helden, die an Gunthers Brautfahrt teilnehmen, gefertigt hat.— Auch für die ethischen Momente der Handlung finden sich vielfache Parallelen. Beweise von Treue und Aufopferung fürs Vaterland finden sich, wie hier, auch in den meisten übrigen Lehrstoffen der Klasse. Die seelische Wandlung von Liebe in Hass erkennt man wie bei Dido auch in Kriemhilde, und ein Konflikt der Pflichten, wie wir ihn bei Aeneas beobachten, wird auch pei Rüdiger beobachtet, nur dass die im deutschen Nationalepos sich entwickelnden Affekte viel grossartiger und tragischer erscheinen. (Pflege des Vaterlandsgefühls durch Weckung des Gefühls für die Ehre des eignen Volkes!) ¹) Die angegebenen Abschnitte weisen also vielfache Beziehungen auf zu den 3 Welten: Natur, Geschichte und Gott, ²) indem sie Anlass geben zur Pflege des Naturgefühls, der Teilnahme für den Einzelmenschen und die Formen des Gemeinschaftslebens, sowie des religiösen Gefühls. ³)
B. V spielt auf Sizilien. Durch einen Sturm dorthin verschlagen feiert Aeneas den Todestag seines Vaters durch Wettkämpfe(pius!). Der neue Schauplatz bietet ebenso reiche Beziehungen zur lateinischen und griechischen Lektüre, wie zur Geographie und Geschichte, und gerade Drepanum an der Westspitze spielt ja im II. punischen Kriege eine nennenswerte Rolle.
Sämtliche hier aufgezühlten Wettkümpfe zu lesen dürfte überflüssig erscheinen; es genügt vielmehr an einem derselben die typischen Elemente ⁴) wie: Schauplatz, Teilnehmer, Aus- setzung von praemia und honores, Wendepunkte(hemmende und fördernde Momente der Handlung), Höhepunkt, Ende, Preisverteilung aufdecken zu lassen. Hierzu empfiehlt sich ganz besonders der Wettlauf v. 286—361. Schon die Betrachtung des Schauplatzes, auf dem er sich abspielt, giebt Gelegenheit durch Schilderung eines schönen Landschaftsbildes auf die Ausbildung des malerischen Sehens, ⁵) also die Pflege des Naturgefühls hinzuwirken. Ferner ist auch hier die Triebfeder der Handlung die Treue, die hier als Freundestreue erscheint. Daneben tritt die kindliche Ausserung der Ehrliebe in dem Knaben Euryalus besonders wirksam zu Tage(sympathet. Interesse!). Der bei dieser Gelegenheit sich auch bemerkbar machende
¹) Meier, Erziehung zur Vaterlandsliebe durch die Schule; Lehrpr. 14.
²) Frick, Allgemeine Gesichtspunkte für eine didaktische Stoffauswahl; L ehrpr. 12.
³) Frick, Das Schöpferische in der unterrichtlichen Arbeit; Lehrpr. 25.
¹) Frick, Zur Charakteristik des elementaren und typischen Unterrichtsprinzips; Lehrpr. 9. ⁵³) Frick, Bemerkungen über Art und Kunst des Sehens; Lehrpr. 13.


