Aufsatz 
Alexander der Große, der Sohn des Jupiter Ammon / Franz Bluemmer
Entstehung
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Herrn bestehende Praxis werfen und verrathen uns zugleich, dass jener aus der Schule geschwatzt und dass er, obschon er den Wink seines Gönners verstanden, dennoch reif erschien, von diesem nach und nach zur Seite geschoben zu werden. Von nun an tritt er nur noch zweimal auf den Schauplatz, einmal, wo er dem Könige, der durch eine in der Nähe seines Zeltes unweit des Oxus sich zeigende Oelquelle überrascht war, dieselbe für den Zug nach Indien als Zeichen so- wohl bevorstehender Strapazen als auch glücklichen Erfolges deutete ¹), sodann, wo er die Ermor- dung des Clitus auf Grund eines dem Könige erschienenen Traumgesichtes als ein vom Schicksal bestimmtes Ereigniss darzustellen die gehorsame Dienstfertigkeit hatte. Trotz der in diesen beiden Fällen gezeigten Willfährigkeit musste er doch, als der politis he Regent später in den Hauptsitzen des Magier- und Chaldäerthums es für erspriesslich fand, siech mit den Vertretern beider zu umgeben, diesen weichen. Somit ist die Beseitigung des in die Charlatanerie Alexan- ders tief eingeweihten Zeichendeuters in seiner Unvorsichtigkeit und seines IIerrn Klugheit genug- sam begründet, und braucht man nicht nach anderweitigen Ursachen, z. B. Begünstigung der oppositionellen Bestrebungen oder Theilnahme an denselben, wie es Geier*) thut, sich umzusehen..

Dass und warum KAlexander nach seinem Rückzuge aus Indien Chaldäer, Magier und so- gar indische Weise in seine Umgebung zog und sich ihres Rathes bediente, haben wir eben an- gedeutet. Auch eine syrische Wahrsagerin spielte in seinem Lager eine so bedeutende Rolle, dass sie Tag und Nacht freien Zutritt zu ihm hatte. Er und seine Umgebung hatten sie, so er- zählt Arrian dem Aristobul nach), anfangs zum Gespötte; setzt jedoch hinzu: ra ävta y di kae, neoa Seinero, ODxEt, Asketohah AeSdve s. w., was doch wohl soviel heisst, als: da aber der König wahrnahm, dass der gemeine Soldat grosse Stücke auf ihre Hellseherei hielt, glaubte er sich ihrer zu seinen Zwecken bedienen zu müssen, und sollte es auch zur Spionage sein. Dass sie ihm durch eine solche das Leben gerettet, be- weist die bekannte Geschichte, welche Arrian ¹) erzählt. Während die Mitverschworenen des Hermolaus, welche im königlichen Zelte die Nachtwache hatten, seiner späten Rückkunft von einem auswärtigen Mahle harrten, um ihn zu ermorden, trat die syrische Sibylle in den Speisesaal vor den König, der eben im Begriffe stand, aufzubrechen, und bat ihn, bis zum Tage fort zu zechen. Solcher Mahnung lieh der heiter gestimmte Gast ein williges Ohr, und Curtius hat die Schalk- heit uns zu verrathen, dass dieser auch jetzt noch über seine Prophetin gespöttelt): et ille per ludum, bene deos suadere, respondit, revocatisque amicis in horam diei ferme secundam convivii tempus extraxit., was wir ihm gerne glauben..

Doch der klare Blick, mit welchem er die Verhältnisse und die Menschen zu beurtheilen und zu seinem Vortheile zu verwenden verstand, sollte ihm nicht bis zu seinem Ende ungetrübt verbleiben. Zwar sind die Quellen) darüber einig, dass er den Chaldäern, als sie ihm, da er ruhmbedeckt bei seiner Rückkehr aus Indien seinen Einzug in Babylon halten wollte, riethen, weil Belus Unheil für ihn verkünde, den Eintritt in die Stadt zu unterlassen oder ihn wenigstens von Westen her zu bewerkstelligen, nicht traute, aber die Aengstlichkeit, mit der er sieh ausserhalb

¹) Arr. IV, 15, 8. Plut. Alex. 57 nennt als Deuter:Die Wahrsager. ) Geier a. a. O. S. 205.

3) Arr. IV, 13, 5.

4) Arr. a. a. O.

5) Curt. vIII, 22, 17.

6) Arr. VII, 1617. Plut. Alex. 73. Diod. XVII, 112.