Aufsatz 
Alexander der Große, der Sohn des Jupiter Ammon / Franz Bluemmer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

441 quoque adhibere coepit a superstitione animi. Sed quid tum praedicere Aristander, eui plurimum eredebat ex vatibus, poterat? Itaque damnatis intempestivis sacrificiis, peritos locorum convocari jubet. Per Mediam iter ostendebant tutum apertumque. Sie lässt die Kaltblütigkeit und Berech- nung recht handgreiflich zu Tage treten, mit welcher es bei diesen Gelegenheiten herging. Der- selbe Curtius berichtet eine andere nach dieser Seite hin lehrreiche Geschichte ¹): Ita qui post Dareum victum ariolos et vates consulere desierat, rursus ad superstitionem, humanarum mentium ludibria, revolutus, Aristandrum, cui credulitatem addixerat, explorare eventum rerum saerificiis jubet. Mos erat aruspicibus exta sine rege spectare, et quae portenderentur, referre Inter hnec rex, dum fibris pecudum explorantur eventus latentium rerum, propius ipsum considere amicos jubet, ne contentione vocis cicatricem infirmam adhuc rumperet. Der König stand damals mit seinem Heere am Jaxartes. Auf dem jenscitigen Ufer wohnten die Seythen, welche mit Hohnge- lächter die Macedonier aufforderten, sich mit ihnen zu messen. Ihrem Kriegsherrn lag viel daran, über den Fluss zu setzen und den Barbaren eine Schlappe beizubringen, besonders da zu fürchten war, dass sie, wenn nicht gedemüthigt, mit den unterworfenen Völkerschaften sich verbünden und ihm im Rücken gefährlich werden könnten. Allein Alexander war bei der Demüthigung einer am Flusse liegenden Stadt durch einen Steinwurf an dem Nacken verwundet worden und nieht im Stande laut zu reden. Der versammelte Kriegsrath drang desshalb in ihn, die von ihm vor- geschlagene Expedition gegen die Seythen zu unterlassen. Unter so bewandten Umständen muss- ten die Opferzeichen sprechen. Nach Arrians) Bericht wollten die Opfer nicht zusagen. Ale- xander darüber ärgerlich liess, zumal da die Scythen von ihrer Neckerei nicht abliessen, durch Aristander nochmals opfern; allein dieser erklärte abermals, die Zeichen seien gefahrdrohend. Der König äusserte, besser sei es, sich der grössten Gefahr auszusetzen, als nach Unterjochung von beinahe ganz Asien den Seythen zum Gelächter zu werden. Zwar erwiederte Aristander, er könne den göttlichen Zeichen entgegen nie eine andere Erklärung abgeben, weil Alexander etwas anderes zu hören wünsche. Allein die Vorbereitungen zum Uebergang über den Fluss wa- ren getroffen, und dieser ward alsbald in Ausführung gebracht. So wagte es einestheils Aristan- der selbständig zu deuten, und anderntheils Alexander, weil ihm die Deutung nicht genehm war, derselben zuwider zu handeln. Nach Curtius³) Angabe hatte Erigyius, um den König von sei- nem Vorhaben abzubringen, im Kriegsrathe besonders geltend gemacht, dass die Opferzeichen an den Vollzug desselben grosse Gefahr knüpften. Aristander hatte ihm beim Eintritte in das könig- liche Zelt diesen Ausgang der Opferhandlung mitgetheilt. Auf der Stelle lässt der aufbrausende König den unvorsichtigen Zeichendeuter holen und macht ihm Vorwürfe darüber, dass er seine Privathandlung ausgeplaudert. Der erschrockene Prophet entschuldigt sich mit seiner aufrichtigen Besorgniss um seines Herrn Gesundheit; von diesem bedeutet, er möge Vertrauen auf dessen Glück haben, entfernt er sich, kommt aber, während der König mit seinem Rathe sich über die Bewerkstelligung des Ueberganges über den Fluss bespricht, wieder und verkündet, die Opfer seien jetzt vortrefflich ausgefallen. An eine tendentiöse Entstellung der Thatsache von Seiten des Berichterstatters ist insofern nicht wohl zu denken, als er derselben irgend eine seiner beliebten rhetorischen Expectorationen weder vorausschickt, noch folgen lässt. Sind aber seine Worte zu- treffend, so lassen sie uns einen tiefen Blick in die zwischen dem Zeichendeuter und seinem

¹) Curt. VII, 30. 2) Arr. IV, 4, 1 ff. 3) Curt. VII, 31.