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Fakultätsexamen vorzubereiten, welches er im Sommer 1864 bestand. Daraufhin wurde ihm durch Verfügung Groſsherzoglichen Oberstudiendirection gestattet, den Access an dem Gym- nasium seiner Vaterstadt zu nehmen.
Gegen Ende des Jahres 1864 hatte sich das Leiden des Directors wieder eingestellt, aber selbst die heftigsten Schmerzen hatten ihn nicht vermögen können, seine Stunden aus- zusetzen. Mit Beginn des neuen Jahres verschlimmerte sich indeſs sein Uebel so, daſs er das Zimmer nicht mehr verlassen konnte. Seine Stunden konnten durch stärkere Zuziehung der Accessisten Flach und Textor, sowie der Collegen Blümmer, Schmidt und Becker vicarirt werden. Am 8. März erlöste der Tod unseren allverehrten Director von seinen Leiden; am 11. geleiteten ihn Lehrer und Schüler und zahlreiche Freunde aus der Stadt und Umgebung zu seiner letzten Ruhestätte. Freunde, durch langjähriges gemeinschaftliches Wir- ken dem Verstorbenen nahe gestellt, denken daran, die Thatsachen zusammenzustellen, welche das Lebensbild des ehrwürdigen Mannes vergegenwärtigen. Leider kann diese Darstellung nicht schon in dieser Schrift veröffentlicht werden, und so wird dieselbe entweder als Nachtrag zu diesem oder im nächsten Programme erscheinen.
Was dieser Mann— so meldete eine Freundeshand weiteren Kreisen die Trauer- kunde— in den langen dreiſsig Jahren, in welchen er in hiesiger Stadt rastlos treu und unermüdlich wirkte, gewollt und geleistet, das bezeugen die ergrauten Freunde, die dem Ver- ewigten nahe gestanden; und Herr Decan Meyer, der den Freund zur ewigen Ruhe einge- segnet, hat uns am Grabe treu und wahr das Characterbild des Dahingeschiedenen geschildert, dem hohes Pflichtgefühl in jeder Lage bei schlichtestem, einfachstem Auftreten das Köstlichste gewesen ist. Nur dem Inneren wollte er leben. Und man kann es sagen, er ist ein Opfer seines Ringens und Strebens, seiner strengen Lebensweise geworden. Nie hat er sich im Leben das gegönnt, was Menschen Erholungen nennen. War der Unterricht in der Anstalt, die ihm das Theuerste war, gegeben, so war es die Heranbildung der eigenen Kinder, die ihm am Herzen lag, und in den Stunden, die Amt und andere Pflicht noch übrig lieſsen, waren die umfangreichsten wissenschaftlichen Interessen seiner Seele Labung.— Hat er doch in der Zeit seines Wirkens als Lehrer fast in allen Gegenständen der Schule mit ausgezeichnetem Erfolge unterrichtet; die klassischen Sprachen und das Hebräische, das Englische und Alt- deutsche, die deutsche Literatur und die Geschichte, Mathematik, Zeichnen und Naturwissen- schaft— das alles hat er nach oder neben einander gelehrt, und nicht äuſserlich, sondern aus dem Geiste der Wissenschaft heraus und des Zieles sich bewufst, dals das allgemeine Wissen die Jugend veredle, erwärme und stähle. Und diese reiche Fülle des Wissens verband er mit einer Schlichtheit des Wesens, die jeden, der ihn verstand, mit hoher Achtung ergreifen, oft rühren muſste.— Und was er in sich vereinigte, das brachte er mit unermüdlicher Gewissen- haftigkeit und Diensttreue seiner Jugend dar, auch dann noch, als sein Leiden die geführliche Wendung nahm. Hat er sich doch in dieser Zeit häufigst des Samstags zu Bette gelegt, um sich bis zum Montage wieder so weit zu stärken, daſs er den Unterricht wieder beginnen konnte. Dieses Eine charakterisirt mehr als alles andere, wie dieser Mann von vielen anderen sich unterschied. Bei solcher Energie jahrelanger, praktischer Thätigkeit vermochte er es dennoch, streng wissenschaftliche Arbeiten dem Drucke zu übergeben.— Was der Verstorbene seiner Familie gewesen, das ist seiner Umgebung wohl bekannt: ein besserer Vater, der von grölserer Aufopferung, liebreicherer Fürsorge, der anspruchsloser in eigenen Wünschen wäre, kann nicht leicht gedacht werden.— Er war die redlichste Seele, der ehrenwertheste Character,


