II. Schulnachrichten.
A. Chronik des Gymnasiums.
Das Schuljahr 1864/65 begann mit der Einführung des von Sr. Durchlaucht dem Fürsten zu Ysenburg präsentirten und durch Decret des Groſsherzogs vom 11. März a. p. bestätigten Gymnasiallehrers Dr. Wilhelm Schmidt. Derselbe hatte, im Herbst 1858 in Folge definitiver Besetzung der von ihm vicarirten Stelle von Büdingen abberufen, längere Zeit in Darmstadt privatisirt, dann eine Lehrerstelle in Holland übernommen, die er begleitete, bis ihm durch Allerhöchstes Decret vom 30. November 1861 eine Lehrerstelle an der Real- schule zu Alzey übertragen wurde. Nachdem er dieselbe 2 ½ Jahre versehen, ward ihm die Freude wieder in seine frühere Stelle an das Gymnasium zu Büdingen zurücktreten zu können.
Im Anfange Mai ging Director Haupt zur Kräftigung seiner Gesundheit nach Wild- bad, trat aber schon gegen Ende Juni wieder in seinen Dienst ein, der inzwischen von dem Lehrercollegium versehen worden war..
Am 16. und 17. Juli unternahmen die Schüler der beiden oberen Klassen unter Be- gleitung des Collegen Dr. Steinhäuser und der Accessisten Dr. Textor und Flach einen Ausflug nach Aschaffenburg und kamen körperlich und geistig erfrischt, froh und heiter nach Büdingen zurück.
Den Schluſs des Sommersemesters bildete der am 9. September abgehaltene Actus, dessen Programm wir unten folgen lassen. Der Gymnasialaccessist und Candidat der Theologie Heinrich Flach hatte mit dem Herbste 1864 seinen Access beendigt; es wurde ihm aber durch Verfügung Groſsherzoglicher Oberstudiendirection gestattet, seinen bisher in den unteren Classen ertheilten Religionsunterricht weiter fortzusetzen. Mit Genehmigung der oben genannten Behörde nahm Herr Dr. Wilhelm Flach seinen Access an dem hiesigen Gymuasium, den er im November vorigen Jahres autrat.
Dr. Wilhelm Flach ist am 5. November 1842 zu Büdingen geboren, wo sein Vater Schullehrer ist. Er besuchte daselbst zuerst die Stadtschule, darauf von seinem neunten bis siebzehnten Jahre das Gymnasium, und bezog sodann die Landesuniversität Gieſsen, um sich dem Studium der altklassischen Philologie zu widmen. Nachdem er sich von Herbst 1859 bis Herbst 1862 in Gieſsen aufgehalten hatte, kehrte er nach Hause zurück, um sich für das


